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Heimatabend mit Kalla Wefel Pommesbude auf dem Rosenplatz - Lehrreiches und Wissenswertes über die Hasemetropole

Von Thomas Wübker

<em>Von der Unterwelt</em> bis zum höchsten Punkt: Kalla Wefel zog beim Heimatabend alle Register. Foto: Uwe LewandowskiVon der Unterwelt bis zum höchsten Punkt: Kalla Wefel zog beim Heimatabend alle Register. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Einen Bogen von der Osnabrücker Unterwelt bis zum höchsten Punkt der Stadt schlug Kalla Wefels Heimatabend am Sonntag im Spitzboden der Lagerhalle.

Die Protagonisten tauchten tief in die Vergangenheit der Hasemetropole ein und boten dem voll besetzten Auditorium einen äußerst unterhaltsamen, aber auch lehrreichen Abend, der seinen Ursprung in der Facebook-Gruppe „Du lebst, schon lange in Osnabrücker, wenn...“ hatte.

Die „wahre Geschichte von Schnotten-Meyer“ wollte Kalla Wefel erzählen. Unter diesem Namen kennen viele Osnabrücker das Café Meyer, dessen Stammhaus seit je her an der Johannisfreiheit steht. Ursprünglich hieß es aber „Schmöttke-Meyer“, berichtete Wefel. Schmöttke ist ein originäres Osnabrücker Wort, das es nur hier gibt und in dem „Osnabrücker Möchtegern-Wörterbuch“ verzeichnet ist, das Wefel zusammen mit Heiko Schulze herausgegeben hat. „Wer aber jemals den braunen Pudding bei Meyer gegessen hat, der weiß, wie Schnotten schmeckt“, so Wefel.

Nachdem Wefel und Schulze ihr Wörterbuch vorgestellt hatten, das für zwei Euro im Buchhandel erhältlich ist, trat Axel Nerger auf die Bühne und präsentierte Fotos aus seinem Fundus und dem seines Vaters. Der war ebenfalls als Fotograf tätig und schoss in den Fünfziger- und Sechzigerjahren zahlreiche Bilder von der Stadt.

In seinem kurzweiligen Vortrag zeigte Nerger Szenen aus Osnabrück, die es so nicht mehr gibt: Bäume auf dem Nikolaiort, Passanten in der Fußgängerzone mit weißen Tennissocken und Jesuslatschen, ein großer Parkplatz und die „Hamburger Farm“ am Kamp oder ein Plakat für Bier-Werbung: „Lieber ein richtiges Osnabrücker Pils als ein falsches Maß“. Nergers Vortrag wurde von vielen „Ahs“ und „Ohs“ begleitet. Einige Besucher des Heimatabends überkamen nostalgische Gefühle. Obwohl er nicht an einer sentimentalen Rückschau interessiert sei, wie er sagte, erlebte Nerger ein geschmackliches Déjà-vu, als er auf einem Foto vom Rosenplatz eine Pommesbude entdeckte. Dort habe er die langen Kartoffelstäbchen verspeist, die in „Klöckner-Öl frittiert wurden“.

Beim „Osnabrück-Quiz“ wurde es dann lehrreich, ohne belehrend zu sein. Stefan Kröger, der bereits mehrere Bücher über die Stadt geschrieben hat, betätigte sich als Günther Jauch und wollte unter anderem wissen, welcher Berg der höchste Osnabrücks ist (Piesberg), wer der letzte evangelische Bischof von Osnabrück war (Friedrich von York) und aus welchem Adelsgeschlecht der Bischof Ernst August stammte (Welfen).

Zum Abschluss des Heimatabends wagte Horst Grebing vom Verein Gertrudenberger Höhlen den Abstieg in die Osnabrücker Unterwelt. Die Höhlen im Gertrudenberg wurden erstmals 1333 urkundlich erwähnt, so Grebing. In späteren Zeiten nutzten Bierbrauer die unterirdischen Gänge als Lagerraum; im Zweiten Weltkrieg dienten die Höhlen als Luftschutzbunker. 1992 wurden die Höhlen von der Stadt wegen Einsturzgefahr geschlossen. Der Verein setzt sich seit Langem für die Öffnung ein. Bisher vergeblich.

Der Heimatabend hat einige wissenswerte Details aus der Osnabrücker Geschichte zutage gefördert. Dank des Gastgebers Kalla Wefel und seiner Gäste gab es wieder mal viel zu lachen. Die zahlreichen Zuschauer gingen aber schlauer nach Hause. Angenehm war, dass die Veranstaltung ohne Lokalpatriotismus auskam.

Beim nächsten Heimatabend am 16. Dezember in der Lagerhalle steht wieder die Hasestadt im Mittelpunkt. Dann wird das Buch „Osnabrück – Heimatstadt zwischen Quakenbrück und Kattenvenne“ detailliert vorgestellt.