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Osnabrücker Orgelsommer: Konzert mit Christoph Niesemann in St. Katharinen Heiteres für den Orgelspieler

Von Ludger Rehm

Osnabrück. Sie ist mit ihrer neobarocken Disposition und der mechanischen Traktur etwas in die Jahre gekommen, die alte Dame auf der Empore in St. Katharinen, die Ott-Orgel aus den frühen 50er-Jahren. Anders lässt es sich kaum erklären, dass ein versierter und viel gereister Organist wie Christoph Niesemann am Dienstag im Rahmen des 19. Osnabrücker Orgelsommers so sparsam registriert.

Statt feierlicher, ernster Musik war Heiteres angekündigt. Und in der Tat hält das Programm, was es verspricht, allerdings nicht in jeder Hinsicht. Denn Heiteres, Humorvolles entsteht bei der Orgel nicht allein durch kompositorische und spieltechnische Finesse. Davon allerdings bietet das Konzert genug. Und das wird auch vom voll besetzten Kirchenschiff mit langem Applaus belohnt!

Allein schon die eröffnenden Variationen von Christian Heinrich Rinck haben ihn verdient. Niesemann registriert hier noch zu Recht zurückhaltend und klassisch und setzt die virtuos kontrapunktisch geführten Figuralstimmen gegen den durchgehenden Cantus firmus von „Jesu, meine Freude“ plastisch ab.

Die folgende C-Dur-Sonate von Franz Xaver Schnizer erweist sich dagegen als ein ziemlich belangloses Werkchen. Auch schön gewählte, silbrig perlende Labialregister im Kopfsatz und stupende Glissandi im abschließenden Presto können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier statt „mozartisch anmutender Leichtigkeit“, wie das Programmheft verspricht, eher belanglos-anstrengende Sonatinen-Floskelhaftigkeit am Werk ist.

Vor allem in den folgenden Werken gelingt es Niesemann auf der Ott-Orgel nicht immer, das spezifisch Humorvolle der Werke in Szene zu setzen. Dabei lägen mit den eindrucksvollen 16-Fuß-Zungenregistern Posaune und Trompete, dem Rankett und dem Krummhorn sowie der Schalmey genügend Klangmöglichkeiten vor, um humoristische Effekte zu erzielen.

Doch von diesen Möglichkeiten macht Niesemann wenig Gebrauch. So erklingen die „Mondschein-Variationen“ von Heino Schubert zu harmlos, zu brav, auch wenn natürlich das ein oder andere vom Publikum erkannte Zitat wie etwa das Mägdelein „Elise“ oder die Schubert’sche „Forelle“ für leichte Erheiterung sorgt. Aber der Witz, die Raffinesse, die Pointen, die nicht nur ein leichtes Schmunzeln, sondern auch das innere Zwerchfell der musikalischen Fantasie bedienen könnten, bleiben auch bei den abschließenden Werken weitgehend aus. Hans-André Stamms „Rondo alla celtica“ und Louis James Alfred Lefébure-Wélys „Boléro de concert“ spielt Niesemann souverän und überzeugend, die Erfahrung des musikalisch Heiteren bleibt aber weitgehend dem Orgelspieler vorbehalten.