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Wenn Ex-Osnabrücker Mark Lebedew sein Sakko auszieht ... – Kämpfer aus Australien als Meistercoach bei Berlin Volleys „Ein Spiel wird nicht am Spieltag gewonnen“

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Am Ziel: Mark Lebedew jubelt als Meister-Trainer. Foto: nphAm Ziel: Mark Lebedew jubelt als Meister-Trainer. Foto: nph

Berlin/Osnabrück. Das Daumendrücken nicht nur in Osnabrück half. Auch auf dem fünften Kontinent, wo sein (eigentliches) Zuhause ist und wo sein Vater Walter in Gedanken ganz intensiv dabei war, als Sohn Mark Lebedew seinen größten Erfolg als Trainer in Europa feierte. „Ja, wir haben gefeiert nach dem Rückflug nach Berlin bis um vier oder fünf Uhr. Da war es erst mal genug für mich“, erzählt der Australier als Coach des frisch gekürten deutschen Volleyballmeisters Berlin Volleys.

Doch spontan in der Nacht nach der Rückkehr vom fünften und entscheidenden Play-off-Finale im bayrischen Haching nicht genug. Nach einem Tag Pause war die Mannschaftskasse mit Fans dran, heute wird offiziell mit allen Beteiligten kräftig angestoßen auf den Triumph.

Ob er immer daran geglaubt habe, auch beim Matchball für Haching in deren Halle? „Ja“, betont Lebedew. „Beim 12:14 habe ich gedacht: Was kann ich jetzt machen? Da fiel das 13:14, und Haching nahm eine Auszeit. Ich hatte keine Auszeit mehr. Da habe ich die Jungs beruhigt und noch mal ganz ruhig gesagt, was zu tun ist. Und da ging es zack, zack, zack“. Und nach zack, zack, zack stand die Überraschung in fremder Halle nach dem 2:2-Gleichstand nach Spielen zuvor in der dramatischen Finalserie fest.

Am anderen Ende der Welt hatte Papa Walter Lebedew keine Zweifel am Erfolg der Berliner, weil er wusste, was sein Sohn zu sagen hatte in einer solchen Situation. Er hatte es hautnah erlebt, als er zum zweiten Halbfinale gegen Noch-Meister Friedrichshafen eigens nach Europa geflogen kam. Es stand 0:1 nach Spielen und 0:2 nach Sätzen, als Mark das gegen den Titelverteidiger tat, was er auch im Finale in Haching tat: Er zog das Sakko aus und krempelte die Hemdsärmel hoch. „Dann ist mir klar, wie die Berliner es geschafft haben“, bekannte der glückliche Senior am Telefon zu Friedel Wallenhorst in Osnabrück, Drehscheibe in Sachen Volleyball mit den Lebedews.

1988 begann diese Geschichte, als Wallenhorst im Weltenbummler-Duo mit Arenshorsts Pastor Karl-Heinz Kuhlmann und einer starken deutschen Auswahl nach „Down under“ flog und dort fünf Wochen Sport, Sightseeing und Religion verknüpfte – zum Teil mit den Lebedews. Danach kam der Junior für ein Jahr nach Osnabrück, lebte in der Familie Wallenhorst und spielte für den GSV Osnabrück in der 2. Liga. Zurück in Australien, stand für den heute 40-Jährigen fest, nach dem Sportstudium in Adelaide zurück nach Europa zu gehen.

Und das nun als Glücksfall für Berlin und den deutschen Volleyball, denn nach Trainerstationen in Deutschland, Belgien, Italien und Polen landete er in Berlin im zehnten Jahr in Europa den ganz großen Coup. Sein Rezept, sein Geheimnis? „Die Mannschaft hat einen tollen Kampfgeist, sie gibt nie auf, die ganze Saison nicht nach einem nicht so guten Start“, erzählt der Coach. Ganz wie er selbst, aber eben auch von seiner Philosophie und Überzeugung geprägt, die besagt: „Ich lege viel Wert auf die Vorbereitung in technischer und taktischer Hinsicht. Ein Spiel wird nicht am Spieltag gewonnen.“

Typisch Mark Lebedew, der von sich und seinem Volleyball-Know-how überzeugt ist und dabei stets bescheiden und bodenständig geblieben ist. Und weiß, woher er kommt und wo er sich zu Hause fühlt. In engster Seelenverwandtschaft mit seinem Papa, dem Volleyball-Pionier russischer Abstammung in Südwest-Australien, sowie in enger Freundschaft mit „den Wallenhorsts“, zu deren runder Geburtstagsfeier er eigens aus Berlin kam. Damals auch im Sakko, das freilich angezogen blieb, denn Ärmel aufkrempeln gibt es für ihn nur, wenn es beim Volleyball eng wird.


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