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Traditionshaus mit kriegerischer Vergangenheit Osnabrücker Kinogeschichte(n), Teil 3: „Rosenhof“

Von Reinhard Westendorf

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Das Rosenhof-Kino im Jahr 1992. Foto: ArchivDas Rosenhof-Kino im Jahr 1992. Foto: Archiv

Osnabrück. Der Name „Rosenhof“ hat sich als äußerst langlebig erwiesen. Noch heute wird der ehemalige Filmpalast am Rosenplatz erfolgreich als Veranstaltungssaal betrieben. Im dritten Teil unserer Reihe zur Osnabrücker Kinogeschichte stellt sich der „Rosenhof“ als das Haus mit der wechselvollsten und spannendsten Vergangenheit dar.

Davon hätte der legendäre Osnabrücker Kinopionier Josef Struchtrup nicht zuträumen gewagt, als am 18. März 1992 die „Rosenhof-Lichtspiele“ in seiner Anwesenheit noch einmal in alter Pracht und Größe erstanden. Zur Einweihungsfeier hatte der Neubetreiber Hans-Joachim-Flebbe („CinemaxX“) auch den damals 88-jährigen „Vater“ des traditionsreichen Filmtheaters eingeladen. Der kompletten Renovierung des „Rosenhofs“ war zwei Jahre zuvor ein Schlagzeilen machender „Kinokrieg in Osnabrück“ mit der Ufa-Theater AG von Kinokönig Heinz Riech vorausgegangen.

Der hatte die am 1. Oktober 1953 von Struchtrup am Rosenplatz eröffneten „Rosenhof-Lichtspiele“ im Jahr 1983 in ein unbehagliches Kinocenter mit insgesamt fünf Sälen und einer Gesamtkapazität von 625 Plätzen verschandeln lassen. Die schlimmste und kleinste Vorführstätte mit 65 Plätzen war dabei im ehemaligen Foyer untergebracht.

Bis April 1990 betrieb die Ufa den Rosenhof als Schachtelkino. Bereits drei Jahre zuvor hatte der Hannoveraner Mitbewerber Flebbe der Riech-Gruppe das Objekt abgejagt, wogegen die Ufa vergeblich klagte. Dank Flebbes Rückbau zu einem mit 420 roten Polstersesseln bestückten Einzelhaus waren die „Rosenhof-Lichtspiele“ in den 90er-Jahren sicherlich das schönste und repräsentativste Kino Osnabrücks.

Ab 1997 übernahm die Ufa jedoch wieder den Spielbetrieb bis zu seiner Schließung Anfang Oktober 2002 infolge der Insolvenz der Betreibergesellschaft. Ein örtlicher Anbieter aus der Gastro-Szene hatte zunächst Pläne, um aus dem leer stehenden Kino ein Kultur- und Stadtteilzentrum zu machen.

In abgewandelter und rein privatwirtschaftlicher Form betreibt bis heute Rüdiger Scholz von der Agentur „Goldrush Entertainment“ den „Rosenhof“ als Veranstaltungssaal für Konzerte, Comedy oder Partys. Dadurch ist der „Rosenhof“ programmatisch letztlich wieder zum Ausgang seiner eigentlichen Gründung gelangt.

Ursprünglich war unter dem Namen bereits 1933 von der Familie Struchtrup in der Johannisstraße ein Kabarett- und Varieté-Theater geplant, doch die Nazis verweigerten ihnen seinerzeit die dafür zwingend notwendige Konzession.


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