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Italienisch-Unterricht in Gefahr Umwandlung der Johannisschule zur trialogischen Grundschule bedeutet Verlust des Ganztagsstatus

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Ob singend oder erzählend: Italienischlehrer Giuseppe Scigliano reißt die Kinder mit. Archivfoto: Gert WestdörpOb singend oder erzählend: Italienischlehrer Giuseppe Scigliano reißt die Kinder mit. Archivfoto: Gert Westdörp

Osnabrück. „Bon giorno, maestro!“ – Guten Tag, Meister“, wird Giuseppe Scigliano an der Johannisschule von allen Seiten begrüßt. Er grüßt zurück und strahlt seine Kinder an. Bei ihm lernen sie Italienisch. Wie lange noch, steht in den Sternen.

Die Johannisschule nimmt im kommenden Sommer zum letzten Mal in ihrer Eigenschaft als katholische Grundschule i-Männchen auf. Danach wird sie zu einer trialogischen Grundschule mit dem Profil abrahamische Religion. Diese im Vorfeld durchaus umstrittene Umstellung bedeutet, dass die meisten Schüler dem Christentum, dem Judentum oder dem Islam angehören. Die dann bestehenden Klassen 2 bis 4 werden organisatorisch der Overbergschule zugeordnet. Bei diesem Zusammenschluss geht der Johannisschule der Status als Ganztagsschule automatisch verloren. Und damit würde dem Italienisch-Unterricht die Basis entzogen.

Schon für Erstklässler

Denn Giuseppe Scigliano lehrt Italienisch nach den üblichen Unterrichtsstunden. Schon Erstklässler kommen freiwillig, um bei ihrem temperamentvollen Lehrer zu lernen, was Hund, Katze, Apfel oder Erdbeeren in der Muttersprache ihres Maestros heißt.

Ab der 3. Klasse erteilt der Italiener bilingualen Kunstunterricht. Die Kinder können ihn fragen, geantwortet wird nur auf Italienisch.

Das alles läuft spielerisch ab, die Kinder merken gar nicht, wie schnell sie die Sprache lernen. „Peppe ist der geborene Grundschullehrer“, sagt Anke Fedrowitz, ehemalige Fachberaterin für muttersprachlichen Unterricht in Osnabrück. „Keine Angst, Fehler zu machen, bedeutet auch, keine Angst vor dem Sprechen zu haben“, beschreibt Giuseppe („Peppe“) Scigliano seine Methode. Seit 1999 wird an der Johannisschule Italienisch unterrichtet. Hier werden zwar auch Kinder italienischer Abstammung angemeldet, aber auch Kinder aus 20 anderen Nationalitäten lernen diese klangvolle Sprache.

Vor zwei Jahren wurde die Johannisschule als „Osnabrücker Heimat des Italienischunterrichtes“ von Comites (Vertretung der Italiener im Ausland) für die Förderung der italienischen Sprache und Kultur ausgezeichnet.

Düstere Aussichten

Angesichts düsterer Zukunftsaussichten wird der so temperamentvoll-freundliche Lehrer nicht minder temperamentvoll-zornig: „Das ist Vergeudung von Kompetenzen.“ Unter dem Dach der Johannisschule hat er zwei Klassenzimmer zu Italienisch-Lernorten umfunktioniert und mit allen möglich selbst gefundenen oder selbst gebastelten Materialien ausgestattet.

Eine Untersuchung durch die Universität Osnabrück hat den Erfolg des Unterrichtes inzwischen auch wissenschaftlich belegt. Dass mit Start der trialogischen Schule damit Schluss sein könnte, ist für Giuseppe Scigliano, die Kinder und deren Eltern einfach unvorstellbar: „Das wäre ein Verlust für die Stadt“, bekräftigt Anke Fedrowitz.


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