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Der Schattenmann Osnabrücker Autor arbeitet auch für „Wetten dass..?“

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Osnabrück. Vor der Kamera fühle er sich unwohl, sagt Christoph Schulte-Richtering. Trotzdem wären „TV Total“, „Deutschland sucht den Superstar“ und selbst „Wetten dass..?“ ohne den 43 Jahre alten, gebürtigen Osnabrücker nicht das, was sie sind.

Was soll denn auch aus einem Menschen werden, der von sich sagt, dass ihn Loriot, Otto und Dieter Hallervorden in seiner Jugend begeistert, dass er die Muppet-Show sogar geliebt habe. Einer, der, wenn er darüber spricht, den Mund breit und die Stimme hoch werden lässt, um wie Kermit der Frosch „Die Hühner bitte auf die Bühne!“ zu quaken? Aus ihm könnte ein Mann werden wie Christoph Schulte-Richtering. Ein Mann also, über den Thomas Gottschalk sagt: „Christoph Schulte-Richtering ist hübsch und witzig. Und ich lüge pro Satz nur einmal!“

Wer nun die Lüge aus Gottschalks Zitat filtern will, kann sich ein Foto von Schulte-Richtering anschauen. Das Problem ist nur, dass „hübsch“ ein zutiefst subjektiver Begriff ist.

Da Thomas Gottschalk selbst die Pointe nicht auflösen wird, empfiehlt es sich also, sich dem Menschen Christoph Schulte-Richtering über das „witzig“ zu nähern. „Auch subjektiv!“, werden die ganz Schlauen einwenden und auf den Erfolg von Mario Barth verweisen. Aber so ganz stimmt das nicht. Gute Witze ließen sich 100-mal erzählen, schreibt Schulte-Richtering auf seiner Homepage. Man dürfe nur nicht vergessen, die Inhalte auszutauschen. Das liege daran, erklärt der Wahl-Kölner, dass die Struktur von Pointen wiederholbar sei. Ein Zitat, das auch im Lehrbuch zur Humorforschung stehen könnte, wenn es das denn gäbe.

Es ist etwas passiert zwischen Muppet-Show und quasi-wissenschaftlicher Humor-Forschung bei Schulte-Richtering: sein Leben. Nach dem Abitur 1987 an der Ursulaschule, einem Jahr in den USA und dem Wehrdienst studierte Schulte-Richtering von 1989 bis 1995 Germanistik, Anglistik, Mediävistik, Linguistik. Er wurde Wissenschaftliche Hilfskraft. Die Uni-Karriere schien vorgezeichnet. „Aber mir fehlten die Vorbilder“, sagt Schulte-Richtering. Er habe die Wissenschaft als einsamen Job wahrgenommen. Dann sah er Herbert Feuerstein und Harald Schmidt im Fernsehen, und es traf ihn. „Als ich ‚Schmidteinander‘ gesehen habe, wusste ich: Das will ich machen.“ Nur nicht vor der Kamera.

Also bewarb er sich. „Damals reichte es noch, einfach eine lustige Bewerbung zu schreiben“, sagt er. Was in seiner stand, weiß er nicht mehr. Aber es klappte. Er wurde Volontär bei der Produktionsfirma „Brainpool“ und Redaktionsassistent bei der Harald-Schmidt-Show. Später arbeitete er in der Entwicklungsredaktion und als Autor für „TV Total“. Seit 2003 folgten unter anderem Engagements bei der Echo-Verleihung und „Deutschland sucht den Superstar“.

Auch wenn er für die Moderatoren schon Witze schrieb und schreibt, sagt Schulte-Richtering: „Ich bin kein Freund von Witzen. Fernsehhumor funktioniert anders.“ Großflächiger, weniger punktuell. Deshalb arbeitet er gerne konzeptionell, entwickelt Ideen für Formate und überlegt sich, wie diese am besten umzusetzen sind. Selbst vor die Kamera hat es ihn nie gedrängt: „Da fühle ich mich nicht wohl.“

Schon in den Jahren auf der Ursulaschule hätte er merken müssen, dass sein Weg in die Schatten hinter der Bühne führen würde. Denn während die Klassenclowns das Wort führten, „war ich schon immer einer aus der zweiten Reihe“, sagt Schulte-Richtering. Immer integriert, immer mittendrin, aber nie vorneweg.

Für „Wetten dass..?“ übernimmt er seit 2008 genau diese Rolle. Er schreibt Vorschläge für Anmoderationen und für Fragen, stellt Informationen zu den Gästen zusammen und formuliert aus Vorschlägen von Kandidaten konkrete Wetten. Das Problem der Moderatoren sei, dass sie auf der Bühne immer allein seien. „Die brauchen das Gefühl, dass jemand da ist, dem sie vertrauen können und der ihnen im richtigen Moment die richtige Moderationspappe hinhält“, sagt Schulte-Richtering. Er coache die Moderatoren durch die Show, sagt er und erklärt, was das bedeutet: „Ich höre ihnen zu, begreife ihre Sorgen und Nöte und versuche die aufzufangen.“

Seine eigenen Nöte und Sorgen vergisst der verheiratete Schulte-Richtering am besten, wenn er mit seinem fünfjährigen Sohn zusammen ist, in seiner Wahlheimat Köln. Die, wie er sagt, „dummerweise sehr hässlich ist“. Nicht so adrett und aufgeräumt wie Osnabrück, wo seine Mutter wohnt und wo ein Bild aus seiner kleinen Kunstsammlung im Felix-Nussbaum-Haus hängt.

Ansonsten lässt der Beruf nur wenig Zeit für Hobbys. Doch es gibt etwas, das Schulte-Richtering für sich macht, wo er nicht in der zweiten Reihe steht, sondern ganz vorne, im Mittelpunkt des Interesses: Er schreibt Bücher. Zum Beispiel das Geschichtsbuch „Schnick, Schnack, Schnuck“, in dem er unter anderem erklärt, was es mit dem Lächeln der Mona Lisa auf sich hat und warum Heidi Klum ihre Karriere dem 18. Jahrhundert verdankt. Als Schulte-Richtering das Buch im September 2010 veröffentlichte, bat er Thomas Gottschalk um ein Statement dazu – und was der daraufhin antwortete, war hübsch und witzig.


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