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Bislang Standard-Funktionen Zurker steigt in den Ring: Neues soziales Netzwerk will die Ablösung von Facebook sein

Das soziale Netzwerk Zurker will Facebook ablösen. Ob es das schafft, bleibt abzuwarten. Foto: Colourbox/Montage Langer/NOZDas soziale Netzwerk Zurker will Facebook ablösen. Ob es das schafft, bleibt abzuwarten. Foto: Colourbox/Montage Langer/NOZ

Osnabrück. Die Namensähnlichkeit des neues sozialen Netzwerks „Zurker“ zum Facebook-Gründer Marc Zuckerberg ist wohl kein Zufall, sondern eher als Provokation gedacht. Schließlich ist der Initiator des Netzwerks, ein in Belgrad geborener Japaner namens Naoki Oba, davon überzeugt, keine Alternative zu Facebook zu sein, sondern die Ablösung. Der Fernsehsender ZDF feiert es schon jetzt als „Anti-Facebook“.

Doch wie kann gelingen, was Google+, StudiVZ und die vielen anderen sozialen Netzwerke bisher nicht geschafft haben? An technischen Innovationen kann es nicht liegen, Zurker bietet die Standard-Funktionen wie alle Netzwerke: Auch hier kann der Nutzer sich mit seinen Freunden verbinden, Fotos hochladen, es gibt eine Rubrik, um Fundstücke zu posten, und auch hier verfassen die Mitglieder ihre üblichen Status-Updates. Logischerweise kann hier auch jeder selbst bestimmen, ob seine Inhalte jeweils global einzusehen sind, nur bei Zurker oder nur für Zurker-Freunde.

Den großen Erfolg versprechen sich die Macher also nicht über das Netzwerk selbst, sondern über das Geschäftsmodell: Wie in einer klassischen Genossenschaft soll das Netzwerk den Nutzern gehören und nicht nur Investoren.

Und genau hier liegt das Problem von Facebook: Das Unternehmen hat Daten von mehr als 900 Millionen Nutzern gesammelt – dieses gigantische Wissen gehört nur einer einzigen Person: dem Gründer Marc Zuckerberg. Das ZDF schreibt in seiner Online-Ausgabe, dass dies der Grund für die Zurker-Macher gewesen sei, eine andere Art von Netzwerk zu gründen – eben wie Facebook, nur besser.

Jedes Mitglied von Zurker soll ein Miteigentümer und Investor der Plattform sein – zurzeit sind es 200 000. Für die eigene Mitgliedschaft und die Weiterempfehlung an Freunde gibt es virtuelle Anteile, sogenannte „vShares“ am Unternehmen. Zusätzliche Anteile können für einen US-Dollar gekauft werden.

Das ganze Vorhaben hört sich zunächst nach einer sehr guten Idee an – es gibt aber einen großen Haken: Es stimmt nicht. Derzeit gehört Zurker nur dem Gründer Naoki Oba. In den Nutzungsbedingungen steht nämlich, dass vShares keine Anteilsscheine und keine Aktien sind. vShares seien lediglich eine Vereinbarung zwischen den Nutzern und Betreibern, dass Nutzer sich für Firmenanteile qualifizieren werden. Im Klartext heißt das also, dass die vShares nur Optionen auf Anteilsscheine sind. Auf Nachfrage von Spiegel online räumt Oba ein, dass es wohl eher „zukünftige Besitzer“ von Zurker heißen müsste. „Sie haben recht, derzeit gibt es keine rechtliche Basis für den Besitz durch Mitglieder“, wird er in der Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins zitiert. Einen genauen Zeitplan, wann die vShares in echte Anteilsscheine umgewandelt werden, gebe es ebenfalls nicht.

Einen weiteren Kritikpunkt bringen Blogger ins Spiel. In chriszim.com heißt es, dass Zurker Google Analytics verwendet. Über diesen kostenlosen Dienst werden kräftig Daten gesammelt. Zum Beispiel woher der Besucher auf die Webseite gekommen ist, die Verweildauer und welche Suchbegriffe er in die Suchmaschine eingegeben hat. „Spätestens hier kann man nicht mehr behaupten, dass Zurker besser sei als Facebook“, finden einige Blogger. Zwar würde auch Facebook eine Analyse-Software im Hintergrund laufen lassen, aber wolle man besser sein als Facebook, müsse man ganz auf Statistik-Tools verzichten.

Zurzeit hört sich das ganze Vorhaben also wenig seriös an. Sollte Oba aber Wort halten und sein Netzwerk tatsächlich eines Tages den Nutzern gehören, könnte es ein großer Erfolg werden und die Besitzer durch Werbeeinahmen mitverdienen. Ist Zurker allerdings eine geschickte Betrugsmasche, müssen die Betrogenen ihren Verlust wohl als „Lehrgeld“ verbuchen und weiter von einem „Anti-Facebook“ träumen. Dann war Zurker einfach nur ein weiteres soziales Netzwerk, das wie StudiVZ, Lokalisten und Ähnliche in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist.


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