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Mit ihrem Film über Gerhard Richter zeigt Corinna Belz den künstlerischen Akt als Frage von Takt und Timing Kontrollierte Ekstasen

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Bloß nicht die Übersicht verlieren: Gerhard Richter bei der Arbeit an einem seiner abstrakten Bilder.Foto: Piffl MedienBloß nicht die Übersicht verlieren: Gerhard Richter bei der Arbeit an einem seiner abstrakten Bilder.Foto: Piffl Medien

Osnabrück. Filme schaffen Künstlermythen. Hans Namuths Aufnahmen von Jackson Pollock, der über der Leinwand tanzt, machte das Action Painting populär. Und Henry-Georges Clouzots „Mysterium Picasso“ zeigte das Genie als Schöpfer und Zerstörer. Corinna Belz’ Film über Gerhard Richter zeigt auch ein Genie – als Zweifler.

Jahrelang hat der 1932 in Dresden geborene Maler, der stillste Weltstar seiner Zunft, keinem Filmprojekt mehr zugestimmt, das ihn zum Gegenstand hat. Mit einer Dokumentation über die Fenster für den Kölner Dom gewann Corinna Belz das Vertrauen des scheuen Richter – und nutzte diese Chance klug. Denn ihr Film passt sich in Bildsprache und Rhythmus seinem Gegenstand vollkommen an.

Der Blick in Richters Atelier zertrümmert romantische Mythen. Der Ort der Bilderproduktion ist eben keine Höhle der Exzesse, sondern ein lichter Ort kontrollierter Ekstase und rationaler Planung. Richter arbeitet während der Dreharbeiten zwischen April und September 2009 an abstrakten Bildern. Geduldig trägt der Maler Farbschichten auf, die er mit riesigen Rakeln wieder zerkratzt. Bilder malen heißt: Bilder verletzen. Und Bilder betrachten. Denn Richter („Die Bilder machen, was sie wollen“) erscheint als Zauderer, als ein Künstler, der jeden malerischen Akt durch Beobachtung domestiziert. Warten ist ebenso wichtig wie machen: Richters Arbeitsprozess reichert sich über geduldig angebrachte Korrekturen an. Belz zeigt den Künstler als reflektierten Bilderplaner, der immer wieder zwischen den Bildmedien hin und her springt, um Distanz wahren zu können.

Malen sei eigentlich eine heimliche Angelegenheit, sagt der weltweit begehrte Künstler. Und verhält sich im Film entsprechend. Im Interview gibt er sich wortkarg und spröde, verschwindet manchmal aus dem Blickfeld. Darin gleicht er seinen in typischer Unschärfe gemalten Bildfiguren. Richter ist am liebsten gar nicht da, versteckt hinter Bildern.

Gerhard Richter Painting. Deutschland 2011. B und R: Corinna Belz. 97 Minuten.Cinema-Arthouse Osnabrück, Sonntag, 25. September, 11.30 Uhr.


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