Sprachliche Gleichstellung Wie gendergerecht sind unsere Hochschulen?

<em>An der Universitäten Leipzig</em> (Hörsaal im Bild) und Potsdam hat man sich für das gererische Femininum in der Satzung entschieden. Foto: dpaAn der Universitäten Leipzig (Hörsaal im Bild) und Potsdam hat man sich für das gererische Femininum in der Satzung entschieden. Foto: dpa

Osnabrück. Gendergerechte Formulierungen spalten die Gesellschaft. Während die einen auch sprachlich auf eine Gleichstellung bestehen, ist es für andere nur ein lästiges Übel. Nach der Universität Leipzig hat nun auch die Universität Potsdam ihre Senatssatzung feminisiert. Wir haben nachgefragt, wie die Osnabrücker Hochschulen es mit der Genderisierung halten.

Nein, einen „Herrn Professorin“ wird man künftig auch in Leipzig und Potsdam nicht antreffen –entgegen anderen Medienberichten geht es lediglich um eine Formulierung in den Grundordnungen der Universitäten. So hat der Senat der Potsdamer Universität entschieden, nicht mehr von „Professoren/-innen“, sondern schlicht „Professorinnen“ zu sprechen. Dennoch führte die Veränderung zu Spott, Hohn und Aufregung im Internet.

Aber wie halten es eigentlich unsere heimischen Hochschulen mit der femininen Form?

In einem Gespräch mit den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ erzählt Senats-Vize Fred Albrecht, dass man hoffe, durch diese neue Genderisierung „verhunzelte Texte“ wieder lesbar zu machen. Sowohl Frauen als auch Männer sollen sich von der weiblichen Form angesprochen fühlen. Aus der Sicht des Senats sollte die Änderung der Satzung zu einer sprachlichen Erleichterung führen. An der Uni Osnabrück kann man das Gefühl nachvollziehen, dass gendergerechte Ausdrücke einen Text manchmal unleserlich wirken lassen. Vize-Präsidentin Prof. May-Britt Kallenrode unterstreicht dennoch, dass die Universität darauf achte, Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen. Anstatt von „Studenten/-innen“ könne man auch simple „Studierende“ sagen, um lange, komplizierte Konstruktionen zu vermeiden.

Spezielles Wörterbuch

Darüber hinaus ist sie der Meinung, dass sich ein geschlechtergleiches Verhalten nicht nur über die Sprache ausdrückt: „Papier ist geduldig und sagt nichts darüber aus, wie man in der Praxis mit der Thematik tatsächlich umgeht.“ Die Umsetzung aus Leipzig und Potsdam begrüßt Kallenrode aber, weil die Universitäten damit eine Debatte angestoßen haben, die oft in Vergessenheit gerät.

Die Hochschule Osnabrück versichert, sich schon seit Jahren einer gendergerechten Sprache verpflichtet zu haben. Das Präsidium arbeite eng mit dem Gleichstellungsbüro zusammen , um gleichstellungsrelevante Themen in Projekten zu verwirklichen. Bettina Charlotte Belker, Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Osnabrück, sieht Sprache als wichtiges Ausdrucksmittel, um soziale Realität abzubilden. „Das Ziel geschlechtergerechter Sprache ist, Frauen und Männer in ihren Rollen, Kompetenzen und Lebenssituationen gleichermaßen sichtbar zu machen“, sagt sie.

Zu einer chancengleichheitsbewussten Hochschule gehört zudem nicht nur der Einbezug von Gender und Diversity, sondern auch die Interkulturalität. Studenten und Studentinnen bietet das Gleichstellungsbüro Informationen und Hilfsmittel. So gibt es beispielsweise ein Wörterbuch zur gendergerechten Umformulierung sowie ein „Gendering-Add-in“ für Word-Anwendungen.

Die Hochschule hat sich für die Wahl von geschlechterneutralen Bezeichnungen und die Nutzung weiblicher und männlicher Formen entschieden. Eine Anwendung von rein femininen Formen wie in Potsdam oder Leipzig sei im Moment nicht in Planung.


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