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Projekt der Bürgerstiftung Demografie-Experte Björn Schwentker zu Gast im Medienhaus der Neuen OZ

<em>„Was wollen wir 100 Jahre lang machen?“</em>, fragt Björn Schwentker. Foto: Klaus Lindemann„Was wollen wir 100 Jahre lang machen?“, fragt Björn Schwentker. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Nur keine Angst vor dem Altwerden. So lautete das Fazit des Vortrags von Björn Schwentker. Der Hamburger Wissenschaftsjournalist sprach im Medienhaus der Neuen OZ auf Einladung der Bürgerstiftung Osnabrück. Die Stiftung ist einer der deutschen Projektpartner der diesjährigen EU-Initiative über die Chancen des Alterns.

Mit optimistischer Entschiedenheit nahm der 38-jährige Schwentker seine Zuhörer mit in ein mögliches Deutschland von morgen. Heute geborene Menschen könnten bereits mit einer Lebenserwartung von 100 Jahren rechnen. Der Trend verlängerter Lebenszeit steige seit längerer Zeit unaufhaltsam und universell. Unaufhaltsam, da die Menschen mit jedem Jahrzehnt gut 2,5 Jahre länger lebten. Universell, weil eine „ureigene Kraft den Menschen immer älter werden lasse“, so Schwentker. Grund für manch angstbesetzte Debatte über das Älterwerden von immer mehr Menschen seien die vorherrschenden Bilder: Krankheit und Siechtum gingen dem Tod unweigerlich voraus. Das gebe es, doch würde solches Leiden in den Altersheimen nur für „Unterpopulationen“ gelten, antwortete Schwentker auf Nachfragen der Zuhörer. Stattdessen lebe die Mehrzahl der Menschen nicht nur länger, sondern auch gesünder.

Gute Ernährung, Sport, der medizinische Fortschritt sowie Einkommen seien Faktoren, die eine prognostizierte, erweiterte Lebenszeit auch aktiver genießen ließen. Also: „Was wollen wir 100 Jahre lang machen?“, fragte Schwentker zur Lebensgestaltung von morgen. Das bisherige Modell mit einer Lernphase bis 20, einem Arbeitsabschnitt bis 65 und einer freien Zeit bis zum Lebensende habe dann ausgedient. So unpopulär die Anhebung des Rentenalters derzeit sei, so nötig sei in Zukunft die Anbindung der Rente an die Lebenserwartung. Den Einwand aus dem Publikum, bestimmte Berufsgruppen könnten nicht länger als 40 Jahre im Job arbeiten, konterte der Demogafie-Journalist so: Zum einen gehe der Anteil körperlicher Arbeit zurück. Zum anderen lasse sich doch über die alternative Gestaltung bisheriger Lebensmodelle nachdenken. „Muss ein Dachdecker immer nur Dachdecker sein?“ Warum sollte er nicht ein Studium absolvieren, sich eine Zeit lang seinen Kindern widmen und mit 53 in einer neuen Stelle wieder Karriere machen, umschrieb Schwentker eine mögliche Variante.


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