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Stadt tauscht die Erde aus Salzschäden: Erste Hilfe für schwer kranke Bäume in Osnabrück

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Osnabrück. Viele Bäume an Straßen und Plätzen in Osnabrück sehen Mitte August schon so braun aus wie sonst erst Anfang Oktober. Am Domhof hat der Osnabrücker Service-Betrieb jetzt mit einer Notfallhilfe begonnen. Ob’s hilft, wissen die Fachleute nicht.

Die Ursachen sind dagegen ziemlich eindeutig. Holger Oldekamp, Botaniker und Zweiter Vorsitzender der Osnabrücker Kreisgruppe des Naturschutzbundes, sieht klare Symptome für Salzschäden. Anders als bei einem Befall durch Schädlinge wie zum Beispiel die Kastanienminiermotte oder durch Pilze färben sich die Blätter der befallenen Bäume vom Rand her gelblich und braun. Schuld sei das Salz, das in zwei harten Wintern massenhaft auf die Straße gestreut wurde. Das Salz verursache Chloridablagerungen in den Blättern. Das besonders trockene Frühjahr habe die Lage für die Bäume noch zusätzlich verschlimmert.

Besonders betroffen seien Hainbuche, Bergahorn und Linde, sagt Dr. Gerhard Kooiker, ebenfalls Biologe und Vorsitzender der Westphal-Umweltstiftung. Den beiden Osnabrücker Naturschützern waren die zu trockenen Stadtbäume schon vor einiger Zeit aufgefallen, als sie einen Falken-Brutkasten auf dem Johanniskirchturm anbrachten. Anschließend fanden sie immer weitere Stellen in der Stadt, an denen schon teilweise entlaubte Bäume mit auffällig braun gefärbten Blättern stehen: am Ledenhof, an der Osnabrückhalle, am Heger Tor oder am Domhof.

Frank Bludau, beim Servicebetrieb der Stadt für Grünflächenpflege zuständig, fängt jetzt mit seinen Leuten am Domhof an, zu retten, was noch zu retten ist. Das Verfahren ist aufwendig. Zunächst müssen die Abdeckungen rund um die Wurzeln der geschädigten Bäume entfernt werden. Dann wird das Erdreich aus dem Wurzelbereich abgesaugt, damit Salze und zum Teil auch Schwermetalle die Bäume nicht weiter belasten. Dann wird frisches Erdreich eingebracht und gewässert, was das Zeug hält. Gleichzeitig bekommt der Baum eine Art Medizin, einen Zusatzstoff, der Salz neutralisieren soll.

Ob das überall hilft, weiß Bludau noch nicht. Am Heger Tor zum Beispiel steht eine angeschlagene Linde, die vermutlich nicht mehr zu retten ist und gefällt werden muss. Die NABU-Leute appellieren an Stadt und Bürger, mit Streusalz so sparsam wie möglich umzugehen. An vielen Stellen, so Oldekamp, tue es auch Splitt.


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