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Chirurgenmesser verleiht Kunst Flügel Mehr als Malerei: Das BBK Kunst-Quartier stellt Arbeiten von Ludwig Burandt aus

<em>Bringt abstrakter Kunst</em> Ernsthaftigkeit bei: Ludwig Burandt. Foto: Klaus LindemannBringt abstrakter Kunst Ernsthaftigkeit bei: Ludwig Burandt. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Formen als Zeichen, Farben als Bilddominante. Die Malerei des Künstlers Ludwig Burandt bietet eine Fülle von sinnlichen Impulsen, eines jedoch nicht: gegenständliche Bezugspunkte. Seine Farbkompositionen werden jetzt im BBK Kunst-Quartier gezeigt, verstärkt durch die Wirkung von schwarzen Objekten, die an der Decke baumeln und die er „Cutouts“ nennt.

Cutout ist ein Begriff, den man in der Computergrafik benutzt, wenn man beispielsweise Fotomotive freistellen und in einen anderen Hintergrund beamen will. Auch in der Modebranche trifft man auf den Ausdruck, wenn etwa ein Kleidungsstück Sichtfenster aufweist. Das Ausschneiden von Formen und Konturen ist der Prozess, der Burandt fasziniert. Weil in seinen gemalten Werken bisweilen Formen auftauchen, die schlangenartig durch die Kompositionen mäandern, kam er auf die Idee, diese aus dem Bildzusammenhang herauszulösen und als Objekte im Raum fliegen zu lassen. Mit einem Chirurgenmesser schneidet er die Gebilde aus Kappaplatte, malt sie schwarz an und nennt sie „Schwarz“.

Als hätten sie ihre Funktion als Bildelement erweitert, sprengen sie den Rahmen des Kunstwerks, funktionieren die Galerie in eine begehbare Installation um, in der die ausgestellten Elemente miteinander in spannungsvolle Beziehung treten. Interessant gerät dabei der Kontrast zwischen den gestisch, mit groben Pinselstrichen gemalten, sehr farbintensiven Formen in den Bildern und den exakt ausgeschnittenen, monochromen Schwebeobjekten, die versuchen, den Vorbildern Ernsthaftigkeit, Ordnung und Akkuratesse beizubringen.

Ein Video, das der Künstler selbst angefertigt hat, vermittelt den Entstehungsprozess der Exponate. Außerdem zeigt Burandt darin Werke, die nicht in der Ausstellung präsentiert werden, zum Beispiel Papiercollagen, in denen er mit geometrischen Formen und gezeichneten Elementen Dynamik erzeugt. Der Monitor mit DVD-Spieler ist übrigens eine Neuerrungenschaft des Kunstquartiers und wurde vom Freundeskreis Bildender Künstler Osnabrück gespendet, der sich die Förderung von Künstlern und Kunstorten auf die Fahnen geschrieben hat ( www.kunstfreunde-osnabrueck.de ).

Passend zu den nicht gegenständlichen Bildern Burandts wird im BBK Kunst-Quartier am Mittwoch, 13. März, ab 19 Uhr die Abstrakte Malerei und ihre Vermittlung in den Fokus gestellt. In der Reihe „Forum Kunst“ spricht Professor Dr. Andreas Brenne von der Universität Oldenburg zum Thema „100 Jahre abstrakte Kunst“.

BBK Kunst-Quartier, Bierstraße 33: „Cutouts“. Malerei und Objekte von Ludwig Burandt. Bis 3. April, Di., Mi. und Fr. 14–18 Uhr, Do. 15–20 Uhr Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


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