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250 Straftaten aufgeklärt Osnabrücker Polizei fasst internationale Betrügerbande

Von PM. | 22.12.2015, 11:30 Uhr

Osnabrück/Nordhorn/Berlin. Der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück ist in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Osnabrück ein Schlag gegen eine internationale Betrüger-Bande gelungen.

Rund 250 Straftaten konnte die Polizei im Zusammenhang mit der europaweit professionell agierenden Bande aufklären. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Neun Tatverdächtige wurden in den vergangenen 13 Monaten ermittelt, drei sitzen bereits in Untersuchungshaft. Die Schadensumme liegt bei mehr als 560.000 Euro. Weitere potenzielle Opfer konnten vor finanziellen Schäden bewahrt werden.

Warnung vor dem „Vorschuss-Betrug“

Die Polizei warnt ausdrücklich vor Verkaufsgesprächen und Investorenkontakten, die mit einem Treffen im Ausland und Devisengeschäften verbunden sind. Seit über einem Jahr ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft Osnabrück wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges im Bereich sogenannter Rip-Deals („Vorschuss-Betrug“).

Die Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem ein Geschäftsmann aus der Grafschaft Bentheim auf der Suche nach einem Investor für eine neue Geschäftsidee nach Italien gelockt und dort Opfer eines Rip-Deals wurde. Der 43-jährige Geschäftsmann reiste mit einem Geldbetrag von mehr als 60.000 Euro nach Rom in der Hoffnung, im Gegenzug für die von ihm zu erbringende Zinszahlung eine hohe Summe als Kreditanzahlung zu erhalten. Tatsächlich erhielt er von den Tätern wertlose kopierte Euronoten. „Diese kopierten Banknoten sehen täuschend echt aus, sind aber mit dem Schriftzug „FAC-SIMILE“ versehen“, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Osnabrück.

Im Tresorraum einer Bank festgenommen

Während der umfangreichen Ermittlungen gelang es, die Strukturen der unter zahlreichen Aliasnamen agierenden Tätergruppe aufzuhellen und die Täter dingfest zu machen. Bereits im Juni konnten die Ermittler ein erstes Bandenmitglied festnehmen. Der aus Rumänien angereiste Mann wurde bei der Tat noch im Tresorraum einer Bank in Elsfleth verhaftet. Dabei legte er einen gefälschten italienischen Ausweis vor. Der Mann befindet sich auf Antrag der Staatsanwaltschaft Osnabrück in Untersuchungshaft. Bei der Tat führte er ein präpariertes Päckchen mit zugeschnittenem Papier in der Größe von Geldnoten mit sich, welches er gegen die echten Geldscheine austauschen wollte.

Im September konnten dann zwei weitere Täter in Berlin unter Beteiligung von Spezialkräften festgenommen werden. Vater und Sohn, versehen mit mehreren Aliasnamen und Scheinfirmen, stellten eine Vielzahl von Kontakten zwischen Verkäufern und Mittätern in Italien her. Bei der Durchsuchung konnte umfangreiches Beweismaterial sichergestellt werden. Beide Personen befinden sich ebenfalls in Untersuchungshaft.

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Durch die internationale Zusammenarbeit mit der Polizei in Österreich und Italien, unter Beteiligung des Bundeskriminalamtes (BKA) sowie der europäischen Behörden Europol und Eurojust gelang es, sechs weitere Mittäter der Bande in den vergangenen Monaten bei den Treffen mit interessierten Verkäufern zu identifizieren. Weitere potenzielle Opfer konnten so vor finanziellen Schäden bewahrt werden.

Die Masche der Betrüger in Italien

Die Vorgehensweise der Täter bei Rip-Deals: Die sich vorrangig in Italien aufhaltenden Männer gaben vor, reiche Investoren aus Israel zu sein, die ihr Vermögen unter anderem am Immobilienmarkt in Deutschland einsetzen wollten. Bei den Anbahnungsgesprächen verhielten sie sich äußerst geschickt, rhetorisch erfahren und nutzten verschiedenste Aliasnamen. Als Referenz verwiesen sie auf ihren Internet-Auftritt, bei dem es sich jedoch um eine gefälschte Seite handelte.

Nachdem in vielen Telefonaten zunächst das Vertrauen aufgebaut und den Verkäufern der kurzfristige Kauf ohne weitere Preisverhandlungen in Aussicht gestellt worden war, kam es zu einem ersten Treffen in Italien, vorrangig in Rom aber auch Mailand, Turin, Bologna und Verona waren bei den Tätern beliebte Orte. Diese Treffen dienten ausschließlich der Besprechung der Zahlungsmodalitäten. Das eigentliche Geschäft trat dabei in den Hintergrund. Den Verkäufern wurde mitgeteilt, dass es erforderlich sei, kurzfristig „kleine“ Geldscheine gegen 500-Euro-Banknoten tauschen zu müssen. Dieses Geld sollte dann bei einem weiteren Treffen in Italien übergeben werden.

Als Anreiz Sonderzahlung offeriert

Als besonderer Anreiz und zur Zerstreuung von Bedenken offerierten die Betrüger eine Sonderzahlung als Aufschlag zur eigentlichen Verhandlungssumme. Die Grundmuster der Deliktsform Rip-Deal bestehen entweder im Vortäuschen einer Kaufabsicht hochwertiger Güter oder dem Vortäuschen einer Kreditvergabe, jeweils gekoppelt mit Devisentauschgeschäften.