600 Kinder und Jugendliche befragt "Muntermacher"-Studie: Wie geht es Osnabrücker Schülern während der Pandemie?

Wie haben Osnabrücker Schüler Schulschließungen erlebt? Was wünschen sie sich und wie geht es ihnen? Das hat nun eine Studie der Uni Osnabrück erforscht.Wie haben Osnabrücker Schüler Schulschließungen erlebt? Was wünschen sie sich und wie geht es ihnen? Das hat nun eine Studie der Uni Osnabrück erforscht.
David Ebener

Osnabrück. Wie haben Osnabrücker Schüler Lockdown und Schulschließungen erlebt? Wie geht es ihnen, und was wünschen sie sich für die Zukunft? Das hat eine Studie untersucht, die von der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung und der Stadt Osnabrück auf den Weg gebracht wurde.

Rund 600 Schüler von knapp 30 verschiedenen Schulen haben im Juli diesen Jahres an der "Muntermacher"-Befragung teilgenommen. Prof. Dr. Sonja Nonte und Prof. Dr. Christian Reintjes von der Uni Osnabrück wollten wissen, wie es den Kindern und Jugendlichen bislang in der Pandemie ergangen ist.

"Wir haben in der Pandemie gemerkt, dass es Bereiche gibt, die eine Lobby haben oder die sich Gehör verschaffen können. Die Wirtschaft zum Beispiel oder die Kulturszene", sagt Michael Prior von der Bohnenkamp-Stiftung. Bei Kindern und Jugendlichen sei das anders: Die hätten vieles stillschweigend ertragen, damit Ältere nicht schwer erkranken oder sterben. 

Michael Gründel
Monatelang war für Osnabrücker Schüler wegen der Corona-Pandemie Homeschooling angesagt. Das hat Spuren hinterlassen.

Auch der Erste Stadtrat Wolfang Beckermann weist darauf hin, dass Kinder und Jugendliche von den Auswirkungen der Pandemie in besonderer Weise betroffen seien: "Wenn ich volle Fußballstadien sehe und dann höre, dass schon wieder über vorgezogene Ferien diskutiert wird, dann denke ich: Das passt irgendwie nicht zusammen." 

Immer auf die Kleinen?

In Corona-Zeiten offenbar ja: "Im ersten Lockdown war das Schulsystem vor Handel, Gastronomie und der Arbeitswelt der erste Bereich, der betroffen war und von heute auf morgen einfach geschlossen wurde", sagt Christian Reintjes. Die Wissenschaftler sprechen von "disruptiver Intervention".

Bis zu den Sommerferien mussten sich Strukturen erst finden, von einem geordneten Distanzunterricht konnte man wohl erst ab Juli 2020 sprechen. Und mit diesem "Homeschooling" kamen die Kinder und Jugendlichen sehr unterschiedlich zurecht: einige gut bis sehr gut, einige mittelprächtig, andere überhaupt nicht. Diese drei Typen machen je rund ein Drittel der befragten Schüler aus.

"Verlorene Zeit"

Was dem "Gar-nicht-gut"-Typ am meisten zu schaffen machte? Die Freunde, die fehlten. Ein gewisses Maß an Selbstdisziplin und Zeitmanagement. Die Bewältigung der Schulaufgaben. "Die Lehrerin kann besser erklären als Mama, die hat mehr Zeit", wird eine Grundschülerin in der Studie zitiert. Eine 17-jährige Gesamtschülerin nennt als besondere Herausforderung: "Die Langeweile zu überbrücken und die Einsamkeit." Gymnasiasten bezeichnen den Lockdown als "verlorene Zeit" und klagen über den großen Druck wegen der Schule; teils hätten sie von morgens bis nachts an den Aufgaben gesessen. Hinzu heißt es quer durch alle Altersklassen und Schulformen, dass die Freunde fehlten, es immer wieder Streit zu Hause gegeben habe, und dass ein Austausch mit den Lehrkräften fehle. 

"Sich einfach mal treffen können"

Sicher: Es gibt auch Schüler, die Vorzüge in einer flexiblen Aufgabeneinteilung sahen – Stichwort "ausschlafen". Doch Hobbys, Klassenfahrten oder "sich einfach treffen" fehlte den meisten, und genau das wünschen sie sich nun. Und von ihren Lehrkräften? "Verständnis, Geduld und Rücksichtnahme", zählt Sonja Nonte auf.

Bereits im April hatte der Osnabrücker Rat eine halbe Million Euro bereitgestellt, um die Corona-Folgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Keine Scholz'sche Bazooka, aber doch für die Stadt ein stattlicher Wasserblaster, um im Bild zu bleiben. 

50 verschiedene Angebote laufen derzeit oder sind bereits abgeschlossen, berichtet Ute Tromp, Fachdienstleiterin Bildung. Dabei gehe es zum einen um Lernförderungs- und Sprachbildungsangebote, zum anderen um Freizeitgestaltung. Groß öffentlich dafür werben müsse die Stadt nicht – Familien erfahren über Kita, Schulen, Familienbegleiter oder Vereine von den Maßnahmen. Hausaufgabenhilfe, therapeutisches Reiten, ein Spielmobil, eine offene Turnhalle – etwa 30 Träger sind mit den verschiedensten Ideen an die Stadt herangetreten. "Die Studie zeigt uns nun, dass wir bei unseren Angeboten den richtigen Riecher hatten", sagt Ute Tromp. 

Befragung abgeschlossen, Angebote am Start – und nun alles gut? 

Leider nein. Zum einen weisen Sonja Nonte und Christian Reintjes darauf hin, dass bereits die jetzigen Lernrückstände Auswirkungen auf das spätere Berufsleben haben könnten, zum anderen spitzt sich die Infektionslage derzeit wieder zu: "Wir haben aktuell 93.487 infizierte Schüler" in Deutschland, sagt Reintjes, davon rund 3000 in Niedersachsen. Längst werden wieder Schulschließungen als Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie in Betracht gezogen. Auch wenn man zunächst von verlängerten Ferien spricht. 

 


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