Zu viel Arbeit, zu wenig Arbeit Osnabrücker Firmen-Hochzeit: Osma-Aufzüge und Stahlotec produzieren gemeinsam

Osma-Aufzüge in Osnabrück gibt seine Produktion an die Firma Stahlotec in Hagen ab. 45 Mitarbeiter wechseln den Arbeitgeber.Osma-Aufzüge in Osnabrück gibt seine Produktion an die Firma Stahlotec in Hagen ab. 45 Mitarbeiter wechseln den Arbeitgeber.
Jörn Martens

Osnabrück. Der eine hat zu viele Beschäftigte, der andere sucht händeringend Fachkräfte: Der Osnabrücker Aufzugbauer Osma und das Hagener Stahlunternehmen Stahlotec machen deshalb gemeinsame Sache. Eine Firmen-Hochzeit, die Schule machen kann.

Plötzlich machte ein Gerücht in Osnabrück die Runde: Osma-Aufzüge werde verkauft, hieß es. Jens-Albert Schenk, Chef des Familienunternehmens in vierter Generation, kann nur den Kopf schütteln über solch verwegene Thesen und sich wundern, welche Volte eine eigentlich gute Nachricht in der Halböffentlichkeit schlagen kann. Tatsache ist: Osma-Aufzüge richtet sich neu aus und sichert alle Arbeitsplätze. 

Aufzug-Produktion schwächelt

Der Osma-Chef spricht von einem "Fitnessprogramm", dem sich das Familienunternehmen unterziehe. Das Unternehmen verdient sein Geld zurzeit vor allem mit dem Service und der Wartung bestehender Liftanlagen, Das Neugeschäft schwächelt seit einiger Zeit, denn die Aufzüge aus der Osnabrücker Produktion sind aufwendig in der Konstruktion und daher nicht mehr wettbewerbsfähig.

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Der Stammsitz von Osma-Aufzüge im Fledder.

Die Osma-Aufzüge der nächsten Generation werden weniger komplex sein und weniger Material benötigen. Sie werden sich am Ende ihrer Lebenszeit einfach zerlegen und komplett recyceln lassen. So sieht es der Masterplan "Osma-Change" vor, wie Schenk berichtet. Die Konsequenz ist, dass weniger Arbeit in der Produktion am Hauptsitz im Fledder anfällt. Personalabbau kam aber nicht in Frage: "Wir sind uns unserer Verantwortung als familiengeführtes Traditionsunternehmen bewusst", sagt Schenk. 

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Albert und Jens-Albert Schenk leiten in dritter und vierter Generation das Familienunternehmen.

An dieser Stelle kommt nun Stahlotec aus dem nahen Hagen ins Spiel. Der aufstrebende Stahlbau- und Schweißfachbetrieb mit 83 Mitarbeitern, der vor drei Jahren aus dem Osnabrücker Hafen nach Hagen umsiedelte, will weiter wachsen und sucht Mitarbeiter. Monteure und Schweißer sind besonders gefragt. Es ist gerade zwei Monate her, dass die Osma-Spitze bei Stahlotec-Gründer Christian Neyer anklopfte und eine Idee in den Raum stellte, die Neyer auf Anhieb "hochspannend" fand. Neyer: "Die Gespräche haben Spaß gemacht."

Die Gespräche sind nun so weit gediehen, dass konkrete Schritte folgen sollen. In der juristischen Form eines Betriebsteilübergangs soll die Produktion von Osma an Stahlotec gehen. 45 Mitarbeiter werden formal die Firma wechseln, künftig bei Stahlotec angestellt sein und dann die von Osma bestellten Aufzugteile fertigen.

Schon im Januar soll es losgehen 

In der Praxis ändert sich für die Beschäftigten aber nicht viel: Sie behalten ihre Kollegen, den gleichen Lohn, alle bisherigen Bestandteile ihres Arbeitsvertrages. Die meisten werden auch weiterhin in der Osma-Werkstatt an der Hirtenstraße arbeiten, allerdings müssen aus rechtlichen Gründen die Stahlotec-Räume vom Osma-Haus abgetrennt werden. Angepeilter Startzeitpunkt: Januar 2022. "Das ist sehr optimistisch", räumt Jens-Albert Schenk ein.

Stahlotec
Christian Neyer, Gründer von Stahlotec.

Stahlotec ist seit der Gründung vor 20 Jahren von einem Zwei-Mann-Betrieb zu einem Schweißfachbetrieb und Spezialist für die Metallfügetechnik gewachsen. Die Kernkompetenzen liegen in der Ver- und Bearbeitung von Edelstahl, Stahl, Aluminium und Kupfer. Weiter wachsen will Stahlotec im Rohrleitungsbau und in der Bearbeitung von Verschleißteilen. Letzteres heißt: Manche Großteile verschleißen nur an wenigen Stellen um wenige Millimeter, müssen aber als Ganzes ausgetauscht werden. Stahlotec kann mithilfe moderner Lasertechnik die Verschleißstellen ausbessern und damit das gesamte Werkteil retten. 

Die Osma-Mitarbeiter bringen nach Überzeugung von Stahlotec-Chef Neyer die Fähigkeiten mit, die in seinem Unternehmen gebraucht werden. "Wenn das alles klappt, wie wir uns das vorstellen, ist das eine Win-Win-Win-Situation."


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