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Martini50: Arbeiten in einer ehemaligen Spielhalle Kommunikation statt Kolonialwaren

Kleine, drückende Räume fand Architekt Georg Wieghaus an der Martinistraße 50 vor. Nach der Entkernung der ehemaligen Spielhalle ist ein geordnetes Ganzes entstanden.Foto: SeilerKleine, drückende Räume fand Architekt Georg Wieghaus an der Martinistraße 50 vor. Nach der Entkernung der ehemaligen Spielhalle ist ein geordnetes Ganzes entstanden.Foto: Seiler

Osnabrück. Wenn Marie Oberbaster das geahnt hätte: Vor 100 Jahren betrieb sie einen Kolonialwarenladen an der Martinistraße 50 in Osnabrück. Wo sie früher Kaffee, Zucker und Gewürze verkaufte, werden jetzt Ausstellungen gezeigt und Diskussionen geführt.

Martini50 ist in Osnabrück eine wichtige Adresse für Architektur- und Designinteressierte geworden. Das geht auf die private Initiative von Hermann Kuhl und Jörg Frenzel zurück. Sie betreiben eine Kommunikationsagentur und stellen einen Teil ihrer Bürofläche als Forum für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung.

Bis zum 3. Juli ist bei Martini50 die Ausstellung „Wiedersehen – Architektur in Niedersachsen zwischen Nierentisch und Postmoderne“ zu sehen.

Bei derart ambitionierten Nutzern war es selbstverständlich, auf eine klare Formensprache zu achten. Als der Cloppenburger Architekt Georg Wieghaus diese Aufgabe übernahm, hatte er es nicht mehr mit dem Kolonialwarenladen der Jahrhundertwende zu tun, sondern mit einer abgehalfterten Spielhalle.

„Kleine, drückende Räume“ habe er vorgefunden, sagt Wieghaus, verschachtelt und mit abgehängten Decken. „Wenig beglückend“ fand er zudem, dass nicht mehr stilgerechte Fenster die denkmalgeschützte Fassade verhunzten. Das wurde beim Umbau vor einem Jahr in Abstimmung mit der Denkmalbehörde korrigiert, und im Innern verschwanden die dunklen Nischen. Nach der Entkernung ist ein großes Ganzes entstanden, hell, großzügig und offen.

Im Vordergrund ein Raum für Veranstaltungen mit transparent angeschlossenem Besprechungsraum, der auch als Bibliothek dient. Es kommt schon mal vor, dass sich 70 Leute gleichzeitig darin aufhalten. Im Hintergrund das Großraumbüro mit zwölf Arbeitsplätzen. Und dazwischen eine Kommunikationszone mit Stehtisch fürs Frühstück oder für Besprechungen.

Eine Wandscheibe trennt einen schmalen Gang ab, hinter dem eine Küche und die Toiletten verborgen sind. Bei Kuhl/Frenzel heißt das „Gourmettempel“, „Puppenstube“ und „Prinzenpalast“. Ein Hinweis darauf, dass die Agentur Orientierungssysteme anbietet, zum Beispiel für Hochschulen oder Behörden, und natürlich mit eigenen Referenzen aufwarten will.

Wenn es aber ein markantes Detail gibt, das für Martini50 steht, dann sind es die gründerzeitlichen Säulen aus Gusseisen. Früher waren sie im Mauerwerk versteckt, heute kommen sie frei im Raum stehend zur Geltung.

Führungen bei Martini50 finden am 26. Juni um 11 Uhr, 14 Uhr und 15.30 Uhr statt.


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