Keine schweren Covid-Verläufe Corona: Impfdurchbrüche im Raum Osnabrück nehmen zu

Von Meike Baars, 28.10.2021, 08:30 Uhr
Positive PCR-Ergebnisse trotz doppelter Impfung: Diese Impfdurchbrüche gibt es auch im Raum Osnabrück deutlich häufiger als zu Beginn der Impfkampagne. Doch das Phänomen lässt sich erklären. (Symbolfoto)
David Ebener

Osnabrück. Doppelt gegen Corona geimpft und trotzdem infiziert? Diese Fälle gibt es – und sie nehmen in Stadt und Landkreis Osnabrück zu. Sorge bereiten muss das aber nicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist unter einem "Impfdurchbruch" zu verstehen?

Wenn ein vollständig geimpfter Mensch an Covid-19 erkrankt, spricht das Robert-Koch-Institut (RKI) von einem Impfdurchbruch. Ein positiver PCR-Test allein reicht also nicht. Erst, wenn Krankheitssymptome hinzukommen, wird ein positiver Befund nach RKI-Definition zum "Impfdurchbruch". Als vollständig geimpft gelten Menschen 14 Tage nach der letzten erforderlichen Impfdosis. Bei den Impfstoffen von Biontech, Moderna und Astrazeneca sind zwei Dosen von Nöten, bei Johnson & Johnson ist es nur eine. Weil dieser Impfstoff mit nur einer Dosis allerdings weniger gut gegen die inzwischen vorherrschende Delta-Variante wirkt, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Auffrischimpfung mit einem MRNA-Impfstoff, die frühestens nach vier Wochen verabreicht wird. 

Welchen Anteil machen doppelt Geimpfte an den Infiziertenzahlen in Stadt und Landkreis Osnabrück aus? 

Schaut man, welchen Anteil geimpfte Personen mit positivem PCR-Nachweis an der Gesamtzahl der bestätigten Corona-Fälle in Stadt und Landkreis Osnabrück ausmachen, lässt sich absolut betrachtet eine Zunahme dieser Fälle feststellen, teilen Stadt und Landkreis auf Anfrage mit. So lag im Juli 2021 der Anteil positiv getesteter Personen, die vollständig geimpft waren, bei 21 Prozent. 79 Prozent der Corona-Fälle waren also gar nicht oder nicht vollständig geimpft. Im August stieg der Anteil der Geimpften auf 24 Prozent. Im Zeitraum September bis Mitte Oktober kletterte er weiter auf 32 Prozent. Der Anteil der Ungeimpften an der Zahl der bekannten Infektionen nahm dementsprechend sukzessive ab. 

Wie lässt sich das erklären? 

Es handelt sich vorrangig um einen statistischen Effekt, auf den Stadt und Landkreis explizit hinweisen. Denn in diesen Zeiträumen ist auch der Anteil der vollständig Geimpften an der Gesamtbevölkerung stetig gestiegen. Es gibt folglich weniger ungeimpfte Menschen in der Bevölkerung, die sich anstecken könnten. Dass der Anteil der Geimpften an den positiv Getesteten zunehmen würde, damit sei demnach "zu rechnen" gewesen. Gleichzeitig bieten die Covid-19-Impfungen keinen 100-prozentigen Schutz, wie das RKI zudem betont. Sie bewahren in den allermeisten Fällen wirksam vor einer schweren Erkrankung, Krankenhausaufenthalten und dem Tod. Infektionen mit milden und moderaten Symptomen kommen aber auch bei Geimpften immer wieder vor. In Stadt und Landkreis Osnabrück traten prozentual mehr Durchbruchsinfektionen bei Menschen auf, die nur einmal mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft worden waren.

Michael Kappeler/dpa



Halten Stadt und Landkreis nach, wie viele der Durchbrüche einen symptomatischen oder schwereren Verlauf zur Folge haben?

Grundsätzlich würden "im Rahmen des Fallmanagements bei jedem bestätigten Fall neben dem Impfstatus auch Symptome, Krankenhauseinweisungen und Verlegungen auf eine Intensivstation" ermittelt, heißt es. Bei den auf Intensivstationen behandelten Covid-Patienten dominierten jedoch ungeimpfte Personen. 

Wie weit sind die Booster-Impfungen in Alten- und Pflegeheimen und bei dem dortigen Personal fortgeschritten? 

Alte und vorerkrankte Menschen in Pflegeheimen haben ein besonders hohes Risiko für einen folgenschweren Impfdurchbruch. Deshalb empfiehlt auch ihnen die Stiko eine Auffrischimpfung. Stadt und Landkreis Osnabrück unterstützen diese Impfungen durch mobile Impfteams. Die Heime konnten sie aber auch durch niedergelassene Arztpraxen durchführen lassen. Im Landkreis sollen die Impfungen durch die mobilen Teams spätestens in der kommenden Woche abgeschlossen sein, teilte der Landkreis mit – sowohl bei Bewohnern, als auch bei Mitarbeitern. In der Stadt seien die Impfteams bereits fertig.


Gab es in Alten- oder Pflegeheimen Impfdurchbrüche, die Krankenhauseinweisungen oder Todesfälle zur Folge hatten?

"Erfreulicherweise hat es in den Einrichtungen seit der Impfung der Bewohner und des Personals Anfang 2021 im Gegensatz zum Vorjahr kaum noch nennenswerte Ausbrüche oder schwerwiegende Krankheitsverläufe gegeben", heißt es bei Stadt und Landkreis.

Wie sieht es in den Krankenhäusern aus: Bekommen sie es mit doppelt geimpften Patienten zu tun, die schwer an Covid-19 erkranken? 

In den beiden Corona-Schwerpunktkrankenhäusern in der Region, dem Klinikum und dem Marienhospital Osnabrück, mussten bisher keine kritischen Covid-Verläufe bei vollständig geimpften Patienten behandelt werden. Die beiden Kliniken übernehmen regelmäßig Patienten auch aus anderen Städten und Landkreisen im Nordwesten, die besonders schwere Covid-Verläufe erleiden und intensivmedizinisch betreut, sowie oftmals invasiv beatmet werden müssen. Bei all diesen Fällen handele es sich bisher um ungeimpfte Patienten. Kein einziger Impfdurchbruch sei darunter gewesen, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion. "Wir haben immer mal wieder auffällige PCR-Werte von geimpften oder genesenen Patienten. Oft handelt es sich um asymptomatische Zufallsfunde bei unserer Standard-Testung", erklärt Prof. Dieter Lüttje, Stellvertretender Ärztlicher Direktor des Klinikums. Milde Beschwerden habe es bei einem vollständig geimpften Patienten gegeben. "Es gab aber keinen stationären Behandlungsbedarf und wir konnten ihn schnell entlassen." Auch im Marienhospital seien leichte Covid-Symptomatiken bei älteren und multimorbiden Patienten zu beobachten, teilt Michael Schiffbänker mit, Sprecher der Niels-Stensen-Kliniken, zu denen das Marienhospital gehört. Die Zahl der Impfdurchbrüche unter den Covid-Patienten mache unter 10 Prozent aus – ein starker Hinweis auf die Schutzwirkung von Impfungen.

Wie ist generell die Lage in den Krankenhäusern?

Die Zahl der Krankenhauspatienten mit Covid-19 ist in Stadt und Landkreis Osnabrück in den vergangenen Tagen wieder gestiegen. Die Zahl der Intensivpatienten liegt seit Wochen konstant im hohen einstelligen Bereich. "Weil wir weiter separate Covid-Isolationsbereiche vorhalten müssen, bleibt die Mehrbelastung bestehen", sagt Klinikum-Corona-Manager Lüttje. Mit Respekt blicke das Klinikpersonal deshalb auf die kalte Jahreszeit, in der weitere respiratorisch-virale Erkrankungen hinzukommen werden: das RS-Virus und Influenza. Auch diese Patienten müssten isoliert werden. Für eine Entwarnung sei es deshalb zu früh, glaubt der stellvertretende Ärztliche Direktor. Er spricht sich dafür aus, die pandemische Lage und bestimmte Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen im Winter aufrechtzuerhalten.

Was ist unter einem "Impfdurchbruch" zu verstehen?Wenn ein vollständig geimpfter Mensch an Covid-19 erkrankt, spricht das Robert-Koch

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