zuletzt aktualisiert vor

Symposium im Ameos-Klinikum „Im Chaos der Gefühle“ – der Alltag mit ADHS

Osnabrück. Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehört zu den häufigsten Krankheiten des Kindes- und Jugendalters und ist so komplex, dass die Diagnostik und Behandlung selbst für Experten schwer ist.

Zu den Kernsymptomen von ADHS gehören Aufmerksamkeitsstörungen, erhöhte Impulsivität, Hyperaktivität, Desorganisation und emotionale Instabilität. Bei jedem Betroffenen sind diese Kennzeichen individuell ausgeprägt. Lange Zeit wurde angenommen, dass die Krankheit mit Beginn des Erwachsenenalters aufhört. Doch immer mehr ADHS-Experten, -Betroffene und Angehörige erkennen nun, dass die oft als Träumer oder Zappelphilippe beschriebenen Erwachsenen weiter an dieser Krankheit leiden, sich sogar Störungen wie Süchte oder Depressionen dazuentwickeln können. Rund 200 Teilnehmer, darunter Betroffene, Jugendhelfer, Ärzte, Therapeuten und Mitglieder von Fördereinrichtungen, setzten sich jetzt im Symposium „Im Chaos der Gefühle – ADHS und mehr...“ im Osnabrücker Ameos-Klinikum mit dieser Thematik auseinander.

Neben Vorträgen über die verschiedenen Ausprägungsformen von ADHS von Dr. Harald Scherk, Ärztlicher Direktor des Ameos-Klinikums, und über den Unterschied zwischen ADHS und Borderline von Dr. Alexandra Philipsen, Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg, referierte Professor Martin Ohlmeier, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Kassel, über das Suchtrisiko bei ADHS-Patienten. Diese litten im Vergleich zur Normalpopulation häufiger an Süchten, weil sie impulsiver seien, also oft unüberlegt handelten und viele stets den neuen Kick suchten.

Oftmals seien Süchte auch ein Versuch, die unangenehme innere Unruhe zu lindern. Nikotin, THC, Kokain und sogar Kaffee beruhigten die hyperaktiven Menschen, im Gegensatz zu den Nichtbetroffenen. Die Sucht beginne bei ADHS-Patienten früher und mit stärkerer Ausprägung des Konsums. Deswegen sei eine frühzeitige individuelle Behandlung, bestehend aus stark strukturierter Erziehung durch Eltern und Lehrer, Psychotherapie und häufig auch eine medikamentöse Therapie ADHS-betroffener Kinder sehr wichtig. Sie reduziere das Risiko einer Suchtentwicklung, den Substanzenmissbrauch und das Verlangen nach der Substanz bei jugendlichen ADHS-Patienten.

Veranstaltet wurde die Tagung durch den Selbsthilfeverein ADHS Deutschland, vertreten durch den Vorsitzenden Hartmut Gartzke, die Landesgruppe Niedersachsen/Bremen und die drei Regionalgruppen ADHS Osnabrück-Nord mit Leiterin Gerhild Drüe, ADHS Osnabrück-Süd mit Leiterin Barbara Niehenke und ADHS-Erwachsene Osnabrück mit Leiterin Brigitte Sparenberg.

Weitere detaillierte Informationen zum Osnabrücker Symposium, aber auch zur ADHS-Selbsthilfearbeit: Gerhild Drüe, Telefonnummer 05436/1409.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN