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Klare Bekenntnis der Region zum Hafen Osnabrücker Hafen: Ausbau der Schleusen nur bei Steigerung des Umschlags

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Der Osnabrücker Hafen ist wichtig für die Region. Der Kanal ist inzwischen breit genug für moderne Güterschiffe, die Schleusen sind aber noch zu kurz. Archivfoto: Gert WestdörpDer Osnabrücker Hafen ist wichtig für die Region. Der Kanal ist inzwischen breit genug für moderne Güterschiffe, die Schleusen sind aber noch zu kurz. Archivfoto: Gert Westdörp

Osnabrück. Der Hafen Osnabrück am Ende des Stichkanals ist wichtig für Unternehmen der Region. Ein Beispiel: Das Stahlwerk in Georgsmarienhütte ist auf die Schrottlieferungen auf dem Wasserweg angewiesen. Der notwendige Ausbau der Schleusen aber hängt von zwei Faktoren ab: von einer schlüssigen Konzeption zur Steigerung des Umschlags und einem klaren Bekenntnis der Region zum Hafen.

Dass der Raum Osnabrück in der Hafenfrage inzwischen wieder an einem Strang ziehe, betonten jetzt noch einmal CDU-Politiker beim Besuch von Bernd Carsten Hiebing, dem hafenpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, im Hafen. Der Osnabrücker Ratsvorsitzende Josef Thöle erinnerte an das von Rat und Kreistag beschlossene Konzept: „Der Hafen Osnabrück muss bleiben, und die Schleusen müssen ausgebaut werden.“ In Bohmte soll der Hafen als Ergänzung zu Osnabrück entwickelt werden, ergänzte Bürgermeister Burkhard Jasper. Bundestagsabgeordneter Mathias Middelberg: „Dass wir das hier so sehen, werden wir in die zuständigen Ministerien nach Hannover und Berlin weiterleiten.“

Nicht ganz unwichtig, wie der Harener Hiebing meint. Denn die Haltung in den Ministerien sei gewesen: „Solange die in Osnabrück selbst nicht wissen, was sie wollen, schieben wir die Entscheidung für einen Schleusenausbau in Hollage und Haste auf der Prioritätenliste erst einmal weiter nach hinten.“

Bund und Land teilen sich die Kosten für den Ausbau der Schleusen im Verhältnis 93 zu sieben Prozent. Die Planer gehen derzeit von rund 120 Millionen Euro für die Verlängerung der Schleusenbecken aus. Mehr als 40 Millionen Euro sind bislang in den Ausbau der knapp 15 Kilometer langen Kanalstrecke, in acht breitere Brücken, vier Düker und die Hasebettverlegung geflossen. Zum Vergleich: Ein Autobahnkilometer kostet nach Berechnungen des Verkehrsclubs Deutschland im Bundesdurchschnitt rund zehn Millionen Euro.

Der Kanal ist jetzt breit genug für ein Großmotorgüterschiff (GMS), die Schleusen aber sind zu kurz. Die 2000 Tonnen fassenden GMS sind 110 Meter lang, die Becken der alten Schleusen aber nur 82 Meter. Ältere Binnenschiffe passen da zwar hinein, aber Frachter dieser Größe würden immer seltener, wie Knut J. Schemme sagt, Geschäftsführer der Rohstoff Recycling Osnabrück GmbH (RRO). Im vergangenen Jahr schlug die Tochter der Georgsmarienhütte Holding GmbH 224000 Tonnen Stahlschrott um, mehr als das Doppelte im Krisenjahr 2009, aber auch immerhin 28 Prozent mehr als im Boomjahr 2008. Dieser Trend werde anhalten, schätzt Schemme: „Von daher kommt dem zeitgemäßen Ausbau des Stichkanals aus Sicht der Georgsmarienhütte Unternehmensgruppe eine wesentliche Bedeutung zu.“

Das Bundesverkehrsministerium spielt den Ball zunächst aber nach Osnabrück zurück. Das Abkommen zwischen dem Bund und den Ländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen zum Ausbau des Mittellandkanals beinhalte auch den Ausbau der Stichkanäle zu den Häfen Osnabrück, Hildesheim, Salzgitter und Hannover-Linden, teilte Julie Heinl, eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums, auf Anfrage mit: „Das weitere Vorgehen ist abhängig von den Ausbauplanungen der Stadt Osnabrück im Stadthafen für eine Verbesserung des wasserseitigen Umschlags.“ Darauf aufbauend könne die Bund-Länder-Arbeitsgruppe weitere Entscheidungen zu den Schleusen treffen.

Das Verkehrsministerium sei mit den Beteiligten in der Region zum weiteren Vorgehen im Gespräch. Die Stadtwerke Osnabrück als Hafenbetreiber könnten darin auf den sogenannten Schienenlückenschluss der Hafenbahn verweisen, so Stadtwerkesprecher Marco Hörmeyer. Die bisherige Sackgasse vom Hasetor in den Hafen soll dabei über den Zechenbahnhof Piesberg im Westen wieder an die Strecke Osnabrück–Rheine angebunden werden.

Umschlagsanlage

Ein weiterer Schritt: Durch die Verdopplung der Fläche der gut laufenden Umschlagsanlage der Nosta-Transport GmbH für kombinierten Ladungsverkehr (KLV) auf dem Gelände der ehemaligen Winkelhausenkaserne dürfte der Güterumschlag im Hafen außerdem steigen. Rüdiger Tepe, bei Nosta für den kombinierten Transport auf Straße, Schiene und Wasser zuständig, ist optimistisch: „Im Moment läuft es sehr gut.“ Nach anfänglich einem Zug pro Woche würden inzwischen sechs Züge auf Lastwagen umgeladen. Noch in diesem Jahr sollen die Gleise auf dem KLV-Gelände auf zweimal 350 Meter verlängert werden. Denkbar wäre auch eine Nutzung des Kanals, unter anderem für moderne Containerschiffe. Aber auch dazu müssten die Schleusen ausgebaut werden.


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