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Im Namen steckt ein sehr altes germanisches Wort Der Schwöppe schwang die Fuhrmannspeitsche

Von Winfried Breidbach

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Osnabrück. Leserin Doris Schwöppe aus Bad Iburg kann sich unter ihrem Familiennamen gar nichts vorstellen. Walter Schweppe aus Osnabrück weiß, dass der Gründer der Getränkefirma Schweppes ursprünglich aus Nordhessen stammte und wie er Schweppe hieß. Die Herkunft des gemeinsamen Namens ist ihm aber unbekannt.

Die etwa 420 Träger des Namens Schwöppe sind im Landkreis Osnabrück konzentriert, der knapp dreimal so häufige Familienname Schweppe findet sich vor allem in der Region Ostwestfalen-Lippe.

Beide Namen haben einen gemeinsamen Ursprung, wobei aber zwei verschiedene Wörter zugrunde liegen können. Die ältere Namensform ist Schweppe, dazu ist Schwöppe eine mundartliche Variante, bei der die sogenannte Rundung des Vokals e zu ö durchgeführt wurde, die man auch bei zahlreichen anderen Nachnamen findet. Noch in einem niederdeutschen Wörterbuch von 1858 wurde Swöpe als „schlechte Aussprache“ von Swepe getadelt.

In den meisten Fallen wird dem Namen eine alte Bezeichnung der Peitsche zugrunde liegen, die bereits im Mittelniederdeutschen in mehreren Varianten vorkam: swêpe, sweppe, swippe, swöpe, swöppe. Dies ist das alte, aus germanischer Zeit ererbte Wort für die Peitsche. Das heutige standardsprachliche Wort ist erst nach dem 14. Jahrhundert aus den westslawischen Sprachen entlehnt worden. In Familiennamen gibt es das Wort Peitsche nur in den seltenen Berufsnamen Peitscher und Peitschner für einen Peitschen-Hersteller.

In vielen niederdeutschen Mundarten ist das alte Peitschenwort in Formen wie Swepe, Swiepe, Swiep, Swöpe, Swüöpe, Swääpe, Swäp, Schweppe und Schwöppe noch heute lebendig.

Die Familiennamen Schweppe, Schwöppe und die seltenen Varianten Schwüppe und Schwöbbe sind als indirekte Berufsnamen zu deuten, die sich grundsätzlich auf den Hersteller oder Händler der Peitsche beziehen konnten. Das alte Peitschenwort war aber vor allem auf die Fuhrmannspeitsche bezogen, was sich auch aus den Zusammensetzungen „swêpenknecht“ (Transportarbeiter, Fuhrmann) und auch „swêpengelt/swêpenpenninc“ (Entgelt für Transportdienste) ergibt. Daher wird der Familienname Schweppe/Schwöppe vor allem den Fuhrmann bezeichnet haben.

Seit der frühen Neuzeit ist ein zweites Wort Schweppe unbekannter Herkunft bezeugt, das die gleichen Varianten wie das Peitschenwort aufweist, mit dem aber bestimmte, vom Zimmermann bei der Dachkonstruktion verwendete Schräg- und Querlatten bezeichnet wurden. Dazu gehört auch das Wort Sweepnagel (großer Nagel zur Befestigung der Streben an den Sparren). Die Namen Schweppe/Schwöppe können sich in Einzelfällen also auch auf den Hersteller dieser besonderen Latten beziehen.

Im Internet finden Sie die Familiennamen, die Dr. Breidbach schon im Auftrag unserer Zeitung untersucht hat: www.neue-oz.de/namen Namensvorschläge bitte an namensforscher@neue-oz.de. Gutachten: www.ifn.name


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