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24. KidS-Projekt gestartet Osnabrücker Schüler üben Kommunalpolitik

Von Sebastian Stricker | 25.10.2013, 11:11 Uhr

Was ist eigentlich der Stadtrat? Wie funktioniert ein Ausschuss? Und worum kümmert sich die Stadtverwaltung? Fragen wie diesen gehen die Teilnehmer des Projekts „KidS – Kommunalpolitik in die Schulen“ auf den Grund, das seit 2001 zweimal jährlich in Osnabrück stattfindet. Am Mittwochabend startete der 24. Durchgang mit 58 Jungen und Mädchen aus neun weiterführenden Schulen.

Das mehrwöchige Praktikum gewährt einen hautnahen Einblick hinter die Kulissen und in die Arbeit von Fachdiensten und Fraktionen. Die etwa 15- bis 16-jährigen Neun- und Zehntklässler, die bis Mitte Dezember von den Ratsmitgliedern persönlich betreut werden, hatten sich schulintern um die Teilnahme beworben. Die Nachfrage überstieg dabei zum wiederholten Mal das Angebot: 20 Schülern wurde eine Absage erteilt. Bürgermeisterin Birgit Strangmann (Grüne) wertete das anhaltende Interesse an der Aktion, bei der bereits mehr als 1000 Schüler mitgemacht haben und die alle Beteiligten viel Freizeit koste, als erfreuliches Signal gegen Politikverdrossenheit. Zum Auftakt empfing sie die aktuellen Teilnehmer im Friedenssaal des Rathauses.

„Politik lohnt sich“

Leidenschaftlich zeigte die Bürgermeisterin den Jugendlichen auf, welch unmittelbare Bedeutung das ehrenamtliche Wirken der Kommunalpolitiker für den Alltag der Menschen in Osnabrück hat. „Was wir beschließen, spürt der Bürger sofort.“ Als Beispiele dienten ihr die kürzliche Einführung des Sozialtickets, der ein zähes Ringen vorausgegangen sei, sowie die Erarbeitung des städtischen Spielplatzkonzepts, das unlängst in der Eröffnung des ersten Großspielplatzes der Stadt mündete. „Politik lohnt sich“, fasste Strangmann zusammen und warb darum, das Wissen und die Begeisterung aus dem KidS-Projekt weiterzutragen.

Die Gymnasiasten und Realschüler gehen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen in die Veranstaltung. „Ein bisschen Ahnung habe ich schon, ganz planlos bin ich nicht“, sagte Marlene Albers, Zehntklässlerin der Angelaschule, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die 15-Jährige interessiere sich sehr für Politik und schließe nicht aus, später mal „in dieser Richtung zu studieren und zu arbeiten“. Ähnliche Voraussetzungen bei Kai Hawighorst vom Graf-Stauffenberg-Gymnasium: „Ich will sehen, wie das Ganze läuft“, erklärte der 15-Jährige. Ein wenig politische Erfahrung bringt er bereits mit: Seit Juni gehört der Zehntklässler dem neuen Osnabrücker Jugendparlament an und ist „auch sonst oft dabei“, wenn es darum geht, sich in der Schule oder im Verein zu engagieren. Völlig unvoreingenommen startet hingegen Julia Lücker ins KidS-Projekt. „Ich weiß noch nicht viel über Politik und würde gerne mehr erfahren“, so die 14-Jährige, die in die neunte Klasse des Gymnasiums in der Wüste geht.

Wertvoller Austausch

Sie alle treffen in den kommenden Wochen auf Mentoren, die parteiübergreifend und mit Herz bei der Sache sind. Wie Ulrich Sommer , der seit 1997 für die SPD im Rat sitzt und bislang bei jedem KidS-Projekt mitgewirkt hat. Warum er sich für die Schüler so reinhängt? „Ich finde es unheimlich wichtig, dass Politik für die Menschen transparent wird“, sagt Sommer. Außerdem profitiere auch er vom Austausch mit der Jugend. „Wir bekommen den Spiegel vorgehalten und müssen uns so immer wieder fragen, was wir da eigentlich machen.“ Ratskollege Wulf-Siegmar Mierke kann das nur unterstreichen. „Das KidS-Projekt ist jede Mühe wert“, so der UWG-Sprecher. „Bei den Teilnehmern lebt das Interesse, da kann man noch was erreichen. Außerdem sind sie unsere Multiplikatoren in den Schulen.“