Dritte Runde für „K 3... und Du bist dabei!“ Wie Osnabrücker Grundschüler von „Karneval der Tiere“ lernen

Gehen wie ein Elefant: Die Zweitklässler (von links) Elena, Leonard, Phil, Zeinab und Diana (alle 8 Jahre) bei einer Theaterübung in der Grundschule Eversburg.Gehen wie ein Elefant: Die Zweitklässler (von links) Elena, Leonard, Phil, Zeinab und Diana (alle 8 Jahre) bei einer Theaterübung in der Grundschule Eversburg.
Michael Gründel

Osnabrück. In bislang drei Schuljahren hat die Bürgerstiftung Osnabrück mit ihrem Projekt „K 3... und Du bist dabei!“ fast 1000 Kindern und Jugendlichen über Kunst-, Musik- und Theaterangebote einen kostenfreien und niedrigschwelligen Zugang zu kultureller Bildung ermöglicht.

In der Turnhalle der Grundschule Eversburg geht es ausnahmsweise einmal nicht darum, wer der Schnellste ist. „Schildkrötenrennen“ nennt sich die Übung, bei der sich die Teilnehmer der Theater-AG wie in Zeitlupe ganz langsam nach vorne bewegen. „Das schult das Körperbewusstsein und die Koordination“, erläutert die freie Schauspielerin und Theaterpädagogin Lieko Schulze, die den Kurs des Jugend-Kultur-Projekts „K 3.. und Du bist dabei!“ leitet. 

Seit Juni ist das wieder in persönlicher Präsenz möglich. Bis dahin wurde die Zeit des Lockdowns genutzt, um per Briefpost und Video Übungen zuhause durchzuführen, sich gegenseitig zu zeigen und einen Film daraus zu drehen. Auch die Broschüre mit einem an die Musik des „Karnevals der Tiere“ von Camille Saint-Saens angelehnten Theater-Parcours zum Nachmachen ist ein Projektergebnis, das ohne die Corona-Zeit in dieser Form wohl nie zustande gekommen wäre.

Michael Gründel
Im Spiegelbild des eitlen Schwans: Elena (rechts) macht bei einer Theaterübung die Bewegungen von Zeinab nach.

Rhythmusgefühl und Stimme gestärkt

Die Zweitklässler freuen sich über ein Wiedersehen im realen Raum. Zeinab und Elena lernen ohne Bildschirm und von Angesicht zu Angesicht, sich in der Spiegel-Übung „Der Schwan“ auf den Mitspieler einzustellen. 

Und bei der „Elefantenparade“ geht Leonard als erster vorneweg, während die anderen im Gleichschritt hinterherstampfen. Danach werden die Positionen gewechselt und Bewegungsabläufe, Tempo und Lautstärke beliebig variiert. Während bei dieser Übung das kollektive Rhythmusgefühl gestärkt wird, zielt die phonetische Aufgabe „Der Esel“ auf die Aussprache und den dazugehörigen mimischen und gestischen Ausdruck ab. 

Nicht nur ein „I“, wenn das Essen nicht schmeckt, oder ein „A“, wenn man etwas Spannendes liest, sondern auch andere Vokale, die man für das Theaterspielen braucht, werden eingeübt. Etwa ein „O“, wenn man etwas Tolles im Himmel sieht, oder ein „U“, wenn es kalt ist und man friert.

Michael Gründel
Ausdruck des Erstaunens: Der achtjährige Phil (rechts) und Liane Kirchhoff vom Theaterpädagogischen Zentrum.

Sicheres Auftreten über Spiel

Der Kurs in der Grundschule Eversburg ist einer von mehr als 60, die seit 2018 im Rahmen des K 3-Projekts angeboten werden konnten. Da in der zweiten Jahrgangsstufe eigentlich nur freies Spiel vorgesehen ist, freut sich Schulleiterin Cornelia Klösel über das professionell angeleitete theaterpädagogische Zusatzangebot. 

Auch in den Grundschulen am Schölerberg, in Sutthausen und an der Rolandsmauer konnten Schüler dazu animiert werden, gemeinsam ihre kreativen Talente und Potenziale zu entdecken und daraus mehr Selbstbewusstsein und ein sichereres Auftreten zu schöpfen. Dabei wurde nicht nur Theater gespielt, sondern auch gezeichnet, gemalt und gestaltet, miteinander getanzt, gesungen oder musiziert. 

Es sei gerade die Vielfalt der nicht nur auf Sprache reduzierten Ausdrucksformen, die Kinder und Jugendliche ihren Standort in der Welt finden lassen, betont Hildegard Oevermann von der Egerland-Stiftung, die das in den ersten drei Jahren insgesamt 275.000 Euro teure Projekt vornehmlich finanziert hat.

Michael Gründel
Im Gleichschritt hinterher: Die achtjährige Diana setzt sich an die Spitze der Elefantenparade.

Kulturelle Bildung für alle

Unter anderem mit dem Kunstraum Hase 29, der Don-Bosco-Jugendhilfe und dem Theaterpädagogischen Zentrum hat die Bürgerstiftung ein gutes Netzwerk geschaffen, um K 3 nicht nur in die Schulen zu bringen.

Auch Mitmachmöglichkeiten für körperlich und geistig eingeschränkte Kinder im Sozialpädiatrischen Zentrum des Kinderhospitals, für hörgeschädigte Jugendliche im Landesbildungszentrum oder speziell für geflüchtete Kinder gehörten zum Angebot. „Uns ist es wichtig, auch solche Kinder an Kunst heranzuführen, denen dies nicht vom Elternhaus in die Wiege gelegt worden ist“, unterstreicht die Vorsitzende der Bürgerstiftung Ulrike Burghardt den inklusiven Ansatz. 

Auch in der Pandemie hätten die Kunst-, Musik- und Theaterpädagogen hohes Engagement und viel Einfallsreichtum an den Tag gelegt, um diese Zeit zu überbrücken, freut sich Projektleiter Klaus Lang – und gibt sich zuversichtlich, K 3 um weitere drei Jahre verlängern zu können.

Michael Gründel
Mit "Affengesichtern" Grimassen schneiden und Mimik üben: (von links) Elena, Zeinab, Leonard, AG-Leiterin Lieko Schulze, Phil und Diana.


Weitere Informationen über www.buergerstiftung-os.de.


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