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Ein Roboter im Operationssaal Klinikum Osnabrück setzt bei Prostata- und Niereneingriffen auf neue Methode

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Osnabrück. Eine Prostata- oder Nierenoperation mit der Da-Vinci-Technik, einer robotergestützten Methode, verspricht kleinere Narben und höhere Präzision. Das Klinikum Osnabrück hat im September einen solchen OP-Roboter angeschafft – das ist teuer, aber die Patienten profitieren.

Der Tag der offenen Tür im Klinikum muss herhalten, wenn der Chefarzt der urologischen Klinik, Professor Hermann van Ahlen, über den Operationsroboter spricht. Da hatte das Klinikum die Maschine zugänglich gemacht. Wer wollte, setzte sich an die Computerkontrollen und lenkte die Greifarme. „Da sehen Sie dann plötzlich Fünfjährige operieren. Das ist echt der Hammer“, jubiliert van Ahlen, wann immer er an diesen Tag denkt. Natürlich operierten die Kinder nicht wirklich, sie versuchten nur, mit dem Roboter Ringe über Gummikegel zu legen.

Nur kleine Schnitte

Aber das Beispiel zeigt, dass robotergestützte Operationsmethoden inzwischen in vielen Kliniken alltäglich geworden sind und keine Berührungsängste mehr auslösen.

Normalerweise steht der vierarmige Roboter im Operationssaal. Er ist in Plastiktüten gehüllt, damit alles steril bleibt. An einem Arm sind zwei Kameras an einer schlanken Spitze angebracht. Die übrigen Arme halten die millimeterstarken Instrumente. Kamera und Instrumente lassen sich durch wenige Zentimeter lange Schnitte in den Körper des Patienten einführen, wo bei herkömmlichen Verfahren große Schnitte nötig wären.

Der Operateur steuert den Roboter per Computer über eine Kontrolleinheit mit 3-D-Bildschirm, ein Assistent überwacht den Eingriff an einem Bildschirm, gibt Tipps, justiert bei Bedarf die Kamera und tauscht die Instrumente aus. „Die Methode verspricht ein bislang ungeahntes Maß an Präzision“, sagt van Ahlen.

Chirurgen und Urologen am Klinikum setzen den Operationsroboter seit September für durchschnittlich circa fünf Operationen pro Woche an Gallenblase, Dickdarm, Prostata und Nieren ein. Etwa zwei Millionen Euro kostet so ein System. Die Operationsinstrumente an den Roboterarmen sind empfindliche und vor allem teure Spezialgeräte. Nach zehn Operationen müssen sie laut van Ahlen ausgetauscht werden. Auf die Nachteile der Maschine angesprochen, antwortet van Ahlen deshalb: „Erstens Kosten, zweitens Kosten, drittens Kosten.“

Schonender Eingriff

Wer wissen will, weshalb das Klinikum bereit war, die Summe zu investieren, muss Wolfgang Klimm fragen. Klimm leitet eine Selbsthilfegruppe für Männer, die an Prostatakrebs leiden. Vor einigen Jahren, als die ersten Da-Vinci-Systeme aus den USA nach Europa kamen, hätten Krankentransporte durch ganz Deutschland eingesetzt, erzählt Klimm. Männer aus seiner Gruppe hätten sich in Hamburg operieren lassen oder in Gronau an der Grenze zu den Niederlanden. Damals gab es nur dort die Geräte – und die Lobeshymnen von Frischoperierten in Internetforen, Selbsthilfegruppen und Büchern sorgten dafür, dass die Methode zunächst beliebter und bald zum Trend wurde.

Zuzahlen müssen die Patienten nur noch in wenigen Kliniken, der Wettbewerb ist härter geworden. Heute, sagt van Ahlen, würde in Deutschland etwa jede vierte Prostata-Operation mit dem Roboter durchgeführt. In den USA seien es 80 Prozent. Die Entwicklung im Kampf um Patienten ist also vorgezeichnet.


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