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Augen auf beim Kleiderkauf

Kaum geschützte Arbeitsweisen: Beim Gerben in asiatischen Textil-Betrieben werden große Mengen für den Menschen giftiger Chromsalze eingesetzt. Foto: NDR /AltemeierKaum geschützte Arbeitsweisen: Beim Gerben in asiatischen Textil-Betrieben werden große Mengen für den Menschen giftiger Chromsalze eingesetzt. Foto: NDR /Altemeier

Osnabrück. Warum können Schuhe krank machen? Kann der Genuss von Nuss-Nougat-Creme zu Unfruchtbarkeit führen? Und ist ein Leben ohne Schadstoffe möglich? Diesen und weiteren interessanten Fragen widmet sich der heutige Arte-Themenabend rund um Gesundheit, Gifte und Globalisierung.

Arglos hält ein Mann seine Hand in eine schwärzliche Brühe, die wahrscheinlich einen ganzen Cocktail aus Färbereigiften enthält. Arbeiter bestreichen im Akkord Schuhsohlen mit gesundheitlich höchst bedenklichen Klebstoffen. Sie tragen weder einen Atemschutz noch Handschuhe. In der ersten Dokumentation des Themenabends „Gift – unser tägliches Risiko“ zeigen Inge Altemeier und Reinhard Hornung die menschenverachtenden Bedingungen in asiatischen Textilfabriken.

Und sie dokumentieren die Folgen jener Produktionsweise. Sowohl für die dortigen Arbeiter, die diesen Giften schutzlos ausgeliefert sind, als auch für die hiesigen Kunden, die das toxische Produkt am Körper tragen. Denn viele der in Asien gefertigten Textilien landen in Europa auf den Warentischen großer Kaufhäuser.

Wer in Ländern wie Bangladesch oder China herstellen lässt, kann europäische Standards umgehen. Das gilt besonders für den Einsatz von Giften wie Azofarben oder Chlorgas. Die Konsequenzen jenes Wirtschaftens zeigen sich etwa in der südindischen Baumwoll-Stadt Tirupur. Dort ist bereits ein ganzer Landstrich verseucht, die Zahl der Krebserkrankungen ist in wenigen Jahren rapide gestiegen.

Doch auch die Beschäftigten der europäischen Textilbranche erkranken an der Kleidung aus Asien. Wie etwa Frauke Driessen, die jahrelang bei einer großen Modekette die importierten Jeans bügelte. In ihrem Blut wurde der vermutlich krebserregende Stoff Dichlormethan nachgewiesen. Sie erinnert sich: „Als ich schon ganz schwere Schmerzen in den Bronchien hatte, habe ich vor jeder Jeanshose Angst gehabt.“ Denn aus diesen seien Chlorgerüche entwichen.

Dass auch Kunden betroffen sein können, zeigt das Beispiel von Rita Lemoine. Nur dreimal trug sie ihre neuen Stiefeletten, dann schwoll ihr Fuß bedrohlich an. Die Ursache war das Antischimmelmittel Dimethylfumarat. Das ist zwar seit 2009 in der EU verboten. Dennoch findet es sich häufig in Schuhen, die aus China importiert werden.

Der Film bestürzt, ohne jedoch reißerisch daherzukommen. Stets glaubhaft verdeutlicht er: Was auf den Ladentischen reinlich glänzt, muss noch lange nicht sauber produziert sein.

Die zweite Dokumentation beschäftigt sich mit Lebensmittelverpackungen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit. Dabei wird deutlich: Lange Haltbarkeit hat ihren Preis. Denn die in Verpackungen nachgewiesenen Stoffe wie Bisphenol A (BPA) oder Phtalate können unter anderem zu Herzkrankheiten und Unfruchtbarkeit führen.

Dass sich viele der täglichen Gesundheitsrisiken für den Verbraucher vermeiden lassen könnten, zeigt die dritte und letzte Dokumentation des Abends. So gibt es bereits Farben für Textilien, die kein Gesundheitsrisiko darstellen und sich biologisch leicht abbauen lassen. Und tatsächlich: Immer mehr Unternehmer zeigen Interesse an Produkten, die sich wiederverwerten lassen.

Themenabend: Gift – unser tägliches Risiko

20.15 Uhr: Schick aber schädlich – Kleidung die krank macht

21 Uhr: Hauptsache haltbar

21.30 Uhr: Leben ohne Schadstoffe?