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Zeitgemäß, doch nie bombastisch „Spring Awakening“: Musicalversion von Frank Wedekinds „Frühlingserwachen“ im Osnabrücker Emma Theater

Von Tom Bullmann

Liebesbegegnung mit Folgen: Elena Otten als Wendla und Jürgen Brehm als Melchior. Foto: Swaantje HehmannLiebesbegegnung mit Folgen: Elena Otten als Wendla und Jürgen Brehm als Melchior. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Kein Budenzauber, kein aufwendiges Kostümieren, keine bombastischen Klang- und Gesangskulissen, nur ab und zu eine ausgefeilte Choreografie: Wer pompöses Musical-Spektakel erwartet, liegt bei der neuen Produktion der Hochschule Osnabrück falsch. Das Stück „Spring Awakening“, in Kooperation mit der German Musical Academy (GMA) und dem Theater realisiert, liefert stattdessen die musikalische Aufbereitung des Dramas „Frühlings Erwachens“ (1892) von Frank Wedekind. Im Emma-Theater feierte „Spring Awakening“ jetzt unter der Regie von Sascha Wienhausen Premiere.

Wendla ist ein liebenswertes, fröhliches Mädchen, das sich in den fortschrittlich denkenden Klassenprimus Melchior Gabor verliebt. Aber was ist Liebe? Wie weit darf sie bei Jugendlichen gehen? Darf die junge Frau ihrer sexuellen Abenteuerlust nachgeben?

In ihrer Neugierde fragt Wendla ihre Mutter, die allerdings ausweichend reagiert und auf das Drängen des Mädchens nur sehr vage Auskunft gibt – wie es am Ende des 19. Jahrhunderts durchaus üblich war.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf und endet auf dem Friedhof, wo Melchior die Gräber von Wendla und seinem Klassenkameraden Moritz entdeckt, der den Zwiespalt zwischen Freiheitsdrang und Schulstress, ausgelöst durch autoritäre Lehrer und strenge Eltern, nicht mehr aushält und Selbstmord begeht. Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen“ war in der Zeit seiner Entstehung äußerst umstritten, weil es verstaubte Konventionen anprangerte und die Schuld für fatale Anwandlungen den Erwachsenen gab. Die Musicalversion von Steven Sater mit der Musik von Duncan Sheik wurde 2006 in New York uraufgeführt und ist gar nicht so altmodisch, wie man denken könnte.

Zwar ist der Umgang mit Sexualität sehr viel freier geworden, doch die Probleme, die Jugendliche damit haben, sowie die Konflikte mit Elternhaus und schulischem Umfeld gibt es heute auch noch. Außerdem sorgen schwule Schüler, Gewaltszenen sowie explizite Songtexte („So’n verficktes Leben“, „Im Arsch“) für zeitgemäßes Flair.

Überzeugend agieren die Studenten der German Musical Academy. Allen voran Elena Otten, die als unschuldige Wendla bezaubert und den Konflikt, in den sie schließlich stürzt, sehr nahe bringt. Auch Marcel Kaiser als Moritz und Jürgen Brehm als Melchior leisten gute darstellerische und gesangliche Arbeit.

Die Musik ist, wenn man sie mit prätentiös-aufgebauschten Musicalklängen vergleicht, angenehm unaufdringlich, da Komponist Duncan Sheik aus dem Singer/Songwriter-Genre kommt und daher auf eine Mischung aus Rock, Pop und Folk setzt, die von der Liveband unter der Leitung von Martin Behrens vom Institut für Musik der Hochschule Osnabrück versiert interpretiert wird.

Weitere Aufführungen vom Musical „Spring Awakening“: Freitag, 13. Januar, Montag, 20. Februar, Sonntag, 8. Juli, jeweils um 19.30 Uhr und Sonntag, 5. Februar, um 15 Uhr und 19.30 Uhr. Karten an der Theaterkasse unter Tel. 0541/7600076


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