Rat von Osnabrücker Experten 13 Tipps, wie Sie Homeoffice, Homeschooling und die Familie unter einen Hut bringen

Von Claudia Sarrazin, 20.02.2021, 14:00 Uhr
Mit ein paar Tipps können sich Eltern trotz Homeoffice und Homeschooling ein paar Freiräume schaffen. (Symbolfoto)
Rolf Vennenbernd/dpa

Osnabrück. Mütter und Väter sind aktuell am Limit: Kinder, Kita, Schule, Beruf und Haushalt unter einen Hut zu bringen, ist schon ohne Pandemie schwierig. Nach rund einem Jahr mit Corona liegen die Nerven vielerorts blank. Wir haben 13 Tipps, wie Sie Homeoffice und Homeschooling miteinander vereinbaren, sich selbst den Druck nehmen und für bessere Stimmung in der Familie sorgen können.

Um die schlechte Nachricht vorweg zu nehmen: „Man bekommt es einfach nicht wirklich gut hin“, sagt Dominik Krinninger, Professor für Pädagogische Kindheits- und Familienforschung an der Universität Osnabrück, über die Vereinbarkeit von Familie, Homeschooling und Arbeit im Lockdown. Und Helen Schwenken, Direktorin des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück, stellt fest: „Man muss den Eltern die Illusion nehmen, dass alles so klappen kann, wie man es sich vorstellt.“ Mit diesen Tipps wird es vielleicht ein bisschen besser.

1) Nicht nur dem Whatsapp-Status der anderen glauben

„Wer derzeit von der Kita regelmäßig liebevoll vorbereitete Bastel- und Kochtipps erhält und keine Zeit hat, diese umzusetzen, hat ein mega-schlechtes Gewissen“, weiß Schwenken. Und dann kämen im Whatapp-Status noch Fotos anderer Eltern mit für den Sachkundeunterricht gebastelten Meisenknödeln hinzu. „Beim Betrachten darf man nicht vergessen, dass dort immer nur die schönen Seiten gezeigt werden“, erinnert Schwenken. Sie rät dazu, diesen Status-Nachrichten einen Blick auf die Realität hinzuzufügen.

Katja Müller



2) Ehrlichen Austausch suchen

Wer das Gefühlt hat, nur die anderen bekommen immer alles hin, dem schlägt Schwenken vor, sich Eltern zu suchen, mit denen ein ehrlicher Austausch möglich ist: „In Anrufen könnte man sich zum Beispiel beschreiben lassen, wie bei anderen der Tag ausschaut oder wie lange ein Kind für bestimmte Aufgaben benötigt“, so die Sozialwissenschaftlerin.

3) Sich der Situation anpassen

Moderne Familien funktionierten über öffentliche Kinderbetreuung, lenkt Krinninger den Blick auf das aktuelle und strukturelle Problem: „Wenn so ein riesiges System wegfällt, wie sollen Eltern das in vollem Umfang stemmen?“ Daher fordert Krinninger „eine gewisse Ehrlichkeit“. „Familien können in der Krise nicht auf dem Niveau durchhalten wie vor Corona. Die Krise ist jetzt Dauerzustand, da muss man sich anpassen und priorisieren“, so der Pädagoge.

4) Entspannt bleiben

Die Gymnasiallehrerin Brigitte Adams ermutigt Eltern, auch mal „Fünfe gerade sein zu lassen und zu versuchen, entspannt zu bleiben“. Die Lernsituation sei für Kinder zuhause eine andere als in der Schule. „Sie brauchen im Homeschooling viel länger, weil sie zuhause keine äußeren Strukturen beziehungsweise Zwänge haben“, so Adams: „Daher ist beim Homeschooling sehr viel Eigendisziplin erforderlich.“ Krinninger bringt es auf den Punkt: „Das Zuhause ist normalerweise ein Spielort, und die Umgebung macht viel aus.“

Jonas Güttler/dpa



5) Das richtige Rollenverständnis

Liebevolles Elternteil oder strenger Lehrer? Eltern, die das Homeschooling übernehmen sind in einem Rollenkonflikt. „Den kann man nicht auflösen“, meint Krinninger. Und Olaf Düring, Leiter der Awo-Familienberatung glaubt: „Manche Eltern denken, sie wären Hilfslehrer. Das ist falsch.“ Es sei nicht Aufgabe der Eltern, die ganze Zeit neben den Kindern zu sitzen und mitzuarbeiten. „Gerade den älteren Kindern können Eltern jetzt mehr Eigenverantwortung geben“, sagt der Psychologe und Psychotherapeut. 

Weitere Tipps, damit das Homeschooling nicht eskaliert, gibt es hier >> 

6) Deeskalieren

Düring rät Eltern zudem, im Zweifelsfall lieber zu deeskalieren und „auf den unmittelbaren Sieg zu verzichten“, aber das Ziel im Auge zu behalten. Statt verbissen weiter an den Aufgaben zu sitzen, könnte ein gemeinsamer Sparziergang sinnvoll sein. Nebeneffekt könnte eine verbesserte Beziehung sein, und die sei viel wert: „Denn wenn ich nicht im Beziehungskrieg mit den Kindern bin, habe ich mehr Freiräume, und die Dinge laufen besser“, so Düning.

7) Fünfe gerade sein lassen

„Das wichtigste ist Familienbeziehung, deshalb darf man sich in dieser Situation auch mal kleine Fluchten gönnen“, findet Krinninger. Für ihn bedeutet das konkret: Wenn mehr Bildschirmzeit als sonst oder die Tiefkühlpizza anstelle des Salates für Entlastung sorgen und die Familienmitglieder glücklich machen, seien diese Dinge aktuell erlaubt.

8) Fester Ort fürs Homeoffice

Für einen klar definierten Ort für das Homeoffice – sofern es möglich ist – spricht sich Uwe Langnickel, Leiter der Familien- und Erziehungsberatung der Diakonie in Stadt und Landkreis Osnabrück, aus: Denn dann sei für alle klar: Sitzen die Eltern an diesem Ort, ist Homeoffice angesagt. Wenn die Erwachsenen stets am selben Platz arbeiten und dort nicht gestört werden wollen, sei dies für Kinder leicht verständlich. Praktischer Nebeneffekt: Durch die Wiederholung und das Einhalten der eigenen Vorgaben falle auch dem Erwachsenen das Arbeiten an diesem festen Ort auf Dauer leichter.

Sebastian Gollnow/dpa



9) Präzise Verabredungen

Kinder haben unabhängig von der  To-Do-Liste ihrer Eltern das Bedürfnis nach Zuwendungen, aber sie können auch lernen, mit klaren und zuverlässigen Ansagen umzugehen. Daher rät Langnickel Eltern beispielsweise eindeutig zu sagen, wie lange sie noch arbeiten müssen, und wann sie Zeit mit den Kindern verbringen werden. Die Herausforderung dabei: „Kinder testen ihre Eltern natürlich am Anfang, ob das auch wirklich gilt“, weiß Langnickel. Daher käme es anfangs darauf an, konsequent zu sein.

10) Belohnungen für alle

Nächster Tipp: „Kinder müssen die Erfahrung machen, dass sie davon profitieren, wenn sie die Grenzsetzungen der Eltern akzeptieren", sagt Langnickel. Konkret bedeutet dies: Belohnungen wirken und diese könnten sein, dass das Kind etwas bestimmtes tun darf, mehr Medienzeit erhält, etwas entscheiden darf oder eine Pflicht nicht mehr erfüllen muss, zum Beispiel den Müll rausbringen. Das Beste dabei: Belohnungen funktionieren auch bei Eltern.

11) Erfolge feiern

Den Blick auf eigene Erfolge zu richten und sich zu vergewissern, wann oder wo die Dinge gut gelaufen sind, kann helfen, wenn gerade mal wieder nichts rund läuft. „Das kann man auch ritualisieren“, sagt Langnickel: „Eltern könnten zum Beispiel aufschreiben, wann etwas wie vorgenommen geklappt hat oder welche Gedanken ihnen in schwierigen Situationen schon einmal geholfen haben.“ 

12) Gespräch mit dem Chef suchen

In Bezug auf das zu schaffende Arbeitspensum im Homeoffice mit Kindern berichtet Schwenken von Eltern, die um 5.30 Uhr aufstehen, um etwas „zu erledigen, bevor die anderen wach werden“. Und von anderen, die zwei Mal wöchentlich von 2 bis 8 Uhr Nachtschichten am Schreibtisch einlegen. „Aber trotzdem bleibt Arbeit liegen“, weiß Schwenken. Sie rät deshalb, im Gespräch mit dem Chef zu versuchen, den Druck aus der Situation herauszunehmen und Aufgaben umzuverteilen, wenn möglich.

Sebastian Gollnow/dpa



13) Ruhig zu Wohlfühlkleidung greifen

Das Tragen von Arbeitskleidung im Homeoffice wird zwar oft empfohlen, doch Julia Müller, Leiterin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Unternehmensführung an der Universität Osnabrück, und ihr Team wollten es in einer neuen Studie zum Thema Homeoffice genau wissen. Die Ergebnisse deuten nun auf folgendes hin: Beschäftigte, die im Homeoffice Kleidung tragen, in der sie sich persönlich wohlfühlen, sind produktiver arbeiten und zufriedener. 

Um die schlechte Nachricht vorweg zu nehmen: „Man bekommt es einfach nicht wirklich gut hin“, sagt Dominik Krinninger, Professor für Pädagogische K

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