Wohnungslose stärken ihr Ego Im „Abseits!?“-Chor geschehen Wunder

Unter der Leitung von Markus Strothmann (in der Mitte, mit Gitarre) probt der „Abseits!?“-Chor an jedem Mittwoch – für unser Foto ausnahmsweise auf der Terrasse statt im Keller. Jeder, der Spaß am Singen hat, ist eingeladen, sich der musikalischen GemeinsUnter der Leitung von Markus Strothmann (in der Mitte, mit Gitarre) probt der „Abseits!?“-Chor an jedem Mittwoch – für unser Foto ausnahmsweise auf der Terrasse statt im Keller. Jeder, der Spaß am Singen hat, ist eingeladen, sich der musikalischen Gemeins

Osnabrück. Jeden Mittwoch um 11 Uhr tauchen 15 Frauen und Männer in den Keller ab und erheben ihre Stimme: In der Tageswohnung für Wohnungslose probt der „Abseits!?“-Chor für seinen nächsten Auftritt – bald sogar bei einer kirchlichen Trauung. Singen stärkt das Herz und die Abwehrkräfte, macht glücklich, offen und selbstbewusst. Das alles bestätigen die Chromitglieder, die es im Leben nicht immer leicht hatten und haben. Aber alles tritt in den Hintergrund, wenn sie gemeinsam mit Ehrenamtlichen der Straßenzeitung „Abseits!?“ Nenas „Wunder geschehen“ oder Marius Müller-Westernhagens „Freiheit“ einstudieren.

Die bei ZDFneo ausgestrahlte Doku-Soap über einen Berliner Straßenchor gab Anfang 2011 den Anstoß, auch in Osnabrück etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen, berichtet Thomas Kater, Sozialarbeiter in der Tageswohnung . Hannelore Baethge, frühere Leiterin der evangelischen Familienbildungsstätte, wurde die erste Chorleiterin. Nenas „Wunder geschehen“ war das erste Stück des Chors, der sein Repertoire ständig erweitert. Etwa um „Alles verlore“ von der Kölner Musikgruppe Höhner, die das Lied für die Obdachlosenhilfe geschrieben hat. Oder „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen.

Gesungen werden aber auch eigene Lieder, sagt Kater. „Öffne dein Herz, die Augen“ von Wolfgang Spiering etwa. Dazu wurden Texte des ehrenamtlichen Mitarbeiters Dirk Bardelmeyer von Rike Kinnemann vertont. Rike war wie vorher Gianna Niemeyer während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres in der Tageswohnung tätig. „FSJlerinnen machen im Chor mit, das ist Ehrensache“, erklärt Kater und lacht.

Eine Ehrensache ist das Ehrenamt auch für Markus Strothmann. Der Musikpädagoge leitet seit Kurzem den Chor mit viel Engagement und Freude an der Sache. Er lobt die „lockere, positive Stimmung. Die macht dem Chor so viel Spaß wie mir.“

Therapeutische Wirkung

Das sagen auch Erwin Laumering und Wolfgang Loos, zwei der treuesten Sänger. Beide sind zudem von der therapeutischen Wirkung des Singens überzeugt: Jeder von ihnen hat zwei Schlaganfälle überstanden. Das Singen habe sehr dabei geholfen, das Sprachvermögen wieder zu verbessern. „Wenn ich singe, stottere ich nicht“, erzählt Loos. Seine Frau Sonja schätzt die Gemeinschaft im Chor. Die gute Laune halte nach der Probe an: „Zu Hause singen wir auch.“

Nach verschiedenen öffentlichen Auftritten ist der „Abseits!?“-Chor nun eingeladen, auch bei einer kirchlichen Hochzeit zu singen. In wenigen Wochen ist es so weit. Bis dahin müssen aber noch drei neue Kirchenlieder eingeübt werden.

Der Chor ist offen für neue Mitglieder, die Freude am Singen haben. So hat sich etwa auch der Historiker Volker Issmer der Gruppe angeschlossen. Proben sind jeden Mittwoch von 11 bis 12.15 Uhr in der Tageswohnung an der Bramscher Straße 11.


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