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Graffiti-Sprayer verschönern den Ostbunker „Es sieht einfach geil aus“

Von Matthias Berger

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Richtiges Sprayen will gelernt sein: Bis die Jugendlichen eine gewisse Qualität erreichen, dauert es schon mal ein paar Hundert Dosen: Vitalij Krist, Sven Dankleff, Marcel Schirmacher und Henrik Zimmermann (von links).Foto: Uwe LewandowskiRichtiges Sprayen will gelernt sein: Bis die Jugendlichen eine gewisse Qualität erreichen, dauert es schon mal ein paar Hundert Dosen: Vitalij Krist, Sven Dankleff, Marcel Schirmacher und Henrik Zimmermann (von links).Foto: Uwe Lewandowski

asbe Osnabrück. Das ist doch illegal! Mit diesem pauschalen Urteil werden Graffiti-Sprayer häufig als Kriminelle beschimpft und ihre Kunst als Vandalismus verunglimpft. Bei den Jugend-Kultur-Tagen besprühten Sprayer ganz legal die Mauern des Jugendzentrums Ostbunker.

„Graffiti sind ein Teil der Jugendkultur. Bei uns am Jugendzentrum darf man immer sprayen, denn es gibt in Osnabrück viel zu wenig Freiflächen, wo es erlaubt ist. Und es sieht einfach geil aus“, sagt Ostbunker-Leiter Michael Schmidt. Gerade bei dem Betonklotz aus dem Zweiten Weltkrieg biete sich eine Verschönerung an. Darin sieht Jan Hennig Göttsche auch den Sinn der Graffiti: „Es geht darum, sich den eigenen Lebensraum zurückzuerobern und sein Umfeld zu verschönern.“

Göttsche leitet mit dem Kunstpädagogen Sven Dankleff Graffitikurse für die Sozialpädagogische Familien- und Lebenshilfe in Achim: „Wir haben vor vier Jahren mit Kunstprojekten mit Jugendlichen angefangen. Unser Konzept ist eine Mischung aus Kunst- und Sozialpädagogik.“ Die Jugendlichen erhalten die Chance, eine gewisse Qualität zu erlangen. Das dauere Hunderte von Dosen. „Mittlerweile werden wir beauftragt, Turnhallen und Bahnhofsgebäude zu gestalten.“

Einer der Jugendlichen, die unter Dankleffs Anleitung das Sprayen gelernt haben, ist der 16-jährige Celal Tuncel. Er kommt aus einem sozialen Brennpunkt in Achim: „Früher habe ich viel rumgegammelt. Das hat sich durch das Sprayen geändert.“

Zu Beginn müssen die Nachwuchssprayer jedoch viel Geduld mitbringen, wie auch der 22-jährige Osnabrücker Florian Hagedorn erfahren musste: „Ich habe am Anfang den Fehler gemacht, sehr viel an der Wand gesprüht zu haben, ohne es vorher auf dem Papier auszuprobieren.“

Die Achimer sind auf Einladung des Vereins Fokus nach Osnabrück gekommen. „Wir empfinden uns ein bisschen als Jugendkunstkommando. Das heute ist wie ein Auslandseinsatz“, sagt Dankleff.


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