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Der Karmann-Chor singt nie wieder

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Das war‘s: Ernst Krüger und Hartmut Kastrup nehmen Abschied vom Karmann-Chor. Foto: Dirk FisserDas war‘s: Ernst Krüger und Hartmut Kastrup nehmen Abschied vom Karmann-Chor. Foto: Dirk Fisser

df Osnabrück. „Der Chor war nicht nur Karmann. Der Chor war ein Stück Osnabrück.“ Hartmut Kastrup bringt es auf den Punkt. Er ist Vorsitzender des Karmann- Werkschores – oder besser gesagt war. Kurz vor dem 60. Jubiläum wurde der Chor jetzt aufgelöst.

„Den runden Geburtstag hätten wir natürlich gerne noch gefeiert“, sagt Ernst Krüger. Er war einer der Vorgänger von Kastrup an der Chorspitze. Doch beide müssen sich nun eine neue Beschäftigung für den Dienstagabend suchen. Seit 1950 war am zweiten Tag der Woche immer Proben angesagt – bis jetzt.

„Ohne die Firma im Rücken macht das Ganze keinen Sinn mehr. Wir sind nun einmal ein Werkschor gewesen“, so Krüger. Er kramt in den Unterlagen und holt das Protokoll der Gründungsversammlung vom 7. November 1950 hervor: 35 Karmänner (bis zum Schluss war nie eine Frau Mitglied) hatten sich demnach im Speiseraum des Werkes eingefunden, um einen Chor zu gründen. Initiator und Firmenchef Wilhelm Karmann senior hatte auch gleich einen Chorleiter organisiert: den ehemaligen Lehrer Ernst Geismann.

Über Jahrzehnte hinweg habe die Familie Karmann den Chor finanziell unterstützt und auch die Chorleiter bezahlt, erzählt Krüger. Doch als es der Firma immer schlechter ging, der Autobauer in die Insolvenz ging, blieb das Geld für die werkseigene Sängergemeinschaft aus.

„Da wurde es eng für uns. Auf anderem Wege das Geld auftreiben war nicht möglich“ sagt der ehemalige Vorsitzende und fügt nachdenklich an: „Alles hat wohl seine Zeit.“ Doch auf eine Feststellung legen Krüger und sein Nachfolger Kastrup wert: „Trotz alledem, was passiert ist, müssen wir der Familie Karmann unseren Dank aussprechen.“

Gerne erinnert sich Ex-Vorsitzender Krüger, der bald seinen 80. Geburtstag feiert, an die Auftritte des Chores im Garten der Karmann-Villa, wenn der Firmenchef Geburtstag feierte. Natürlich immer in der klassischen Chorkleidung: braune Jacke und rote Krawatte. „Im Chor waren wir unabhängig von der Arbeit im Werk alle gleich“, ergänzt Hartmut Kastrup.

Vor Kurzem stand seine letzte Amtshandlung an. Gemäß Satzung galt es, bei Auflösung des Chores das verbleibende Guthaben einem guten Zweck zukommen zu lassen. Der Ex-Werkschor wählte das Osnabrücker Hospiz. Leiterin Sigrid Leimkuhle konnte einen Scheck in Höhe von 750 Euro entgegennehmen. Sowohl für Kastrup als auch für König steht jetzt fest: In einem anderen Chor werden sie nicht singen. Die braune Jacke und rote Krawatte haben sie an den Nagel gehängt.


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