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Markus Böger berät Wirtschaftsspionage bedroht auch kleine und mittelständische Unternehmen

Von Matthias Stoffregen

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Sensible Daten werden laut dem niedersächsischen Wirtschaftsschutz häufig bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ausspioniert. Foto: dpaSensible Daten werden laut dem niedersächsischen Wirtschaftsschutz häufig bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ausspioniert. Foto: dpa

Osnabrück. Daten als Wirtschaftsgut haben im Zeitalter des Internets und neuer Informationstechnologien massiv an Gewicht gewonnen. Sie zu schützen wird dagegen immer schwieriger. Bei den Datenschutztagen in Osnabrück warnte Markus Böger vom niedersächsischen Wirtschaftsschutz davor, dass insbesondere kleine sowie mittelständische Unternehmen immer häufiger Opfer ausländischer Wirtschaftsspionage werden.

„Spionage hat sich von der Politik in die Wirtschaft verlagert“, sagte Böger. Es gehe darum, Unternehmen ihr Know-how und ihre Ideen für Produkte zu stehlen. Solche Attacken seien nicht nur von Wettbewerbern initiiert, oftmals werde das Ausspionieren innovativer Firmen von Staaten gefördert. Der Wirtschaftsschutz, der seit zehn Jahren beim Landesamt für Verfassungsschutz angesiedelt ist, berät laut Böger derzeit 600 Betriebe. Nur bei 3,9 Prozent der Unternehmen, die Opfer einer Spionage werden, handele es sich um große Konzerne, hauptsächlich betroffen seien Mittelständler (57,6 Prozent) und kleine Firmen (38,5 Prozent). „Die Großen können sich eigene Sicherheitsabteilungen leisten, kleine nicht.“

Zu den Staaten, die Spionagetätigkeiten fördern, zählt der Experte vor allem Russland und China. Für deutsche Firmen ergibt sich ein Dilemma: Einerseits wollen sie am Wirtschaftsboom dieser Länder teilhaben, andererseits müssen sie fürchten, ausspioniert zu werden.

Studieren und Spionieren

Und zwar nicht erst bei Aktivitäten im Ausland, sondern in ihrer Heimat, so Böger: „Es kommt vor, dass chinesische Studenten, die in deutschen Unternehmen als Praktikanten oder wissenschaftliche Mitarbeiter tätig sind, nach Dienstschluss Firmengeheimnisse ausspionieren.“ Firmen, die Wirtschaftsdelegationen empfangen, rät Böger, sensibles Know-how nicht zugänglich zu machen. Die Spionagemittel sind dem Experten zufolge vielfältig: Oftmals würden Zwischenspeicher an PC-Anschlüssen montiert, Aufnahmen mit digitalen Minikameras gemacht und Telefone manipuliert. „Firmen sollten vor allem überlegen, ob jeder Mitarbeiter einen USB-Anschluss an seinem Rechner braucht“, so Böger, USB-Speicher seien gut für den Datenklau. Bei Geschäftsreisen sollte auf die Mitnahme von Laptops verzichtet werden, rät Böger. Noch immer würden sensible Daten auf den Geräten achtlos gespeichert. Dabei seien diese leicht auszuspionieren.

Thema bei den Datenschutztagen war zudem der innerbetriebliche Datenschutz. Organisator Manfred Weitz wies darauf hin, dass die Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim künftig ein Netzwerk für betriebliche Datenschutzbeauftragte anbieten will.


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