11.300 Quadratmeter großes Grundstück Startschuss für Grow-Projekt im Osnabrücker Wissenschaftspark

Es geht los. Die Osnabrücker Grow Group zieht in den Wissenschaftspark. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (2. von links) und die Geschäftsführer der beteiligten Unternehmen enthüllten am Montag ein Bauschild.Es geht los. Die Osnabrücker Grow Group zieht in den Wissenschaftspark. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (2. von links) und die Geschäftsführer der beteiligten Unternehmen enthüllten am Montag ein Bauschild.
Swaantje Hehmann

Osnabrück. Das Schild steht schon mal. In spätestens zwei Jahren soll auch der Neubau der Grow Digital Group stehen und den Osnabrücker Wissenschaftspark am Westerberg prägen. "Wachsen Sie gesund", empfahl Oberbürgermeister Wolfgang Griesert der Digitalfirma aus dem Hause NOZ Medien.

Ein kleiner Kreis hat am Montag das Bauschild auf dem 11.300 Quadratmeter großen Grundstück in der ehemaligen Scharnhorst-Kaserne an der Sedanstraße enthüllt. Wo früher deutsche und später britische Soldaten salutierten, tüfteln heute kluge Köpfe an Techniken der Zukunft. Die Gewerbeflächen in diesem Osnabrücker Sahnestückchen sind für „wissensbasierte Unternehmen“ reserviert, die engen Kontakt zu den Hochschulen pflegen. Die Grundstücke sind zum Teil subventioniert, um auch jungen Unternehmen Startchancen zu geben. Unternehmer, die sich hier niederlassen wollen, müssen ein mehrteiliges Bewerbungs- und Auswahlverfahren durchlaufen.

Aufwändiges Auswahlverfahren

"Ich kann mich noch gut an den 28. März 2019 erinnern´", sagte der Geschäftsführer der Osnabrücker Wirtschaftsförderung (WFO), Ralf Minning, am Montag. Die Grow Digital Group habe sich in jener Sitzung der Empfehlungskommission "exzellent präsentiert" und das Verfahren "mit Bravour durchlaufen". Die NOZ-Tochter habe bewiesen, dass sie zu den innovativsten Unternehmen gehöre, und überdies die Kommission mit einem "beeindruckenden Architekturkonzept" überzeugt. 

Ähnlich äußerte sich Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Die Stadt schaue bei der Vergabe der Flächen im Wissenschaftspark sehr genau hin. Hier gehe es nicht um eine rasche Vermarktung, sondern und die Schaffung eines Zentrums für innovative Unternehmen mit Nähe zu Hochschule und Universität. Der Neubau der Grow Digital Group sei eine Bereicherung für den Standort, so Griesert. "Wachsen Sie weiter, wachsen Sie gesund", sagte Griesert an die Geschäftsführer der Unternehmen gerichtet, die unter dem Dach der Grow-Gruppe gemeinsam agieren.

Rasanter Wandel in der Medienbranche

Für die Grow Digital Group, bestehend aus den Firmen BasecomBrandenceMSO Digital und Netspirits, arbeiten zurzeit etwa 200 Menschen an bundesweit acht Standorten. Hauptsitz ist Osnabrück. Die Unternehmen begleiten ihre Kunden in der digitalen Welt, sie bieten individuelle Software, komplexe E-Commerce-Lösungen, passgenaues Marketing und Inhalte für analoge und alle digitalen Kanäle. Jens Wegmann, Geschäftsführer der Muttergesellschaft NOZ Medien, will die zweistellige Millioneninvestition auch als "sichtbares Zeichen" verstanden wissen, dass NOZ Medien den rasanten Wandel in der Medienbranche erfolgreich gestalte.

Vom Militär zur Wissenschaft

Der Umbau der alten Kaserne in den Wohn- und Wissenschaftspark ist ein gelungenes Beispiel moderner Stadtentwicklung. Nachdem 2008 die britischen Streitkräfte die 14 Hektar große Kaserne verlassen hatten, entwickelte die Stadt hier schrittweise ein urbanes Quartier für Arbeiten, Forschen und Wohnen. "Diese unterschiedlichen Nutzungen sollen dabei nicht losgelöst nebeneinander stehen, sondern vernetzt und zu einem städtebaulichen Gesamtbild zusammengefügt werden", hieß es in den Planungszielen. Mit der Ansiedlung der Grow Digital Group schließt sich eine weitere Lücke im Wissenschaftspark. Pionier in der ehemaligen Militärbrache war das Innovationszentrum ICO von Stadt und Landkreis, das Start-up-Unternehmen auf die Beine hilft. Rund um das ICO haben sich in den vergangenen Jahren weitere Unternehmen wie das Planungsbüro pbr und die Wirtschaftsprüfer Ecovis Schütter & Partner angesiedelt. Neben dem ICO plant die emsländische Baugruppe Schomaker ein "Technocum". Im westlichen Teil sind Wohngebäude und ein Studentenwohnheim entstanden. 

 "Wir freuen uns sehr, dass sich nach langer Planungszeit jetzt endlich was materialisiert", sagte Basecom-Geschäftsführer Manuel Wortmann mit Blick auf das haushohe Bauschild an der Albert-Einstein-Straße. Baubeginn ist voraussichtlich Mitte 2021. Im ersten Schritt wird ein Bürogebäude entstehen, das sich zur Straßenseite dreigeschossig erhebt und nach hinten zur angrenzenden Wohnbebauung auf zwei Geschosse abflacht. Hier werden die Mitarbeiter der Grow Digital Group einziehen. Der zweite Bauabschnitt sieht Erweiterungsmöglichkeiten für die Gruppe vor, möglicherweise zieht dort auch die Hochschule ein.

Ein neuer Campus

Bauherrin ist die F & E Immobilien-Verwaltungsgesellschaft. Das Architekturbüro Bock, Neuhaus und Partner aus Coesfeld setzte sich mit einem Entwurf durch, der das Campus-Konzept konsequent umsetzt. Hier sollen  sich Mitarbeiter, Studierende, Lehrende oder Existenzgründer treffen und austauschen. Ein Forum mit Innenhof wird Raum für Veranstaltungen bieten, auf Dachterrassen können Pausen- oder Besprechungszonen unter freiem Himmel eingerichtet werden. Im Innern sind die Bürozuschnitte frei wählbar. Auch eine Kinderbetreuung ist eingeplant. Die Architektur, Baustoffauswahl, Instandhaltung, der Betrieb und ein späterer Rückbau seien konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, so Architektin Britta Richter.  

Zusätzlich ist auf einem 2500 Quadratmeter Grundstück ein Boardinghouse geplant, wie F&E-Geschäftsführer Michael Büttner sagte. Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen, aber die Zeichen aus dem Rathaus ermutigend. Büttner: "Wenn wir kluge Köpfe aus Hamburg, Berlin oder München hierherlocken wollen, müssen wir ihnen auch ein gutes Wohnumfeld bieten können."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN