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Marion Tischler macht mit ihrem mobilen Kiosk „Kunst S:nack“ Station in Osnabrück Emanzipiert sich der Konsument?

Traditionell mit ihrem Kunst-Snack in der Kulturnacht unterwegs: Marion Tischler bringt ihre Kollektion „Extra Billig“ diesmal mit einem Bauchladen unter die Leute. Fotomontage: Jörn MartensTraditionell mit ihrem Kunst-Snack in der Kulturnacht unterwegs: Marion Tischler bringt ihre Kollektion „Extra Billig“ diesmal mit einem Bauchladen unter die Leute. Fotomontage: Jörn Martens

Osnabrück. Als „kleine Konsumtempel“ werden sie bezeichnet, die Kioske, an denen man sich auf die Schnelle mit den wichtigsten Dingen versorgen kann. Vielerorts dienen sie auch der Kommunikation. Die Osnabrücker Künstlerin Marion Tischler macht sich diese Dispositionen zu eigen, wenn sie mit ihrem „Kunst S:nack – dem mobilen Kunstkiosk“ unterwegs ist. Nach Berlin und Bonn positioniert sie ihn jetzt auch in Osnabrück.

„Anknattern“ nennen es Liebhaber der italienischen Ape, wenn sie ihre Mischung aus Motorroller und Kleintransporter auf drei Rädern in Gang setzen. Und so wird das charakteristische Zweitaktknattern am kommenden Sonntag, 26. September, an der Lotter Straße zu hören sein, wenn Marion Tischler sich im Anflug auf den Parkplatz des dortigen Supermarktes befindet.

Von 10 bis 13 Uhr wird sie dort ihren Kunstkiosk installieren, um Menschen ihre künstlerischen Objekte näherzubringen, sie zu verkaufen. Da wird man auf der einen Seite des Verkaufswagens Originale zu sehen bekommen, Mischungen aus Malerei und grafischen Elementen, die nicht selten alltägliche Motive aufweisen. Auf der anderen Seite ihres Minitransporters bietet sie sogenannte Multiples feil: Postkarten, Gepäckanhänger, Poster und Bildobjekte – zum Beispiel mit Gartenzwergen oder Osterdekorationen aus der Abteilung „Heile Welt“.

Um mit Passanten und Supermarktkunden ins Gespräch zu kommen, bedient sie sich herkömmlicher Produktwerbung: Reklametafeln, Zeitungs- und Postkartenständer zur Selbstbedienung sowie verkaufsfördernde Reklame weisen auf ihr spezielles Warensortiment hin. „Es geht um Konsum, um Bedürfnisbefriedigung“, erklärt Tischler ihr Konzept. Allerdings transferiert sie den Akt des alltäglichen Einkaufens in den Kunstbereich, die Künstlerin als Betreiberin wird zur Dienstleisterin. „Die Einbeziehung des Publikums ist der entscheidende Faktor des Projekts“, so Tischler. Die Interaktion zwischen Passant und Anbieter führe zu einer Emanzipation der Handelnden. Der Konsument werde zum Akteur.

Darum nennt Marion Tischler die Aktion auch „Kunst S:nack“. Denn mit dem Wortkonstrukt wird einmal auf den schnellen Konsum (Snack), aber auch auf das Gespräch (norddeutsch: Schnack) verwiesen. Allerdings bezieht sich eine oft gestellte Frage nicht auf die Kunstobjekte. Viele Passanten wollen wissen, ob sie die Ape tatsächlich von der Hauptstadt nach Osnabrück gefahren habe. Dann verweist die Künstlerin auf Blasen und Muskelzerrungen, die sich einstellen, wenn man mehr als 20 Kilometer mit dem „Bienchen“ (italienisch: Ape) unterwegs ist. Den Transport per Spedition und andere Kosten haben der Kulturbereich der Stadt Osnabrück, der Landschaftsverband Osnabrücker Land und das Kulturwerk Bildende Kunst finanziert.

„Kunst S:nack – der mobile Kunstkiosk“ von Marion Tischler: Sonntag, 26. September, 10–14 Uhr, Lotter Straße 58–61 (Parkplatz Allfrisch/Wellmann), Sonntag, 3. Oktober, 14–19 Uhr, Traumfabrik Petersburg (ehemaliger Güterbahnhof), Hamburger Straße 22 b


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