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Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ lud zu Lesung und Musik Reise in die Welt des Simplicissimus

Gelungener Auftritt im Lortzinghaus: Sopranistin Marie-Christine Haase, Annika Wahlström, Andreas Szlachcic, Bassist Mark Sampson, Antje Hennenberg, Schauspieler Thomas Schneider, Fabian Liesenfeld, Stefan Mertin und Criselle Fischer (von links). Foto: Egmont SeilerGelungener Auftritt im Lortzinghaus: Sopranistin Marie-Christine Haase, Annika Wahlström, Andreas Szlachcic, Bassist Mark Sampson, Antje Hennenberg, Schauspieler Thomas Schneider, Fabian Liesenfeld, Stefan Mertin und Criselle Fischer (von links). Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Die „Schönheit im Leben verwirklichen“: Dies ist ein zentrales Anliegen der Freimaurer. Der Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch“ (1668/69) von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen erzählt dagegen von einer sehr hässlichen Welt – jener des Dreißigjährigen Krieges. In der Reihe „Unterwegs mit Grimmelshausen“ war das Theater Osnabrück jetzt im Lortzinghaus und damit bei der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ zu Gast. Rund 130 Gäste verfolgten eine gelungene Kombination aus Lesung und musikalischer Aufführung.

Schönheit im Leben als zentraler Teil der Freimaurerei: Mit dieser Botschaft begrüßte die Loge die Besucher. Schauspieler und Rezitator Thomas Schneider machte dann durch seinen Vortrag klar, wozu künstlerische Schönheit auch dienen kann: zum Ausdruck des Hässlichen. Denn Schneider las aus Grimmelshausens Schelmenroman nicht einfach nur vor, er verlieh den Schilderungen von den Schrecknissen des Krieges auch plastische Gestalt. Ein Schlachtfeld voll furchtbar zugerichteter Leichen, ein „elender, jammervoller Anblick“: Diese berühmte Passage des Romans las Schneider wie eine einzige drängende Anklage.

Zudem machte er mit dem Simplicius Simplicissimus eine berühmte Figur der Literaturgeschichte lebendig. Schneider ließ den „allereinfältigsten Bauernbuben“ listig von Streichen erzählen, kokett von Liebesabenteuern säuseln, mit schlingernder Stimme von fröhlichen Gelagen berichten. Das Resultat: ein perfekter Vortrag.

Musiker des Symphonieorchesters und Mitglieder des Ensembles des Theaters Osnabrück formten den Abend schließlich zu einem kleinen Panorama der Welt des Barock. Kantaten von Dietrich Buxtehude und Georg Philipp Telemann sowie Konzerte von Johann Sebastian Bach, von Mark Sampson (Bass) und Marie-Christine Haase (Sopran) sowie Instrumentalisten des Osnabrücker Symphonieorchesters vorgetragen, entführten in das 17. Jahrhundert und boten, woran auch den Freimaurern liegt: Schönheit als Mittel eines guten Lebens.

Die nächste Lesung in der Reihe findet am 23. Februar um 20 Uhr im Konferenzsaal der Neuen Osnabrücker Zeitung statt.


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