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Die Kunst der blauen Stunde Galerie Letsah zeigt Neues von Hendrik Spiess

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<em>Kunst und Wirklichkeit:</em> Hendrik Spiess vor seinen „Schlafenden Mädchen“. Foto: Jörn MartensKunst und Wirklichkeit: Hendrik Spiess vor seinen „Schlafenden Mädchen“. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Der Künstler Hendrik Spiess hat seit längerer Zeit nichts von sich hören lassen. Jetzt meldet er sich zurück: Mit einer Ausstellung in der Galerie Letsah.

Hendrik Spiess schickt die Betrachter seiner Bilder in dunkle, mysteriöse Welten. Fotografien von alltäglichen Situationen dienen dem Osnabrücker Künstler als Grundlage für überwiegend in Blautönen gehaltene, großformatige Acryl-Öl-Bilder, die er ab heute in der Galerie Letsah zeigt.

Fünf Personen mit Regenschirmen stehen in einer Art Strahlenkreis im Wald, die Gesichter ausdruckslos, abwartend. Fast will man annehmen, eine überirdische Macht habe sie zu einer verschwörerischen Gemeinschaft zusammengeführt. Verstärkt wird das rätselhafte Geschehen durch die blauen Farben, die Spiess bei der Umsetzung des Gemäldes einsetzte. Nur der Strahlenkreis hebt sich goldgelb von dem dunklen Erdboden ab.

Es verwundert, dass sich der Künstler ganz normaler Fotografien bedient, um diese irrealen Szenerien zu verwirklichen. Beispielsweise entstammen die beschirmten Personen in dem Bild „The Gathering/Die Zusammenkunft“ einem Schnappschuss. Am Computer stellte er die Figuren frei und beamte sie vom originalen Markplatz in eine Waldlandschaft. Screenshots davon nutzte er dann als Vorlage.

„Magischen Realismus“ nennt Spiess seine Stilrichtung. Dabei bezieht sich die Magie nicht nur auf die Atmosphäre in den gemalten Bildern. Schon bei der Recherche für seine Bilder lässt er sich von der Magie leiten, die Fotografien in ihm bewirken. „Es gibt diese Momente, in denen Fotos etwas in mir auslösen, weil sie etwas mit meinem eigenen Leben zu tun haben, mit Situationen, die ich durchlebt habe, mit Gefühlen, die in mir aufsteigen“, beschreibt Spiess. Dann eliminiert er die Original-Umgebung, entwirft eine neue Realität, seine eigene Scheinwelt. Wie in dem Werk „Sleeping Girls/Schlafende Mädchen“. Die beiden liegen wie tot auf einer dunklen Wiese, obwohl es sich eigentlich um Krankenschwestern im vergangenen Jahrhundert handelt, die sich vor einem Krankenhaus ausruhen, die Sonne genießen.

Warum taucht ein Mann seinen Oberkörper in einen See im Moor? Warum fahren junge Leute unter einem von Sternen funkelnden Himmel zum Angeln auf einen See hinaus? Warum präsentiert jemand einen Affenschädel auf einem Silbertablett? Jeder Betrachter beantwortet diese Fragen anders. Jeder versucht, die Szenarien zu entschlüsseln, sich einen eigenen Reim darauf zu machen. Und bleibt im Endeffekt mit diesen Geschichten zwischen Traum und Wirklichkeit alleingelassen.

Galerie Letsah, Süntelstraße 49: „between the lines“. Malerei von Hendrik Spiess. 18. Mai (Eröffnung 18 Uhr) bis 23. Juni, Do.–So 14–19 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 0541/6001255


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