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Sekt in jeder Dienstbesprechung Alt-Professoren erzählen aus 50 Jahren Ingenieurwissenschaften an der Hochschule Osnabrück

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Osnabrück. Wenn ältere Herren von früher erzählen, kann das ziemlich ermüdend sein. Wie man Geschichte packend erzählt, machten die Alt-Professoren beim Jubiläums-Empfang der Hochschule vor. Die Wissenschaftler nahmen die Zuschauer mit auf eine spannende Zeitreise durch 50 Jahre Ingenieurwissenschaften in Osnabrück.

Zehn Minuten Redezeit für zehn Jahre sind nicht viel. „Aber mit Rücksicht auf das Auditorium haben wir unseren Rednern diese Hürde eingebaut“, sagte Prof. Peter Seifert. Der Hochschul-Vizepräsident und Dekan der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik hatte zum großen Festempfang in der Hochschul-Aula fünf Alt-Professoren geladen. Die älteren Herren sollten den Gästen aus 50 Jahren Ingenieurs-Ausbildung an der früheren Fachhochschule berichten. Und das eben in jeweils nicht mehr als zehn Minuten. „Die Redner haben sich alle dazu verpflichtet. Ein Mann – ein Wort“, sagte Seifert.

Am schwierigsten dürfte die freiwillige Selbstverpflichtung für Benno Röschenbleck gewesen sein. Der emeritierte Professor berichtete über die Gründungsjahre der Hochschule und hatte damit den meisten Erzählstoff. Spektakulär waren bereits die Anfangsmonate, in denen Röschenbleck mit der Auswahl der Studenten betraut war. „Ich hatte plötzlich 720 Klausuren da liegen und nur eine Woche Zeit. Ich will gar nicht anfangen zu erzählen, wie wir das organisiert haben.“

So groß die Zahl der Bewerber, so klein war die der Lehrer. Die 1962 gegründete „Ingenieurschule“ hatte gerade einmal vier Dozenten – und auch genauso viele Räume. Die lagen damals noch nicht auf dem Westerberg, sondern im Gebäude der Gewerbeschule an der Natruper Straße. Am Personalmangel änderte sich bis in die 70er-Jahre nur wenig. „Wir mussten manchmal drei Ausschreibungen für eine Stelle machen, weil sich keiner als Dozent beworben hat“, sagte Benno Röschenbleck.

Unruhige 60er-Jahre

Im Jahr der Studenten-Unruhen allerdings wechselte das Zahlenverhältnis zwischen Professoren und Studenten abrupt. „1969 hat die Hochschule gestreikt. Wir Dozenten durften natürlich nicht. Nur ein Student hat sich weiter unterrichten lassen, und der ist am Ende des Semesters auch noch durchgefallen.“

Erst 1970 gab es dann mit knapp 40 Dozenten so viele Lehrkräfte, dass alle Studenten, die in Osnabrück Ingenieurwissenschaften studieren wollten, auch das volle Kurs-Angebot wahrnehmen konnten.

Studentinnen gab es damals allerdings noch keine. „Wir hatten genau eine Damen-Toilette, und die hat die Sekretärin genutzt“, sagte Benno Röschenbleck. Auch die Dienstbesprechungen liefen anders ab als heute. „Es gab jedes Mal Sekt, manchmal auch Kuchen.“

Im Anschluss an Benno Röschenbleck berichtete Prof. Johannes Praczyk über die 70er-Jahre, an deren Beginn (1971) die Ingenieurschule in der neu gegründeten Fachhochschule aufging. Riesige Entwicklungsschritte hätten damals stattgefunden. „Unsere Labors waren zwar hervorragend ausgerüstet, aber die technische Entwicklung verlief so schnell, dass wir ständig nachrüsten mussten.“

Mit dem Professorenmangel der Anfangszeit hatte die Ingenieurschule nun nicht mehr zu kämpfen. „1972 haben wir beim Land elf neue Dozentenstellen beantragt – und alle sind genehmigt worden. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass wir nur fünf bekommen.“

Die weiteren Redner unterhielten das Publikum ebenfalls bestens mit ihren Berichten aus der jüngeren Hochschul-Vergangenheit. Exzellent war auch das Rahmenprogramm der Veranstaltung: Die Studentenband „Sedmen 5“ spielte passend zu den Vorträgen Songs aus dem jeweiligen Jahrzehnt und bewies, dass die Osnabrücker Hochschule nicht nur sehr gute Ingenieure, sondern auch hervorragende Musiker ausbildet.


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