Dritter Extrem-Frühling in Folge Borkenkäfer und Dürre bedrohen Zehntausende Bäume in der Region Osnabrück

Wegen der extremen Dürre bereits im Frühling droht die Borkenkäferplage im Osnabrücker Land in dieser Saison genauso schlimm zu werden wie im vergangenen Jahr.Wegen der extremen Dürre bereits im Frühling droht die Borkenkäferplage im Osnabrücker Land in dieser Saison genauso schlimm zu werden wie im vergangenen Jahr.
dpa/Lino Mirgeler

Osnabrück. Der Klimawandel fordert seinen Tribut. Wegen des dritten Dürre-Frühlings in Folge schlagen Förster Alarm. Der Forstamtsleiter für die Region Osnabrück, Reinhard Ferchland, sieht durch die anhaltende Trockenheit mehr als 100.000 erst im Winter angepflanzte Jungbäume bedroht. Hinzu kommen Zehntausende Altbäume, die in der Region durch Borkenkäfer geschädigt wurden und nun gefällt werden müssen.

Schon zu Beginn des Jahres hatte Ferchland konstatiert, dass in dieser Saison noch mehr Borkenkäfer als in den vergangenen Jahren im Wald sind. Ferchland hoffte auf einen feuchten, kühlen Sommer, um die Plage noch eindämmen zu können, denn bei kühlem und nassem Wetter könnten sich unter der Rinde Pilze entwickeln, die den Käfer schädigen. Das Gegenteil war der Fall. Das Frühjahr ist – wieder einmal – viel zu trocken. Der für den Privatwald verantwortliche Leiter des Forstamts Weser-Ems, Florian Stockmann, spricht davon, dass seit März nur ein Fünftel des sonst üblichen und für die Bäume zwingend nötigen Niederschlags gefallen ist.

Das Problem: Die rasend schnelle Vermehrung der Plagegeister

Dadurch können von Hitze und Trockenheit gestresste Fichten nun nicht mehr ausreichend Harz bilden, um sich gegen die große Zahl der Schädlinge zur Wehr zu setzen und die Angreifer zu verkleben, bevor sie sich in die Rinde bohren können. Dieses Jahr droht somit erneut ein Extremjahr mit dramatischen Schäden. Um das Ausmaß zu veranschaulichen, dass den Wäldern in unserer Region auch dieses Jahr wieder blüht: Mehr als 200.000 Bäume in Staats- und Privatwald haben die Borkenkäfer im Osnabrücker Land im vergangenen Jahr dahingerafft. 

Auch in diesem Jahr scheint der Kampf gegen die nur fünf Millimeter langen und ein Millimeter breiten Plagegeister aussichtslos. Das Problem ist die schiere Zahl. Es gibt Milliarden der Insekten im Osnabrücker Land, und sie vermehren sich rasend schnell. Experten sprechen davon, dass ein Weibchen bis zu 100 Eier legen kann. Unter idealen Bedingungen gibt es drei Generationen bis zum Herbst. Aus einem Käferpaar können sich so bis zum Ende der Saison bis zu 100.000 Nachkommen entwickeln. 

Das Ausmaß des Schadens

Auch in diesem Jahr bleibt daher erneut nur die Schadensbegrenzung. Am Dörenberg haben die Schädlinge seit Beginn der Käfer-Krise im Jahr 2018 nach Angaben des zuständigen Bezirksförsters für den Staatswald ein Viertel des gesamten Fichtenbestandes absterben lassen. Alleine im Staatswald des Dörenbergs ist den Käfern somit eine mehr als 40 Fußballfelder große Fläche zum Opfer gefallen. Im Bereich des Privatwalds ist der Schaden sogar noch gravierender, weil auch der Anteil des Waldes in Privatbesitz noch größer ist. Florian Stockmann berichtet als Leiter des Forstamts Weser-Ems, dass im Landkreis Osnabrück in diesem Jahr nur im Privatwald bereits circa 70.000 Festmeter geschädigtes Holz eingeschlagen werden musste - der überwiegende Anteil davon war durch Borkenkäfer und Dürre geschädigtes Holz. Im aktuellen Stadium der Saison würden die Schädlinge auch nicht mehr nur am Waldrand liegende, sondern auch gesunde Altbäume befallen. Das Motto lautet daher: "Schnell finden, aufarbeiten und aus dem Wald schaffen", so Stockmann. 

Noch stehen 85 bis 90 Prozent des Fichtenbestands

Trotz des heftigen Käferbefalls in dieser Saison und in den beiden vergangenen Jahren stehen nach Schätzungen der Förster noch 85 bis 90 Prozent des Fichtenbestands im Osnabrücker Land. Wenn aber nichts gegen die Plage unternehmen würde, wäre der komplette Bestand in einigen Jahren vernichtet. Nur wenn die befallenen Bäume schnell in die Sägewerke gebracht werden, kann verhindert werden, dass die etwa 1000 Borkenkäfer pro Baum auf andere Bäume überspringen. Denn sonst kann aus einem befallenen Baum schnell auch ein Hektar befallene Bäume werden. Sogenannte Tri-Net-Fallen unterstützen den Kampf gegen die Käfer. Weit mehr als 1000 Fallen ließ der Landkreis aufstellen, um die Käfer mit Pheromonen in mit Insektiziden beladene Fallen zu locken. Die Vermehrung konnte dadurch jedoch nur geringfügig eingedämmt werden, mehr nicht.

David Ebener
Eine von mehr als 1000 Tri-Net-Fallen zur Bekämpfung der Borkenkäfer im Osnabrücker Land.

Erhöhte Waldbrandgefahr

Die Massenausbreitung verhindern kann nur Hilfe von oben. "Wir brauchen dringend Regen", bringt es Ferchland auf den Punkt. "Ohne Niederschlag rennen wir der Situation hinterher." Die paar Regentage in den vergangenen Wochen hätten in keiner Hinsicht geholfen. Es herrsche erhöhte Waldbrandgefahr. Schon eine achtlos weggeworfene Zigarette könne aktuell verheerende Folgen haben. Im Schnitt seien die obersten 40 Zentimeter der Böden schon wieder ausgetrocknet. Genau das sei auch das Problem für die neu angepflanzten Kulturen, die eben noch nicht so tief wurzeln können, um sich aus den tieferen Schichten Wasser zu ziehen.

Die Strategie hin zu klimafesteren Wäldern

Dabei wären gerade die Neuanpflanzungen so wichtig, um die Wälder besser gegen den Klimawandel zu wappnen. Denn dabei handelt es sich nicht um die in der aktuellen Situation so anfällige Fichten-Monokultur, sondern um klimafestere Mischwälder mit einem höheren Laubbaumanteil. Ohne Nadelhölzer gehe es zwar auch künftig nicht, aber dafür setzt der Staatswald laut Ferchland statt der Fichte auf robustere Nadelgehölze wie die Douglasie und die Kiefer. Statt der von Wassermangel und Hitze ebenfalls gestressten Buche setzen die Förster bei der Aufforstung nun eher auf die Eiche oder Roteiche. Mischwälder, in denen mehrere Baumarten gemeinsam vorkommen, leiden unter Wassermangel weitaus weniger als Monokulturen und sind darüber hinaus nicht so anfällig für Schädlinge und Stürme, weiß der Forstamtsleiter. 

Doch bis der Waldumbau von reinen Fichtenwäldern hin zu robusteren Mischwäldern abgeschlossen ist, wird es noch Jahre, vermutlich noch Jahrzehnte dauern. Kurzfristig bleibt somit erst einmal nur die Hoffnung auf Regen, damit die neue Kulturen gedeihen können. Und damit die Förster eine echte Chance haben, den Kampf gegen die Borkenkäfer bald zu gewinnen.

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(Video: Borkenkäfer-Invasion im Osnabrücker Land)


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