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Planungen mit der Stadt Der Osnabrücker Güterbahnhof ist in neuen Händen


Osnabrück. Der Güterbahnhof hat neue Eigentümer bekommen. Zwei Geschäftsmänner aus dem Umfeld der freikirchlichen Gemeinde „Lebensquelle“ wollen die Flächen im Einvernehmen mit der Stadt als Gewerbegebiet entwickeln. Die Gemeinde hat die frühere Güterabfertigung gekauft, um dort ein religiöses Zentrum einzurichten.

Die Konfrontation mit der Stadt solle ein Ende haben, betont Ralf Gervelmeyer, Geschäftsführer der Zion GmbH, der jetzt gemeinsam mit einem Geschäftspartner aus Steinhagen über das 22 Hektar große Gelände verfügt. Damit spielt er auf die Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und den bisherigen Eigentümern an, die im vergangenen Jahr die weitere Entwicklung gelähmt haben.

Bei einem gewöhnlichen Grundstücksgeschäft hätte die Stadt Osnabrück auf ihr Vorkaufsrecht pochen können. Das war ihr in diesem Fall aber verwehrt, weil der Deal anders eingefädelt wurde. Verkauft wurde ein komplettes Unternehmen samt Grundbesitz – die Schilling & Schreyer GmbH, die den Güterbahnhof vor drei Jahren von der Bahn-Tochter Aurelis erworben hatte. Nach der Umfirmierung heißt sie Zion GmbH und hat ihren Sitz in Georgsmarienhütte, wo Ralf Gervelmeyer eine Personalleasing-Agentur betreibt.

Gervelmeyer bekennt sich zu den Planungszielen der Stadt und betont, die Zion GmbH strebe eine rasche Erschließung zu einem „hochwertigen Gewerbegebiet“ an. „Selbstverständlich“ werde die Stadt die Flächen bekommen, die für den Neubau der Brücke an der Hamburger Straße erforderlich seien. An diesem Punkt hatte der frühere Eigentümer die Verhandlungen mit der Stadt Osnabrück abgebrochen, weil er sich nicht auf Reglementierungen für sein Gewerbegebiet einlassen wollte.

Auch für den denkmalgeschützten Ringlokschuppen sind jetzt neue Optionen denkbar. Er solle eine Nutzung erhalten, „die seine bauliche Hülle erlaubt“, heißt es in einem Statement der neuen Eigentümer.

Anders als bisher vorgesehen soll auch die Güterabfertigung an der Hamburger Straße stehen bleiben. Der rote Klinkerbau aus den 50er-Jahren gehört inzwischen der Evangelischen freikirchlichen Gemeinde „Lebensquelle“, die ihren Sitz vom Goethering an die Hamburger Straße verlegen will.

Gervelmeyer kündigt ein Gemeindezentrum an, das genug Raum bietet für die kirchlichen Aktivitäten, zu denen auch soziale Projekte und die Kinder- und Jugendarbeit gehörten. Auf jeden Fall solle mit der Umgestaltung ein „sauberes Entrée“ für das alte Bahnhofsgelände geschaffen werden.

Für die Clubs und Kultureinrichtungen, die sich in den alten DB-Gebäuden eingerichtet haben, sieht Gervelmeyer auch in Zukunft einen Platz. „Wir unterstützen das“, lautet sein Kommentar dazu, optisch solle das Quartier aber aufgewertet werden.

Stadtbaurat Wolfgang Griesert bestätigt, dass die Stadt mit den neuen Eigentümern in Verhandlungen steht. Er äußert sich zuversichtlich, dass der Güterbahnhof einer verträglichen Nutzung zugeführt werden kann. Die Stadt hatte im Mai nach dem Streit mit den bisherigen Eigentümern eine Veränderungssperre für das Gelände erlassen. Diese Sperre zielte auch darauf ab, sich ein Vorkaufsrecht zu sichern, das sich mit dem Verkauf der GmbH als obsolet erwiesen hat.

Bemerkenswert ist, dass die freikirchliche Vereinigung der Stadt den entscheidenden Hinweis „auf die Liegenschaft mit den vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten“ verdankt, wie es Ralf Gervelmeyer aus drückt. Deshalb bedankt er sich ausdrücklich für den guten Tipp.


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