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Tipps für die Weihnachtspost – Eine Rundmail an alle fällt in die Kategorie „unmöglich“ Brief oder Mail – persönlich soll es sein


Osnabrück. Zum Geburtstag ein Gruß auf Facebook, das übliche „Wie geht’s?“ per Mail, und sonst wird eben telefoniert. Der klassische Brief oder die Karte, die per Post im Briefkasten landet, ist zum Außenseiter geworden. Eine Ausnahme macht da (vielleicht) noch die Weihnachtszeit: Denn so manch einer greift in diesen Wochen wohl doch noch zur Karte, bastelt möglicherweise sogar selbst und sendet weihnachtliche Grüße an Freunde und Verwandte. Doch auch E-Mails, Facebook oder die Handy-SMS sind inzwischen zu Weihnachtspost-Kanälen geworden. Was ist erlaubt, was geht gar nicht? Wir haben Erfahrungen, Tipps und Ideen zum Nachmachen zusammengetragen.

„Ich finde nichts schlimmer als diese gekauften Karten, in denen man am besten nur noch schnell unterschreibt“, sagt Laura Nunziante. Dicht gefolgt, kämen auf der Liste der unmöglichen Weihnachtspost dann die üblich verdächtigen Rundschreiben per Mail, SMS oder auf Facebook. Wenn Weihnachtspost so aussieht, dann kann man sie sich nach Ansicht der im Wallenhorster Ortsteil Lechtingen aufgewachsenen Autorin besser sparen: „Weihnachtspost macht dann Sinn, wenn sie persönlich, ehrlich und individuell ist“, sagt die 26-Jährige, die von 2008 bis 2011 an der London Metropolitan University „Kreatives Schreiben“ studiert hat und seitdem als Autorin arbeitet. Mit einem ihrer Gedichte gewann die Wallenhorsterin vor einem Jahr den „Sandra Ashman Poetry Newcomer Award“ in der britischen Hauptstadt. Kurz danach ist sie nach Frankfurt gezogen, wo sie seitdem zu Hause ist.

Traditionell werde sie aber zum Weihnachtsfest auch dieses Jahr wieder nach Lechtingen fahren, um gemeinsam mit der Familie Weihnachten zu feiern. Mit im Gepäck wird sie dann natürlich auch ein paar individuelle, persönliche Weihnachtsgrüße haben. Aber eben erst zum Fest selbst: „Bei uns ist es irgendwie üblich, die Post erst an Weihnachten zu verteilen“, erzählt die junge Frau. Ihre Mutter schreibe ihr zum Beispiel immer sehr lange Karten, die ganz persönlich an sie gerichtet seien und in denen sie individuell Wünsche für das kommende Jahr formuliere. „Das ist eine superschöne Geste“, findet die Autorin, die ihre eigene Post ähnlich individuell anlegt. Wobei sie dafür durchaus digitale Wege geht: „Um ehrlich zu sein, verschicke ich zu Weihnachten auch SMS“, sagt Nunziante. Aber auch die ließen sich persönlich gestalten. Niemals würde sie zum Beispiel eine „Rund-SMS“ an alle ihre Freunde verschicken. „Das ist ein absolutes No-Go – geht gar nicht!“ Basteln und von Hand schreiben fällt für sie in die Zeit kurz vor Heiligabend: Gedichte, Zitate, kleine Basteleien und Fotos mit passenden Sprüchen und Texten liegen dann neben den Geschenken unterm Weihnachtsbaum.

Und ihr eigener Briefkasten – wird der in der Adventszeit auch mal mit Weihnachtspost gefüttert? „Eigentlich eher selten“, sagt die Autorin, die außer Geschichten und Gedichten auch Auftragsliebesbriefe als Ghostwriterin schreibt. Wahrscheinlich liege das am Alter: Ihre Generation sei in puncto Weihnachtspost wohl längst nicht mehr so rührig wie die ihrer Eltern oder Großeltern. „Bei mir kommen dann höchstens mal Standard-Weihnachtskarten von Firmen.“ Wobei die in ihrer Machart ja nun eher in die Kategorie der „So bitte nicht!“-Karten fallen: eine gedruckte Standard-Karte, maschinell unterschrieben – alles andere als persönlich. „Der Adressat der Weihnachtspost sollte schon sehen, dass sie wirklich für ihn gemacht ist“, findet Laura Nunziante.

Dem kann Aileen Oeberst, Dozentin für Sozialpsychologie an der Universität Osnabrück, nur zustimmen: „Weihnachtspost sollte authentisch sein, sodass der Adressat sehen kann, dass der Schreiber wirklich an ihn gedacht hat, als er die Karte oder die Mail geschrieben hat.“ Dass viele Grüße, Glückwünsche und sonstige Mitteilungen in Zeiten zunehmender Digitalisierung nicht mehr per Post, sondern per E-Mail, SMS oder Facebook versendet werden, findet die Sozialpsychologin nicht schlimm: „Auch eine E-Mail kann sehr persönlich gestaltet sein.“ Es komme also weniger auf das Medium als vielmehr auf die Art und Weise an, was und wie geschrieben wird. Eine persönliche Mail oder eine private Nachricht bei Facebook sei eben etwas anderes als eine Rundmail, die über gleiche Kanäle versendet werde. „Der Bezug zu dem, was der Mensch gerade erlebt, was für ihn wichtig ist, sollte deutlich werden“, rät Aileen Oeberst.

Aus Studien, die über digitale oder analoge Weihnachtspost und ihre Wirkung berichten, könne sie zwar nicht zitieren, aber ihre eigene Position sei die, dass von Hand geschriebene Post nicht gleich besser sein müsse als digitale: „Wenn Massenansagen verschickt werden, helfen weder Handschrift noch das tollste Briefpapier.“

Andere Regeln gelten aber wohl für Weihnachtspost, die von Unternehmen verschickt wird. Irgendwo in den Karteien schlummert man dort das ganze Jahr über als Kunde und bekommt in der Zeit vor Weihnachten auf einmal alles Gute und einen guten Rutsch ins neue Jahr gewünscht. „Was auch immer diese Post bringt und was auch immer die mit Weihnachtspost zu tun hat – die Unternehmen rufen sich damit in Erinnerung zurück“, sagt Aileen Oeberst. Nicht ganz uneigennützig, denn wer weiß – vielleicht kamen die Weihnachtsgrüße von Firma Sowieso ja noch früh genug, um den Empfänger auf die Idee zu bringen, für Bruder, Schwester, Tante oder Onkel ausgerechnet bei Firma Sowieso noch ein Geschenk zu bestellen.

Die Autorin im Netz: www.lauraelisanunziante.de


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