zuletzt aktualisiert vor

Streit um Tiertransport Kritik am Elefantentausch im Osnabrücker Zoo

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Die Kritik am Umgang des Osnabrücker Zoos mit seinen Elefanten reißt nicht ab. In einem Brief an die Neue OZ erheben jetzt zwei heimische Mitglieder von Zoogesellschaft und Greenpeace schwere Vorwürfe gegen den Zoo. Der Zoo wehrt sich dagegen.

Im Mittelpunkt der Beanstandungen steht der Verlust der beiden Elefantenkühe Matibi und Sabi . Die Tiere waren Mitte Januar im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms an einen Zoo in Toulouse (Frankreich) abgegeben worden. Der Transport der beiden afrikanischen Dickhäuter sei trotz Minusgraden in einem Container ohne Heizung erfolgt, heißt es in dem Schreiben. Die beiden Unterzeichnerinnen, Barbara Haffke aus Belm (Zoogesellschaft) und Paulina Nowak aus Bad Iburg (Greenpeace), werfen dem Zoovorstand in diesem Punkt „gravierendes und absolutes Fehlverhalten“ vor. Darüber hinaus hätten die beiden Elefantenkühe in den Tagen vor ihrer Abreise darunter gelitten, von dem einzig verbliebenen Elefantenbullen Tutume räumlich getrennt worden zu sein. Dies habe sich durch Schreien und Weben bemerkbar gemacht, berichten die Frauen und berufen sich auf Mitglieder der Zoogesellschaft. Mit „Weben“ beschreibt man wiederkehrende Körperbewegungen, die als typisch für gefangene Elefanten gelten und Anzeichen einer Verhaltensstörung sein können.

Tiere zurückholen

Haffke und Nowak bemängeln weiterhin, dass am neuen Aufenthaltsort der Osnabrücker Kühe, dem „African Safari“-Zoo in Toulouse, noch „bis Mai keine Außenanlage für die sensiblen Elefanten vorhanden“ sei. Auch die European Elephant Group (EEG) , eine Vereinigung von fachkundigen Elefantenfreunden mit Sitz in Bayern, habe zuvor auf diesen vermeintlichen Missstand hingewiesen. Die EEG habe zudem bestätigt, dass die für Osnabrück vorgesehene asiatische Elefantenkuh Htoo Yin Aye aus Emmen (Niederlande) bereits tragend sei, sagte Haffke unserer Zeitung. Der Zoo habe dies bewusst verschwiegen, um eine mögliche Elefantengeburt als eigenen Zuchterfolg ausgeben zu können. Vor diesem Hintergrund fordern Haffke und Nowak die Rückholung der Elefanten sowie eine Besamung der Elefantenkuh Matibi, „um den ersehnten Nachwuchs zu bekommen“. Die Anschaffung asiatischer Elefanten sei für sie „nicht akzeptabel“.

„Vorwürfe haltlos“

Der Zoo Osnabrück bezeichnet den Großteil der Vorwürfe als haltlos. In einer sechsseitigen Stellungnahme, die der Redaktion vorliegt, rechtfertigt Zoodirektor Michael Böer die grundsätzliche Entscheidung, die afrikanischen Elefanten durch asiatische zu ersetzen. Alles sei in enger Abstimmung und Abwägung mit den Zuchtbüchern und anderen Fachleuten „zum Wohle der Tiere“ geschehen. Zudem sei in Europa schlicht kein Zuchtbulle zu finden gewesen, der zu Matibi gepasst und somit einen Verbleib der afrikanischen Tiere in Osnabrück ermöglicht hätte. In freier Wildbahn gibt es schätzungsweise noch 600000 afrikanische Elefanten, von den asiatischen Artgenossen nur noch 25000 bis 30000.

Der Zoodirektor stellt fest, dass die Elefantenkühe Sabi und Matibi keineswegs unter der Trennung von Tutume gelitten hätten. Ein „Schreien“ sei von den Tierpflegern „zu keiner Zeit“ registriert worden, und Sabis Weben sei „eine alte Gewohnheit“. Jungbulle Tutume, der Alter und Natur entsprechend „lieber alleine sein wollte“, zeige sich heute „völlig entspannt“, erklärt Böer.

Was den Transport nach Toulouse angeht, sei eine Heizung nicht notwendig gewesen. Grund: Elefanten strahlten selbst genügend Wärme ab, um den Container aufzuheizen. Zudem habe eine Amtstierärztin die Freigabe erteilt, und „zur weiteren Sicherheit“ seien sogar der Zootierarzt sowie eine Elefantenpflegerin mitgefahren. „Die Tiere kamen wohlbehalten in Toulouse an“, heißt es in dem Antwortschreiben, und es gehe den Elefanten dort sehr gut – auch wenn die Außenanlage („Europas modernste“) erst im Frühjahr fertig werde.

Schwangerschaftstest

„Eine Rückholung der Elefanten steht außer Frage“, fasst der Zoo zusammen. Ein Transport würde die Tiere erneut stressen, eine Besamung Matibis wäre „sehr teuer und ein Erfolg nicht sicher“. Zudem bliebe das Problem in Emmen bestehen, wo sich die Elefantengruppe im Führungskampf zweier Kühe gespalten habe und aufreibt. Die Unterbringung von vier beteiligten und miteinander verwandten Tieren in Osnabrück soll die Lage in dem niederländischen Zoo entspannen.

Nicht ausschließen möchte der Zoo Osnabrück, dass das Muttertier dieser Familie, die asiatische Elefantenkuh Htoo Yin Aye, bereits schwanger ist. Um dies mit Sicherheit sagen zu können, wären drei Monate lang Urintests nötig. „Wahrscheinlich können wir dies erst in Osnabrück überprüfen“, erklärt Zoodirektor Böer. Allerdings trage eine Elefantenkuh 22 Monate lang. Eine Elefantengeburt etwa im Herbst 2013 könne also schon rein rechnerisch nicht als Osnabrücker Zuchterfolg etikettiert werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN