Ein Artikel der Redaktion

2018 bezugsfertig? Zauberwürfel für den Osnabrücker Neumarkt

Von Wilfried Hinrichs | 13.11.2015, 19:19 Uhr

Der Neumarkt wird um einen Zauberwürfel reicher: Vor dem heutigen Neumarkt-Carrée mit H&M soll bis 2018 ein transparentes Eckhaus entstehen. Der „Schlussstein der Neumarkt-Entwicklung“ wie Stadtbaurat Frank Otte am Freitagabend nach der Sitzung des Preisgerichts sagte.

Zehn Preisrichter und ein Dutzend Experten und Berater brüteten am Freitag den ganzen Tag über zwölf Entwürfe für diese städtebaulich ebenso empfindliche wie anspruchsvolle Stelle mitten auf dem Neumarkt . Das fünfgeschossige Gebäude soll dort entstehen, wo früher der Stadtwerke-Pavillon stand. Bauen wird es ein Gemeinschaftsunternehmen von Theodor Bergmann und der Hamburger B&L-Gruppe.

Mit 9:1 Stimmen entschied sich das Preisgericht in dem anonymisierten Architekturwettbewerb für die Ideen des Berliner Büros Gewers und Pudewill . Georg Gewers kennt den Neumarkt sehr gut: Er stammt aus Hagen, machte am Carolinum sein Abitur und entwickelte 2005 den ersten Masterplan für die Neumarkt-Entwicklung .

Der Entwurf zeichne sich durch seine Transparenz aus. „Der Baukörper tritt selbstbewusst vor, ohne die anderen Gebäude rundherum zu bedrängen“, sagte Otte. Christa Richter, Professorin für Architektur und Stadtplanung aus Dortmund, lobte die Flexibilität des Hauses. Das Konzept erlaube eine schnelle Reaktion auf Veränderungen des Marktes vor allem im Hinblick auf den Einzelhandel, sagte die Vorsitzende des Preisgerichts. Mit der Kästchen-Architektur trete das Gebäude in Dialog mit dem Hasehaus und dem künftigen Einkaufszentrum.

Auch Investor Theodor Bergmann zeigte sich mit dem Siegerentwurf „sehr zufrieden“. Der Baukörper stelle eine große Nähe zu den anderen Schwerpunkten auf dem neuen Neumarkt her. „Das ist kein Monolith, das Haus hat verbindenden Charakter“, sagte Bergmann.

Die Herausforderung für die Architekten war in der Tat groß: Der Baugrund ist mit nur 750 Quadratmetern eng, die Einfahrt der Busse zur Haltestelle am Grünen Brink muss gewährleistet bleiben, die Sichtverbindung von der Großen Straße zum Eingang des künftigen Einkaufszentrums auf der Südseite des Neumarktes darf nicht verstellt werden – und das Ganze muss wirtschaftlich sein. Der Entwurf von Gewers und Pudewill erfüllt die Bedingungen, indem das Haus auf einem fast dreieckigen Grundriss aufsetzt und sich nach oben hin erweitert. Auf der Südseite ragt das Gebäude ab dem zweiten Obergeschoss über die Buseinfahrt hinaus. Bis zum dritten Geschoss ist Einzelhandel vorgesehen, darüber sollen Büros entstehen. Im Dachgeschoss ist eine Gastronomie mit Südterrasse geplant, die den Gästen einen Panoramablick über Neumarkt und Stadt bieten soll. Die Fassade wird mit hellem Sandstein verkleidet, eine ausgeklügelte Beleuchtung soll die Fenster von unten anstrahlen und ein „feines Spiel mit dem Außen- und Innenlicht“ erzeugen, wie es im Entwurf heißt.

Die Stadt hat die Fläche im Frühjahr an den Investor verkauft. Mit dem Erlös soll die Neugestaltung des Neumarktes finanziert werden. Theodor Bergmann hofft, dass die vorbereitenden Arbeiten in der zweiten Jahreshälfte 2016 beginnen können und der Zauberwürfel auf dem sogenannten „Baulos 2“ Anfang 2018 bezogen werden kann.