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Eine alte Kurzform des biblischen Namens Matthäus In Tewes verbirgt sich ein Apostelname

Von Winfried Breidbach

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Osnabrück. NOZ-Leser Gerhard Tewes aus Hilter hat keine Idee zur Entstehung seines Familiennamens. Der Familienname Tewes wird von rund 6000 Personen getragen und zählt damit zu den häufigen Namen in Deutschland. Der Name findet sich vor allem in der nördlichen Hälfte Deutschlands.

Von der heutigen Namensform ausgehend, ist Tewes unverständlich. Mithilfe historischer Informationen kann der Ursprung des Namens aber eindeutig ermittelt werden. Tewes gehört zu den zahlreichen Familiennamen, die auf den Taufnamen Matthäus zurückgehen. Einige dieser Namen wie etwa Matthes oder Mathes können aber auch zum ähnlichen Namen Matthias gehören.

Beide Taufnamen, Matthäus und Matthias, sind in Deutschland seit dem Mittelalter sehr beliebt, beide sind mit dem Namen eines Apostels identisch. Matthäus gehörte den ursprünglichen zwölf Aposteln an, Matthias wurde durch Los zum Ersatzapostel für Judas Iskariot bestimmt. Beide Namen gehen auf den hebräischen Namen Mattanja „Gabe Gottes“ zurück, wobei Matthias als Kurzform des zu Mattanja gebildeten Namens Mattatias entstand und Matthäus zum Kurznamen Mattai gebildet wurde.

Da der Name Matthäus auf der zweiten Silbe betont wird, entwickelten sich zahlreiche Namensformen unter Wegfall der ersten Silbe. Dass es sich bei diesen Kurzformen tatsächlich um Varianten von Matthäus handelt, wird durch Namengleichungen erwiesen, so zum Beispiel bei „Mattheus = Tewes Schekel“ (1421 in Barth/Vorpommern), „Matheus = Tewes Jenike“ (1438 in Halle/Saale). Auch lautlich weiter abweichende Formen können aufgrund solcher Varianten bei Personengleichheit identifiziert werden: „Mattheus Janke = Thewus Janken“ (1449 in Aken/Elbe), „Matthebus = Thebus Hirter“ (16. Jh. in Konstanz/Bodensee).

Aus der in der Namengleichung „Mateus Smede = Mattewes Smet“ (1460 in Neuhaldensleben) enthaltenen Namenvariante Mattewes löste sich Tewes als Standardkurzform für Matthäus ab. In den heutigen Familiennamen T(h)ewes, Teewes und T(h)eves ist diese Form enthalten, dazu kommen Tewis, Thewis und Thewies als weitere Namensformen.

Da der Zwielaut ei im niederdeutschen Gebiet häufig als Variante des Langvokals ê existierte (wie bei klein neben klên oder meister neben mêster), entstand auch zu Têwes eine Nebenform Teiwes, die in den heutigen Familiennamen Teiwes und Theiwes fortlebt. Mit -b- statt -w- gehören die Nachnamen T(h)ebes, Thebis, T(h)ebus, Teebus und Thebuss ebenfalls zu Matthäus. Weitere Namenvarianten sind Töwes, Toebes und Thöbus, bei denen der Vokal e der ersten Silbe gerundet als ö erscheint.

Im Internet finden Sie die Familiennamen, die Dr. Breidbach schon im Auftrag unserer Zeitung untersucht hat: www.neue-oz.de/namen

Namensvorschläge bitte an namensforscher@neue-oz.de

Gutachten: www.ifn.name


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