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20 Prozent über dem Grenzwert Zu viel Stickstoffdioxid: Osnabrück drohen Klagen und Strafzahlungen

Von Rainer Lahmann-Lammert | 20.03.2015, 20:45 Uhr

Die Stadt Osnabrück hat ein Problem mit dem Stickstoffdioxid. Trotz Umweltzone und Neumarkt-Sperrung zeichnet sich nicht ab, dass der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft einzuhalten ist. Wenn es dabei bleibt, muss die Stadt mit Strafzahlungen an die EU-Kommission rechnen – und mit Klagen von Bürgern, die saubere Luft fordern.

Vor ein paar Jahren drehte sich noch alles um den Feinstaub, doch der scheint in Osnabrück inzwischen gebändigt zu sein. Beim Stickstoffdioxid kommt es jedoch seit 2010 zu regelmäßigen Überschreitungen. Am Schlosswall registrieren die Sensoren des Messcontainers Durchschnittswerte, die 20 Prozent über dem von der Europäischen Union festgelegten Limit liegen. NO2 kann Asthma verursachen, vielleicht sogar Krebs. Sollte die Kommission Ernst machen, könnten der Stadt Tagesstrafen in fünfstelliger Höhe drohen.

Bislang hatten die Fachleute gehofft, dass die neuen Fahrzeuge mit Euro-5- oder Euro-6-Standard kontinuierlich für bessere Luft sorgen würden. Detlef Gerdts, der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, ist inzwischen ernüchtert: Was da aus dem Auspuff komme, überschreite die Grenzwerte teilweise um das Siebenfache, erklärte er am Donnerstag vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Offensichtlich hätten sich die technischen Verbesserungen nur unter Laborbedingungen gezeigt, nicht jedoch in der Praxis.

Ein schweres Handicap für Osnabrück sieht Gerdts darin, dass viele Autofahrer bei Staus auf der Autobahn den Weg durch die Stadt wählen. Im vergangenen Jahr habe die Fahrbahnerneuerung auf der A30 zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen auf dem Wallring geführt. Und damit zu einer höheren NO2-Belastung in der Luft. „Die Umleitungen von der Autobahn verhageln uns den Grenzwert“, fasste Gerdts zusammen.

Weil Osnabrück – ebenso wie viele andere Städte in Deutschland – mit der Überschreitung des Grenzwerts die Aufmerksamkeit der EU-Kommission auf sich ziehen dürfte, wird voraussichtlich auch die Frage nach Versäumnissen auf den Tisch kommen. In diesem Zusammenhang wies der Fachbereichsleiter darauf hin, dass die Kreuzung von Wall und Martinistraße eigentlich längst „mit angestrebter Verkehrsverflüssigung“ umgebaut sein sollte. So hatte es die Stadt noch vor einigen Jahren gegenüber der Kommission angekündigt, um eine Ausnahmegenehmigung für die Feinstaubbelastung in Anspruch nehmen zu können.

Positiv wirke sich jedoch die baustellenbedingte Neumarkt-Sperrung aus, erklärte Gerdts jetzt vor dem Ausschuss. Die wirke sich nicht nur auf den Neumarkt, sondern auch auf die Martinistraße aus, wo der Verkehr deutlich abgenommen habe. Anders als erwartet habe die Verkehrsverlagerung nicht etwa zu höheren NO2-Werten am Schlosswall geführt, sondern sogar zu einem minimalen Rückgang.

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