Durchbruch für E-Zigarette im Jahr 2003 E-Zigaretten. Gefahr für Leib und Leben?

Von Henning Allmers (Gastautor)

Symbolfoto: Friso Gentsch/dpaSymbolfoto: Friso Gentsch/dpa
Friso Gentsch

Osnabrück . Die erste Idee für eine elektronische Zigarette hatte der US-Amerikaner Herbert A. Gilbert im Jahr 1963. 40 Jahre später, im Jahr 2003, schaffte die E-Zigarette ihren Durchbruch. Hon Lik, ein chinesischer Apotheker, dessen Vater als starker Raucher an Lungenkrebs verstarb, griff Gilberts Idee auf und entwickelte eine modernere Version der E-Zigarette.

In China gibt es circa 300 Millionen Raucher. 2010 starben eine Million Chinesen an den Folgen des Tabakkonsums. Dort wurde die E-Zigarette im Jahr 2004 als Produkt für die Rauchentwöhnung und als Ersatz für die Tabakzigarette auf den Markt gebracht. Im Jahr 2005 begann der Export der E-Zigarette in andere Länder.  (Weiterlesen: Wenn Professoren im Vier-Minuten-Takt kniffelige Fragen beantworten müssen)

Viel weniger Schadstoffe

Die internationale Tabakindustrie erkannte die Bedeutung der E-Zigarette. Das Tabak-Unternehmen Imperial Tobacco erwarb im Jahr 2013 das geistige Eigentum von Hon Lik zu einem Preis von 75 Millionen US-Dollar.

Tabakrauch enthält mehr als 70 verschiedene krebserregende Substanzen. Im Vergleich dazu enthält das Aerosol von E-Zigaretten und Verdampfern tatsächlich viel weniger Schadstoffe, allerdings auch entzündungsfördernde, reizende und sogar krebserregende Substanzen. Das Bundesinstitut für Risikoforschung und das Deutsche Krebszentrum warnen deshalb davor, das Gefahrenpotenzial von E-Zigaretten zu unterschätzen.

12. Osnabrücker Wissensforum

Beim 12. Osnabrücker Wissensforum im November 2019 haben wieder zahlreiche Professoren der Universität Osnabrück Fragen von Lesern der Neuen Osnabrücker Zeitung beantwortet. Heute als Beitrag: E-Zigaretten. Gefahr für Leib und Leben?
Die Filmbeiträge zu den einzelnen Vorträgen sind unter www.uni-osnabrueck.de/wissensforum abrufbar.
Das nächste Osnabrücker Wissensforum wird am 13. November 2020 stattfinden.
Die Basis der Verdampferflüssigkeit (Liquid) besteht aus Propylenglykol, einem Stoff, der auch als Disconebel eingesetzt wird. Dieser Dampf kann Augen- und Atemwegsirritationen auslösen. Wie in herkömmlichen Zigaretten kann auch die Verdampferflüssigkeit Nikotin enthalten, das eine körperliche und psychische Abhängigkeit verursacht. 

Spannung lässt sich einstellen

Bei neueren Modellen von E-Zigaretten lässt sich die Spannung, mit der der Zünddraht erhitzt wird, individuell einstellen. Eine höhere Spannung bedeutet eine höhere Temperatur und mehr Dampf. Dadurch werden mehr Nikotin und mehr Schadstoffe, wie das krebserregende Formaldehyd, freigesetzt. Beim Verbrauch von drei Millilitern Liquid entsteht etwa das 5- bis 14-Fache der Menge an Formaldehyd, die beim Rauchen von 20 Tabakzigaretten aufgenommen wird.

In den USA sind inzwischen mehrere Hundert Menschen mit Lungenbeschwerden nach Dampfen ärztlich behandelt worden. Das Akronym EVALI wurde im Oktober 2019 eingeführt: Es bedeutet: E-cigarette, or vaping, product use associated lung injury. (Übersetzt: Mit E-Zigaretten oder Vaping-Produkten verbundene Verletzung der Lunge.)

Henning Allmers ist Professor am Institut für Gesundheitsforschung und Bildung. Foto: Pentermann

Bis zum 27. Januar 2020 wurden in den USA 2.711 Menschen mit EVALI stationär behandelt. 60 Todesfälle wurden bestätigt.

Alle EVALI Patienten haben E-Zigaretten oder Verdampfer genutzt. Fast alle Patienten gaben an, Tetrahydrocannabinol-(THC)-haltige Produkte eingeatmet zu haben. THC ist die psychoaktive Substanz, die die erwünschte Wirkung von Haschisch oder Marihuana auslöst. Es wird vermutet, dass THC-haltige Kartuschen manipuliert wurden, um eine stärkere halluzinogene Wirkung zu erzeugen.

Diese Zeichnung zum Vortrag stammt von Christina Porat. Zeichnung: Porat

Die Ursache wurde vermutlich identifiziert. Es gebe „direkte Belege“ dafür, dass ein aus Vitamin E gewonnenes Öl die Lungenerkrankungen bei den E-Zigaretten-Konsumenten hervorgerufen habe. Demnach sei die Chemikalie bei 48 von 51 erkrankten Personen, deren Lungenspülflüssigkeit untersucht wurde, nachgewiesen worden. Es seien bislang keine anderen potenziellen Giftstoffe bei den Untersuchten nachgewiesen worden. 

Bitte denken Sie immer daran: Rauchen tötet, egal welche Technik verwendet wird.


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