Transparent oder undurchsichtig? Mechthild Wendt zeigt aktuelle Arbeiten in Osnabrück

BBK Kunst-Quartier: neue Bilder von Mechthild Wendt. Foto: Michael GründelBBK Kunst-Quartier: neue Bilder von Mechthild Wendt. Foto: Michael Gründel
Michael Gründel

Osnabrück. Zwischen Wirklichkeit und individueller Abstraktion bewegt sich Mechthild Wendt, wenn sie ihre ganz eigenen Porträts von verlassenen Räumen malt – zum Teil mit Wachs. Bis zum 11. Januar sind ausgewählte Werke im BBK Kunst-Quartier zu sehen.

Mechthild Wendt sucht verlassene Orte. Dort, wo früher einmal das Leben pulsierte und wo jetzt zum Teil die Natur das Zepter übernommen hat, lässt sich die Künstlerin zu ihren Bildern inspirieren. Wenn sie einen solchen Ort gefunden hat, sitzt sie dort oft stundenlang, prägt sich die Szenerie ein, fotografiert, zeichnet. Bisweilen nimmt sie Fundstücke mit, die den jeweiligen Ort charakterisieren. In einem Freibad, das nicht mehr in Betrieb ist, nimmt sie abgesprungene Fliesen und Kacheln mit oder eine vergammelte Nasenklammer. All das trägt sie dann in ihr Atelier und verarbeitet es zu ihren ganz persönlichen, künstlerischen Dokumentationen. Bisweilen ist Wendts Fantasie dabei stärker als die realistische Vorstellung von den Orten, die ihr als Vorlage dienen. So entstehen Werke, die sich auf einem Grat zwischen Wirklichkeit und individueller Abstraktion bewegen.

Mechthild Wendt im BBK Kunst-Quartier. Foto: Michael Gründel

Lange Zeit malte Mechthild Wendt ihre Bilder mit Acryl auf Leinwand. Von dieser Schaffensperiode zeugen nur wenige Arbeiten in ihrer aktuellen Ausstellung im Kunst-Quartier des Bunds Bildender Künstler (BBK). Weitaus häufiger hat sie in der letzten Zeit mit Wachs gearbeitet. Eine Mischung aus Bienenwachs und Paraffin erhitzt sie auf eine bestimmte Temperatur, färbt sie mit ausgewählten Pigmenten und trägt sie auf Holz auf. Bis zu 60 Schichten übereinander. Der Effekt ist faszinierend: Hier türmen sich die Wachsschichten zu reliefartigen Gebilden, dort entstehen Flächen, durchscheinend wie Alabaster. Nur schwer gewöhnt sich das Auge an die Tranzluzens, die aus der Realität entliehene Motive im Hintergrund fern und doch nah erscheinen lassen. Bewehrungsstahl, der aus zerstörten Betonblöcken herausragt, wird zum abstrakten Bildmotiv.

"Transparent undurchsichtig": Wachsbilder von Mechthild Wendt. Foto: Michael Gründel

Der Palast der Republik in Berlin hat es der Künstlerin besonders angetan. Jahrelang hat sie beobachtet, wie der geschichtsträchtige Gebäudekomplex auf der Spreeinsel zunächst wegen Asbestverseuchung saniert, dann abgerissen wurde. Dieser Prozess schlug sich in diversen Arbeiten der sowohl in Berlin als auch in Osnabrück lebenden Künstlerin nieder. Aktuell auch in einem Wachsbild. Darin verzichtet sie, die eigentlich Raster liebt und Muster in vielen Bildern variiert, darauf, die spezifische Struktur der verglasten Originalfassade des polarisierenden DDR-Gebäudes nachzuempfinden. Stattdessen vermitteln die Wachsschichten den Eindruck, als sei der Palast in direkter Nachbarschaft zum Funkturm und zum Berliner Dom mit riesigen Planen verhängt - wie einst der Reichstag, als Christo in verhüllt hatte.

BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „transparent undurchsichtig“. Künstlerische Positionen von Mechthild Wendt. Bis 11. Januar, Di. - Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


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