„Applaus“ für die Hardcore-Family Bastard Club in Berlin als „Spielstätte des Jahres“ ausgezeichnet

Ganz nah dran: Rockfans können im Bastard Club den Schweiß der Musiker riechen, wenn sie sich durch die pogende Menge zur Bühne trauen. Foto: André HavergoGanz nah dran: Rockfans können im Bastard Club den Schweiß der Musiker riechen, wenn sie sich durch die pogende Menge zur Bühne trauen. Foto: André Havergo
Andre Havergo

Osnabrück. 18000 Euro bekommt die Osnabrücker Hardcore Family demnächst überwiesen. So nennt sich der Verein, der für Betrieb und Organisation des Konzertprogramms im Osnabrücker Bastard Club verantwortlich zeichnet. Es handelt sich um das Preisgeld, das der Club für seine Ernennung zur „Spielstätte des Jahres 2019“ verliehen bekommt.

Manch ein Osnabrücker weiß gar nicht, wie lebendig die Kulturlandschaft unserer Stadt ist. Da hilft es, wenn man von höherer Stelle darauf hingewiesen wird, dass es hier einen Club gibt, der mehr als 52 Konzerte pro Jahr veranstaltet und jüngst zur „Spielstätte des Jahres 2019“ gekürt wurde. Diese Auszeichnung, die mit einem Preisgeld in Höhe von 18000 Euro verbunden ist, wurde in Niedersachsen nur einmal vergeben: an den Bastard Club an der Buerschen Straße.

„Wir haben uns total gewundert, als wir wegen der Preisverleihung in Berlin waren“, erzählt Kai Bünemann. Dort erfuhr er nämlich, dass zwei Drittel der Spielstätten, die bundesweit ausgezeichnet wurden, Jazz-Clubs sind. Da fährt „sein Club“ dann doch ein anderes Programm. Im Bastard Club hat der Underground eine Heimat, also alles, was richtig rockt: Punk, Hardcore, Metal und ähnliches. Daher heißt der Verein, der für das Konzertprogramm des Bastard Club verantwortlich zeichnet, auch Hardcore Family e.V.. Bünemann ist 1. Vorsitzender der Familie. Aus diesem Grund fuhr er jetzt zusammen mit Dirk Altenrath, dem Geschäftsführer des Clubs, zur Preisverleihung nach Berlin.

"Fast wie bei der Oscar-Verleihung"

„Das war fast wie bei der Oscar-Verleihung, nur ein bisschen kleiner“, schmunzelt Bünemann, der den Festsaal Kreuzberg als Veranstaltungsort bereits kannte. Eingeladen hatte die Initiative Musik, die zentrale Förderplattform der deutschen Musikwirtschaft, die denn auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum siebten Mal gebeten hatte, den „Applaus“ offiziell zu verleihen. Insgesamt wurden 107 Preisträger aus dem gesamten Bundesgebiet in drei verschiedenen Kategorien geehrt. „Die meisten wurden für kleine Konzertreihen oder für mindestens zehn Veranstaltungen pro Jahr geehrt“, erzählt Bünemann. Da im Bastard Club, der 2007, noch in der Skatehalle, von Alexander „Schnalli“ Schröder gegründet wurde, mehrmals pro Woche Bands auftreten, rutschte er in die Kategorie II mit mindestens 52 Konzerten pro Jahr.

„Marco Gausmann vom Osnabrücker Musikbüro hatte uns den Tipp gegeben, uns für den Preis zu bewerben. Es können nur Clubs teilnehmen, die von einem freien Trägerverein betrieben werden. So wie die Leute vom Substanz, die den Preis im vergangenen Jahr verliehen bekommen haben. Kommerzielle Läden wie der Rosenhof oder der Hyde Park können da nicht mitmachen“, so Bünemann. Das Preisgeld sei zweckgebunden, es müsse für die Spielstätte eingesetzt werden. „Diese 18000 Euro kommen gerade recht, weil wir ein neues Sound-Mischpult benötigen“, erklärt Dirk Altenrath, der sich unter anderem um die Technik im Bastard Club kümmert. Außerdem sei es jetzt auch mal möglich, die Sanitärabteilung zu renovieren.

„Wir können einfach mal durchatmen. Der Verein darf ja keinen Gewinn abwerfen, aber wir können es uns auch nicht leisten, zu häufig Konzerte in den Sand zu setzen“, beschreibt Altenrath die Situation. Das heißt: Wenn zu wenig Zuschauer ein Ticket für die Konzerte kaufen, wird das Ganze ein Verlustgeschäft und der Verein könnte in eine wirtschaftliche Schräglage geraten. Vielleicht wirkt das Preisgeld jetzt wie ein kleiner Puffer, der den Finanzstress der Vereinsmitglieder ein wenig reduziert.

Jedenfalls wird man neben den vielen alten Tourplakaten, die die Wände des Bastard Club schmücken, demnächst vielleicht eine Plakette oder die Urkunde bewundern können, die Altenrath und Bunemann aus Berlin mitgebracht haben und die die Lokation als „Spielstätte des Jahres 2019“ und „Applaus“-Preisträger ausweist…


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