Heißer als unser Grill Adventstürchen-Aktion bei KME in Osnabrück

Von Jens Lintel

Deutlich heißer als Papas Grill: Kupfer kocht bei einer Temperatur von 1200 Grad. Ein KME-Mitarbeitern zeigte den Kindern das flüssige Metall.  Foto: Jörn MartensDeutlich heißer als Papas Grill: Kupfer kocht bei einer Temperatur von 1200 Grad. Ein KME-Mitarbeitern zeigte den Kindern das flüssige Metall. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Flüssiges Metall, rotglühende Kupferblöcke, riesige Maschinen: Mit solchen Eindrücken hat der Kupferverarbeiter KME in Osnabrück den Mädchen und Jungen bei der Adventstürchen-Aktion unserer Redaktion ein riesiges Erlebnis beschert.

Bei der Führung über das KME-Werksgelände, die als zweites Adventstürchen-Angebot auf dem Programm stand, waren zehn Mädchen und Jungen (sowie sieben spontan eingeladene erwachsene Begleiter) dabei, denen Lars Schönball, der die Berufsausbildung bei KME leitet, die riesigen Hallen mit den Kupferkochtöpfen und den Maschinen zeigte, die für die weitere Verarbeitung des Metalls nötig sind.

 In dem vor 150 Jahren gegründeten Werk, das sich in der Zeit seiner Eröffnung noch ein gutes Stück vor den Stadtmauern von Osnabrück befand, werden Stecker, Leiterplatinen und Stromschienen hergestellt, die Fahrzeugbauer in Autos oder Lastwagen einbauen. Weiter produziert KME noch Gießformen und Kühlelemente aus Kupfer, die in anderen Unternehmen benötigt werden, die ebenfalls Metall verarbeiten. Daneben werden noch Schalter, Rohre, Stangen und Profile angefertigt, die etwa in Kabelschächten verwendet werden. Über 1600 Menschen sind bei KME beschäftigt. 

Wie Schönball den Kindern zeigte, werden bei KME zunächst aufgekauftes Kupfer-Altmetall und eigene Kupfer-Produktionsrückstände eingeschmolzen. Dazu muss das Kupfer auf eine Temperatur von 1200 Grad erhitzt werden. Als die Kinder einen Blick in einen der Schmelzöfen werfen durften, in denen das rotglühende Metall brodelte, waren sie baff. „Das ist aber mal deutlich heißer als unser Grill“, meinte ein Mädchen.

Foto: Jörn Martens

Damit sie das blubbernde Metall besser sehen konnten, rührte ein KME-Mitarbeiter den Kupferkochtopf extra für sie um: Oben auf dem heißen Kupfer entsteht nämlich wie beim Milchkochen die Haut eine Schicht aus Kohlerückständen, durch die nicht einfach hindurchgesehen werden kann. Der KME-Mitarbeiter schob die Masse mit einem etwa zwei Meter langen Kochlöffel einfach zur Seite. Wie er erklärte, besteht der Kochlöffel aus Stahl und ist mit einer besonders hitzebeständigen Masse Teer beschichtet. Wenn er zu lange in das flüssige Kupfer gehalten wird, würde auch er einfach schmelzen. 

In der Gießerei entstehen jeweils 8 Tonnen schwere Kupferblöcke (5-6 Autos), die 5 Meter lang, 1,20 Meter breit und etwa 30 cm dick sind. In den nächsten Arbeitsschritten werden sie zu immer dünneren Blechen ausgewalzt, aus denen die Produkte hergestellt werden. Dafür werden die Metallblöcke zunächst wieder auf eine Temperatur von etwa 800 Grad erhitzt und damit nach Angaben von Schönball so weich wie Kaugummi gemacht, bevor sie mit gewaltiger Kraft in einer Maschine ausgewalzt, die aus den 5 Meter langen und 30 cm dicker Metallböcken innerhalb weniger Minuten 100 Meter langen und nur noch 2,5 cm dünnen Metallbahnen. 

Foto: Jörn Martens

Auch ganz dünne Blecke mit einem Durchmesser von bis zu 0,1 Millimetern können hergestellt werden. Die Bleche werden auf Trommeln gerollt, die nach den Worten von Schönball leicht mehrere Kilometer des Material enthalten können. Im letzten Schritt werden aus den Blechen beispielsweise die Leiterplatten und Schalterteile, die für Autos benötigt werden, einfach herausgestanzt. Weil Elektro- und Hybridautos mit einer höheren Stromspannung fahren als bisher in Autos erforderlich war, werden die Teile für die modernen Fahrzeuge aus deutlich dickerem Material hergestellt, wie Schönball erklärte. 

Thies wollte wissen, ob das Kupfer wertvoll ist und ob auch Diebstähle ein Problem sind. Wie Schönball erklärte, kostet ein Kilo Kupfer zurzeit 7 Euro (Eisen: 1 Kilo = 10m Cent), so dass eine Rolle Kupferblech je nach Materialmenge leicht 70000 Euro und mehr kostet – also so viel wie ein ordentlicher Mittelklassewagen. Wie in allen Unternehmen werde auch bei KME immer wieder versucht, etwas zu stehlen, so Schönball – nach seinem Wissen seien solche Versuche aber noch nicht von Erfolg gekrönt gewesen.


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