Wichtelworte und Tiergeräusche Zirkusmaria zeigt im Figurentheater die Wintergeschichte „Tomte Tummetott“

Auch die Hühner hat der Wichteltroll im Blick: Szene aus „Tomte Tummetott“ im Figurentheater Alte Fuhrhalterei, im Hintergrund Friederike Hellmann von Zirkusmaria am Instrumententisch. Foto: FR/FigurentheaterAuch die Hühner hat der Wichteltroll im Blick: Szene aus „Tomte Tummetott“ im Figurentheater Alte Fuhrhalterei, im Hintergrund Friederike Hellmann von Zirkusmaria am Instrumententisch. Foto: FR/Figurentheater

Osnabrück. Die winterliche Erzählung "Tomte Tummetott" von Astrid Lindgren feierte im Osnabrücker Figurentheater Alte Fuhrhalterei eine umjubelte Premiere - in einer musikalischen und interaktiven Inszenierung des Berliner Theaterkollektivs Zirkusmaria.

Es passiert nicht oft, dass Theaterzuschauer gebeten werden, die Augen zu schließen. Nicht so bei „Tomte Tummetott“, denn der namensgebende Wichteltroll in der Erzählung von Astrid Lindgren, die auf Viktor Rydbergs Gedicht „Tomten“ von 1881 basiert, will nicht gesehen werden. Als er sich aber einmal seinen nächtlichen Weg durch die Sitzreihen des Figurentheaters bahnen, bitten die Spielerinnen des Berliner Kindertheater-Kollektivs Zirkusmaria die Gäste, so zu tun, als würden sie von ihm träumen. Denn Tomte wacht des Nachts auf leisen Sohlen nicht nur über sämtliche Tiere auf seinem Hof, sondern auch über die schlafenden Menschen. Die Fußspuren, die er dabei hinterlässt, werden an der Wand der Alten Fuhrhalterei dargestellt. 

Geschichte im Mondlicht. Foto: FR

Tiere auf Trommelfell

Die Hauptfigur selbst projiziert Wiebke Alphei als Schattenbild auf ein Tamburin, während Julia Brettschneider – ebenso wie ihre Kollegin im gemütlichen Norwegerpullover - Kühe, Pferde, Schafe, Hühner und den Wachhund Carlo auf dem Fell einer großen Basstrommel erscheinen lässt, die in der Mitte der Bühne platziert ist. Der Fuchs, vor dem Tomte die Hühner beschützt, ist die einzige Handpuppe, die in dieser ansonsten zweidimensional geprägten Inszenierung mitwirkt. 

Lassen leise Schnee rieseln: (von links) Friederike Hellmann, Julia Brettschneider und Wiebke Alphei vom Theaterkollektiv Zirkusmaria. Foto: FR

Es ist ein besonders Merkmal dieser Gastspielerinnen, die nun zum bereits vierten Mal das Programm des Figurentheaters bereichern, dass sie ihre Techniken nicht verbergen, sondern die Geheimnisse ihres Spiels ohne jegliche visuelle Täuschung offen sichtbar machen, um ein „Kindertheater auf Augenhöhe“ zu ermöglichen. Dazu gehört auch die fortwährende Interaktion und der Einbezug der Zuschauer in das Geschehen. So muht, wiehert, blökt und gackert es aus vielen Kehlen, als Tomte im Kuh-, Pferde-, Schaf- und Hühnerstall nach dem Rechten sieht. Friederike Hellmann sorgt nicht nur für eine adäquate musikalische Untermalung der einzelnen Szenen, sondern gießt zudem die Wichtelworte in Lieder, die sie mit der Gitarre intoniert. Dabei hilft Tomte Tieren und Menschen über die kalte Winterzeit und nährt ihre Vorfreude auf wärmere Tage. „Noch weht der Schnee in deine Hütte, doch bald wärmt die Sonne dein Fell“, verspricht er etwa dem Hofhund. 

Vorfreude auf den Sommer. Foto: FR

Verschiedene Wünsche

Bei der umjubelten Premiere ist aber auch Weihnachten ein Thema. Zwischendurch klingelt es immer wieder an der Tür und ein ominöser alter Mann bringt Schnee, Strickzeug und einen Zettel, auf dem die Wünsche der Kinder aus dem Publikum notiert werden. Von verschiedenen Tieren, insbesondere Hunden, über Spielzeug bis hin zu Instrumenten von der Blockflöte bis zur Trompete reicht da die Palette. Tummetott dagegen wünscht sich lediglich wieder mehr Sonne und Licht nach dem kalten Winter. Als kleiner Vorgeschmack dient ein sommerliches Schattenspiel mit Vogelgezwitscher. Am Ende stimmen alle Tiere noch einmal mit ein zum Abschluss einer facettenreichen Inszenierung einer Geschichte, die den Winter mehr als erträglich macht.


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