Kleine Flughäfen – große Bedeutung IHK-Forum Luftverkehr am FMO diskutiert über Wettbewerbsfähigkeit

Über die Wettbewerbsfähigkeit von Flughäfen diskutierten am Dienstag im IHK-Forum Luftverkehr am FMO Dietmar Hemsath, Geschäftsführer Georgsmarienhütte GmbH, Prof. Dr. Stefan Kirmße, Geschäftsführer zeb.rolfes.schierenbeck.associates GmbH, Arend van der Meer, CEO AIS Airlines, Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Flughäfen e. V., und FMO-Geschäftsführer Prof. Dr. Rainer Schwarz (Foto von links). Foto: Thomas WübkerÜber die Wettbewerbsfähigkeit von Flughäfen diskutierten am Dienstag im IHK-Forum Luftverkehr am FMO Dietmar Hemsath, Geschäftsführer Georgsmarienhütte GmbH, Prof. Dr. Stefan Kirmße, Geschäftsführer zeb.rolfes.schierenbeck.associates GmbH, Arend van der Meer, CEO AIS Airlines, Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Flughäfen e. V., und FMO-Geschäftsführer Prof. Dr. Rainer Schwarz (Foto von links). Foto: Thomas Wübker
Thomas Wübker

Greven. Geschäftsleute aus der Region und Luftfahrtexperten kamen am Dienstagabend am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) zusammen, um über Perspektiven und den Ist-Zustand des Tors zur Welt in unserer Region zu diskutieren. Dabei redete vor allem der hochrangigste Gast des Abends Klartext.

„Wir brauchen einen leistungsfähigen Flughafen“, sagte Dr. Benedikt Hüffer, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, die zusammen mit der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim zum Luftverkehrsforum zur Wettbewerbsfähigkeit geladen hatte. Den Ball nahm FMO-Geschäftsführer Prof. Dr. Rainer Schwarz gerne auf. Er verwies darauf, dass die Einrichtung des Kundenbeirats dazu geführt habe, dass die Wünsche der Unternehmer in der Region besser gehört werden könnten. Dies habe zum Beispiel dazu geführt, dass – auf Wunsch des Beirats – zum Winterfahrplan die Ziele Berlin und Wien angeflogen werden. 

Kritik an Erhöhung der Luftverkehrssteuer

Im Verlaufe seiner Rede wies Schwarz darauf hin, dass der FMO trotz der Insolvenzen von Thomas Cook, Germania und Air Berlin in diesem Jahr an der Millionen-Marke bei den Passagierzahlen kratzt. Ziel sei weiterhin die schwarze Null und der klimaneutrale Flughafen, der sich als Standortvorteil gegenüber größeren Flughäfen erweisen könnte, so Schwarz. Das kommende Jahr werde angesichts der Erhöhung der Luftverkehrssteuer sicher nicht langweilig, prognostizierte er.

Redete Klartext: Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen. Foto: Thomas Wübker

Darauf ging auch Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen mit Sitz in Berlin, ein. Er kritisierte die Erhöhung deutlich, da deren Erträge in den Bundeshaushalt fließen und nicht in Maßnahmen wie die Herstellung von klimafreundlichem Kerosin. „Durch die Erhöhung der Luftverkehrssteuer werden uns fünf Millionen Passagiere fehlen“, so Beisel. Dies bedeute Mindereinnahmen in Höhe von 175 Millionen Euro – Geld, das auch Gemeinden fehlen werde.

Gibt es in Deutschland zu viele Flughäfen?

Zu Anfang seines Vortrags stellte Beisel die Frage, ob es in Deutschland nicht zu viele Flughäfen gebe. Die Antwort sei relativ einfach, sagte er. Da Deutschland kein zentristischer Staat wie Frankreich, England oder Spanien sei, wo sich die wirtschaftlichen Aktivitäten auf die Hauptstädte konzentrieren, seien die Flughäfen nötig, um die zahlreichen starken Wirtschaftsregionen miteinander zu verbinden. Er verglich sie mit den Handelsrouten im Mittelalter. Man solle zudem Flughäfen nicht nach ihrer Größe, sondern nach ihrem Nutzen für die jeweiligen Regionen beurteilen. Der FMO biete gute Anbindungen zu den Drehkreuzen der Luftfahrt und damit zu 250 Zielen in der Welt.

Die Luftfahrt erlebe auch angesichts der Klima-Debatte eine Krise, sagte Beisel. „Wir bekennen uns jedoch zu den Zielen der Pariser Klima-Konferenz.“ Dazu sei aber die Unterstützung der Politik notwendig. Dem Auditorium verriet er, dass ihm ein Staatssekretär aus dem Umweltministerium gesagt habe, er wolle den Luftverkehr reduzieren. Beisel plädierte jedoch dafür, in die Luftfahrt zu investieren.

Luftfahrt ist trotz allem eine Wachstumsbranche

Flughäfen halten sich heute mit Gastronomie, Parkplätzen oder Shops über Wasser, so Beisel weiter. „Wir sind eine bessere Mall“, sagte er fatalistisch. Viele Flughäfen hätten in jüngerer Vergangenheit durch harte Sanierungsmaßnahmen ihr Überleben gesichert, sagte Beisel. „Es greift aber zu kurz, Flughäfen nur rein betriebswirtschaftlich zu betrachten“, sagte er. Für zahlreiche Unternehmen sind sie gerade die kleinen Flughäfen ein wichtiger Standortfaktor. Die Luftfahrt sei trotz allem eine Wachstumsbranche, zog Beisel als Fazit. Dies sei auch Urlaubsreisenden zu verdanken.

Den letzten Gedanken nahm Schwarz in der Diskussionsrunde auf. 75 Prozent der Menschen aus der Region würden zum Düsseldorfer Flughafen fahren, obwohl der FMO die gleichen Ziele anfliege. Das sei aus ökologischer Sicht Wahnsinn. Daran werde gearbeitet, sagte er weiter ohne konkret zu werden.


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