Manisch depressiver Komponist Irrenhaus: „Krankenakte Schumann“ am Sonntag im Theater

Blättern in der "Krankenakte Schumann": Matthias Brandt und Jens Thomas (von links). Foto: Mathias BothorBlättern in der "Krankenakte Schumann": Matthias Brandt und Jens Thomas (von links). Foto: Mathias Bothor
Mathias Bothor

Osnabrück. Schumann im Irrenhaus. Darum geht es, kurz gesagt, in „Krankenakte Robert Schumann“, dem Programm von Schauspieler Matthias Brandt und Pianist Jens Thomas, das am Sonntag im Theater zu erleben sein wird.

Der berühmte Schumann: Großer Komponist, nach langen Kämpfen Ehemann seiner geliebten Clara, der erfolgreichen Pianistin, vielfacher Vater und rühriger Musikpublizist. Doch es gab im Leben Schumanns eben auch die andere Seite: Nach einer Handverletzung scheiterte die Pianistkarriere, berufliche Rückschläge musste er mehrfach verkraften und innerlich fühlte er sich oft zerrissen, sah seine Seele in zwei Teile gespalten, denen er die Namen Florestan und Eusebius gab. Schließlich wollte Schumann sich im Rhein ertränken, den er zuvor in seiner dritten Symphonie besungen hatte. Der Suizid misslang, und der Komponist verbrachte daraufhin seine letzten Jahre in einer Anstalt in Bonn-Endenich.

„Wahrscheinlich war der Schumann manisch-depressiv“, so Jens Thomas, „aber das kannte natürlich damals noch keiner, es gab ja noch keine Psychotherapie.“ In Endenich habe der Arzt Franz Richarz eine akribische Krankenakte geführt, die sich erhalten habe und mittlerweile veröffentlicht wurde. Was steht drin? „Gruseliges Zeug“, sagt Jens Thomas. „Die haben mit allen möglichen schlimmen Dingen an dem Mann rumgedoktort, mit Arsen-Gaben zum Beispiel. Das ist schon harte Kost, nichts was man auf Dauer sich anhören möchte.“ Im Programm gibt es aber weitere Texte, und zwar aus dem Roman „Schumanns Schatten“ von Peter Härtling, der sich ebenfalls mit Schumanns Zeit in Endenich befasst.

Hang zur Improvisation

Nun wäre es naheliegend, bei einem solchen Abend Musik von Schumann zu spielen. Jens Thomas meint dazu nur: „Das kann ja auch durchaus passieren, ich will das nicht ausschließen.“ Jens Thomas hat nämlich keinen klassischen Hintergrund, sondern ist Jazz-Pianist. Als solcher improvisiert er natürlich gerne und wird das auch in diesem Schumann-Programm tun. „Die Musik ist komplett frei improvisiert, und ich reagiere auf den Text und die Stimmung. Es geht schließlich um Schumanns letzte Jahre, wo er seine Musik verliert und in diesem Irrenhaus zugrunde geht.“ Anklänge an Schumanns Stil oder an einzelne konkrete Werke werde es möglicherweise geben, so Jens Thomas: „Grundsätzlich spiele ich eigene Musik, aber natürlich habe ich mich mit Schumanns Werk befasst. Es kann sein, dass auch das ein oder andere Schumann-Lied vorkommt. Aber auch das ist nicht garantiert.“

Letztlich kann auch Matthias Brandt etwas improvisieren, denn die Textauswahl sei zwar größtenteils festgelegt, aber doch flexibel: „Es gibt einen Textmaterial-Pool, und da ist jeder Abend etwas anders.“

Das Schumann Programm von Matthias Brandt und Jens Thomas, die schon seit acht Jahren und mit verschiedenen Programmen zusammen auftreten, entstand als Auftragsarbeit des Schleswig-Holstein Musikfestivals. „Es hat uns dann mehr und mehr berührt und gerührt, dem Wesen Schumanns näher zu kommen. Es geht nicht um die historische Wahrheit, sondern darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das vielleicht sein könnte, wenn jemand seine Musik verliert.“

„Krankenakte Robert Schumann“ am Sonntag, 20 Uhr, Theater am Domhof. Es sind noch wenige Restkarten verfügbar unter anderem auf theater-osnabrueck.de.


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