Dem Nachbarn über den Gartenzaun schauen Theaterprojekt soll Menschen im Osnabrücker Stadtteil Schinkel verbinden

Einblicke in die Erwachsenenwelt – teils mit Kindern in den Hauptrollen. Foto: Thomas OsterfeldEinblicke in die Erwachsenenwelt – teils mit Kindern in den Hauptrollen. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Mit einem eigenen Projekt will die katholische Heilig-Kreuz-Gemeinde ihren Beitrag dazu leisten, die Menschen im Osnabrücker Schinkel einander näher zu bringen. Derzeit laufen die Proben für eine große Theateraufführung. Worum geht es da?

Die Uhr tickt unerbittlich, die Menschen hetzen durcheinander – da ertönt ein Gong. Alle bleiben stehen, erstarren und rufen erschreckt: "Ich hab keine Zeit!" Schon geht es weiter, an den Tisch, Papiere stapeln, Zeitung lesen. Und wieder der Gong: "Ich hab keine Zeit!"

Erwachsene stehen immer unter Druck. Foto: Thomas Osterfeld.

Das soll also die Erwachsenenwelt sein. Dabei sind die gut ein Dutzend Menschen, die an diesem Novembernachmittag im Gemeindezentrum Maria Rosenkranz zur Probe erschienen sind, gar nicht alles Erwachsene. Auch Kinder sind dabei. Sie sind Mitglieder des Familienkreises der Kirchengemeinde und Teil des Theaterprojekts "Geheime Gärten".

Interkulturell und intergenerativ

"Der Ruf des Schinkels ist deutlich schlechter, als die Wirklichkeit in diesem Stadtteil aussieht", sagt Günter Sandfort. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands der Heilig-Kreuz-Gemeinde, die mitten im Sanierungsgebiet Schinkel liegt. "Wir haben uns gefragt, wie wir als Kirche einen Beitrag leisten können, um die Situation zu verbessern", erzählt Sandfort und beruft sich auf Papst Franziskus: "Kirche muss für die Menschen da sein, nicht umgekehrt." Daraus entstanden die "Geheimen Gärten", die von der Felicitas-und-Werner-Egerland-Stiftung mit 36.000 Euro finanziert werden.

Die einzelnen Gruppen sollen in überspitzter Form ihren Alltag darstellen. Foto: Thomas Osterfeld.

In Kooperation mit anderen Einrichtungen wie der Stüveschule, der St.-Elisabeth-Tagespflege, Familien- und Seniorengruppen entsteht seit einigen Wochen ein Theaterstück, das seine Zuschauer dazu animieren soll, einen Blick über den Tellerrand – oder, hier passender, den Gartenzaun seines Nachbarn – zu werfen.

Gemeindereferentin Claudia Hettlich hat die Organisation übernommen und die Theaterpädagogischen Werkstätten für die Durchführung gewonnen. Regelmäßig treffen sich die beiden Leiterinnen Liane Kirchhoff und Marie Gross mit den verschiedenen Gruppen und studieren ihre Szenen ein. Bald sollen die ersten gemeinsamen Proben stattfinden. Im April kommt es dann zur großen Aufführung.

Konzipiert nach "Alice im Wunderland"

Zentrales Element ist der Garten, der die Einrichtungen miteinander verbindet. Marie Gross erläutert das Konzept: "Es wird ein Stationentheater. Eine Schauspielerin führt die Besucher wie Alice im Wunderland durch die Gärten. Man geht jedesmal durch Tore in eine neue Welt." Diese Welten wird durch die einzelnen Gruppen dargestellt. So kann sich jeder einbringen und zugleich Menschen und Milieus näher kommen, mit denen er sonst kaum etwas gemein hat. Insgesamt sind etwa 75 Laienschauspieler aktiv beteiligt.

Marie Gross von den Theaterpädagogischen Werkstätten ist die Regisseurin des Stücks. Foto: Thomas Osterfeld.

Bei den Teilnehmern kommt das Projekt jedenfalls gut an. "Wir haben so etwas noch nie als Familie gemacht", sagt Uschi Kramer, die mit ihrem Mann Martin zum Familienkreis gehört. Martin Kramer schätzt vor allem, dass die Mitglieder ihre eigenen Ideen einbringen können. Detlef Vagelpohl ist mit seiner Tochter gekommen; auch er lobt das gemeinsame Brainstorming. Und Silke Englich erklärt, ihr mache es "richtig Spaß". 

Aufführung im April 2020

Die "Geheimem Gärten" werden an drei Tagen im April rund um die Heilig-Kreuz-Kirche zur Aufführung kommen. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Der Fortschritt des Projekts kann online verfolgt werden. 


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